Es ist gar nicht so lange her, da haben wir als Radentscheid gemeinsam mit dem ADFC das Thema „10 Velorouten für Bonn“ prominent ins Schaufenster gestellt. Wir sahen die Umsetzung unseres Velorouten-Vorschlags als nächstes großes Thema in der Verbesserung der Bonner Radinfrastruktur. Daher hatten wir unsere Webseite zur 10-Velorouten-Webseite umgebaut.
Die 10 Velorouten sind weiter wichtig und wir werden ihre Umsetzung eng und kritisch begleiten. Auf dieser Webseite finden sich alle Infos zu den Velorouten unter dem gleichnamigen Menüpunkt. Aber die Sperrung der Nordbrücke und der dieser Sperrung nachfolgende Rückbau der Radwege auf Oxfordstraße und Adenauerallee wirbeln die Prioritäten durcheinander. Auch fünf Jahre nach Beschluss des Bonner Radentscheids durch den Stadtrat ist relativ wenig passiert. Nun sollen große Teile der wenigen Errungenschaften der letzten Jahre wieder rückabgewickelt werden.
In dieser Situation treten die 10 Velorouten leider etwas in den Hintergrund. Daher haben wir unsere Webseite wieder umgebaut und sind wieder im gewohnten Radentscheid-Design zu sehen. Wir glauben: In diesen Zeiten des starken Gegenwinds für das Fahrrad als Verkehrsmittel in Bonn braucht es den Radentscheid dringender als je zuvor.
Wir freuen uns, dass bereits mehrere ehemals Aktive in der jetzigen Situation ihr Engagement für den Radentscheid wieder verstärkt haben. Trotzdem brauchen wir nach wie vor weitere Kräfte, um mit unseren Aktionen darauf aufmerksam zu machen, dass das Fahrrad ein sinnvoller Teil der Lösung der aktuellen Bonner Verkehrsprobleme ist. Melde Dich gern über unser Kontaktformular.
Kurzfassung: Die schlimmsten Befürchtungen werden wahr. Der Radverkehr wird auf Teilen der Adenauerallee und der Oxfordstraße schlicht verboten, um Platz für mehr im Stau stehende Autos zu machen. Wo der Radverkehr nicht verboten wird, wird er auf einem „Schutzstreifen“ geführt, d.h. unsicher mit im Autoverkehr. Auch die Umweltspur auf der Oxfordstraße vor dem Stadthaus (Fahrtrichtung Bornheimer Straße) entfällt, so dass dort künftig mehrere Buslinien im Stau stehen.
Das ist rein autozentrierte Verkehrspolitik aus den Siebzigern.
So unsicher wie hier früher auf der Adenauerallee soll der Radverkehr künftig sowohl auf der Oxfordstraße wie auch auf der Adenauerallee geführt werden – zumindest dort, wo er nicht komplett verboten wird. Auf der Oxfordstraße wird allerdings noch deutlich weniger Platz für Auto und Fahrrad nebeneinander sein als hier auf dem Foto.
Radwege dürfen nur existieren wenn Autoverkehr keine Einschränkungen erfährt
Heute teilt die Stadt nun mit, dass sie die Sperrung für Radfahrer auf der Oxfordstraße überdenken möchte: Um doch einen Schutzstreifen für Radfahrer anlegen zu können – also eine unsichere Führung mitten durch den zweispurigen Autostau – wird die Stadt den Linksabbieger von der Oxford- in die Wilhelmstraße testweise sperren.
Natürlich ist ein Schutzstreifen besser als eine komplette Sperrung. Bisher existiert dort allerdings ein vom Autoverkehr getrennter Radweg. Auch die neue Idee stellt also eine deutliche Verschlechterung zum bisherigen Zustand dar. Der Radverkehr wird mehr gefährdet – insbesondere mit Blick auf den stark angestiegenen Autoverkehr.
Interessant an der Pressemeldung ist die Argumentation: Der Linksabbieger für den Autoverkehr wird testweise gesperrt, um auszuprobieren, ob diese Einschränkung für den Autoverkehr „verkehrlich vertretbar“ ist. Nur wenn dies der Fall ist, zieht die Stadt in Betracht, den Abschnitt für den Radverkehr nicht komplett zu sperren.
Diese Argumentation ist entlarvend. Hier zeigt sich ganz klar, dass für die Stadt Bonn der Radverkehr nur eine nachgelagerte Bedeutung hat. Es geht zu allererst nur um den Autoverkehr und nur wenn dieser nicht beeinträchtigt wird, kann über Radinfrastruktur überhaupt nachgedacht werden. Wo ist denn der Test, ob die Sperrung der Oxfordstraße für den Radverkehr „verkehrlich vertretbar“ ist? Ach so, da geht’s nicht um Autos – ja dann…
Es ist schön, dass die Verwaltung schrittweise von dem weitgehenden Ratsbeschluss zurückrudert, weil sie lernt, dass man bei den Verkehrsstärken auf der Oxfordstraße den Radverkehr nicht einfach aussperren kann. 3000 Radfahrer am Tag fahren nach neuesten Verkehrszählungen der Stadt täglich über die Oxfordstraße Richtung Bertha und Kennedybrücke. Diese Zahl zeigt deutlich, dass Radverkehr kein Randphänomen und damit kein nachrangiger Verkehr ist.
Trotz sengender Hitze von 38 Grad sind heute gut 500 Menschen unserem gemeinsamen Aufruf mit ADFC, VCD und Fuss e.V. gefolgt und haben auf dem Münsterplatz für den Erhalt der Umweltspuren und Radwege auf Oxfordstraße, Adenauerallee und Wandersleb-Ring demonstriert.
Unter dem Motto „Wir alle sind Teil der Lösung“ sprachen nicht nur Vertreter von ADFC, Radentscheid und VCD, sondern auch Stimmen aus dem Einzelhandel und der Kirche waren zu hören. Auch Parents 4 Future, die Critical Mass Bonn und der Ableger Kidical Mass Bonn kamen zu Wort.
Wir danken allen, die da waren und unser Anliegen unterstützt haben. Teilt nach wie vor gern unsere Online-Petition, die bereits über 9.000 Unterschriften erreicht hat. Die Petition und die Kundgebung heute zeigen, dass große Teile der Stadtgesellschaft die einseitige Rückumverteilung des Verkehrsraums hin zum Auto nicht gutheißt. Lasst uns das weiter sichtbar machen!
Unter dem Motto „Wir alle sind Teil der Lösung“ möchten wir ein Zeichen setzen, dass die durch die Sperrung der Nordbrücke entstandenen Verkehrsprobleme nicht durch einseitige Fokussierung auf den Autoverkehr gelöst werden können.
Wir sagen: Die Bonner Verkehrsprobleme lassen sich insbesondere durch Verlagerung von Autofahrten auf ÖPNV, Rad- und Fußverkehr lösen. Die nach der Sperrung der Brücke rasant gestiegene Anzahl Radfahrer auf der Kennedybrücke und im ganzen Stadtbild zeigt, dass die Bonner bereit sind, umzusteigen. In dieser Situation die Infrastruktur für Rad und ÖPNV zurückzubauen ist der falsche Weg.
Unser Zeichen an Stadtrat und Stadtverwaltung wird umso stärker, je mehr Leute wir werden. Deshalb: Kommt zur Kundgebung am Freitag, den 26.06. um 17 Uhr auf dem Münsterplatz! Teilt diesen Aufruf hier auf Social Media und sprecht eure Freunde, Familien und Kollegen darauf an!
Weitere Unterstützer
Wir freuen uns, dass auch weitere Organisationen die Kundgebung unterstützen. Wir werden die Liste hier erweitern wenn sich weitere Organisationen bei uns melden. Nutzt dazu gerne unser Kontaktformular.
Auslöser für den Start der Petition war der Beschluss im Stadtrat, die Hauptverkehrsachsen in der Innenstadt 2-spurig für den Autoverkehr zu machen, dafür eine Umweltspur aufzugeben und den Radverkehr auf Oxfordstraße, Adenauerallee und Hermann-Wandersleb-Ring praktisch zu verbieten (wir berichteten).
So wichtig Entlastungen für den Autoverkehr nach der Sperrung der Nordbrücke sind – so falsch ist es, dafür den gerade jetzt so wichtigen Alternativen zum Auto die Infrastruktur zu nehmen.
Der Ratsbeschluss hat eine schwere Schräglage in der Abwägung der Interessen der unterschiedlichen Verkehrsmittel. Es ist offensichtlich, dass das Fahrrad bei der Erstellung dieses Beschlusses nicht als ernsthaftes Verkehrsmittel gesehen wurde.
Bitte unterschreibt unsere Petition und setzt mit uns ein Zeichen dafür, dass Radwege und Umweltspuren Teil der Lösung der Bonner Verkehrsprobleme sind – und kein aus dem Weg zu räumendes Hindernis.Vielen Dank!
Auch interessant: Am Fr, 26.06. rufen wir gemeinsam mit ADFC, VCD und Fuss e.V. zu einer Kundgebung auf. Hier mehr Infos.
Der aktuelle Bonner ZOB stammt aus dem Jahr 1973 – und so sieht er auch aus. Ein angenehmes und repräsentatives Eingangstor in die City ist er keinesfalls. Fehlende Überdachung, fehlende Barrierefreiheit, viel zu schmale Bussteige, gefährliche Wege für Fußgänger – dass der Bonner ZOB dringend neugebaut werden muss ist wohl unstrittig.
Da stellt sich schon die Frage, warum die Ratskooperation nun die gefassten Pläne noch mal aufschnüren und abändern möchte. Neben dem Rauswurf der Fahrradgarage wird auch über weitere Dinge wie Führung des Radverkehrs, mögliche Durchleitung von Autoverkehr usw. nachgedacht.
Eine erneute Umplanung inklusive erneuter politischer Beratung wird den Bau um Jahre nach hinten schieben. Das kann nicht im Sinne der Bonner sein.
Zu wenige geplante Radstellplätze am Bonner Hbf
Uns als Radentscheid interessiert natürlich insbesondere die geplante Fahrradgarage. Sie ist eine von zwei im Umfeld des Hauptbahnhofs geplanten Garagen. Die andere soll hinter dem Bahnhof im Neubau des Parkhauses Quantiusstraße entstehen. Aktuell gibt es rund um den Hbf lediglich im Parkhaus Rabinstraße eine kleine Anzahl Radstellplätze. (Die Radstation in der Quantiusstraße mit 360 Stellplätzen zähle ich nicht mit, da sie weitestgehend von Dauerparkern belegt ist.)
Mit Platz für ca. 420 Fahrräder unter dem ZOB und ca. 780 Fahrrädern im Parkhaus Quantiusstraße stünden gemeinsam mit den vorhandenen 180 Stellplätzen im Parkhaus Rabinstraße dann künftig ca. 1380 sichere, trockene Fahrradstellplätze zur Verfügung.
Das mag erst mal viel klingen. Man sollte sich aber bewusst machen, dass es in der Bonner City aktuell fast keine sicheren, trockenen Abstellmöglichkeiten für Fahrräder gibt. Hingegen gibt es ca. 4.500 PKW-Stellplätze in den City-Tiefgaragen. Auch mit Neubau Quantiusstraße und ZOB bleiben die Parkmöglichkeiten für den Radverkehr weit dahinter zurück.
Auch lohnt sich ein Blick in andere Städte:
Stadt
Einwohner
Stellplätze in Radgarage am Bahnhof
Tübingen
92.000
1.400
Maastricht
126.000
3.000
Mainz
225.000
1.000
Hennef
48.000
knapp 400
Ulm
130.000
500
Münster
308.000
3.300
Osnabrück
166.000
2.300
Bonn hat 323.000 Einwohner und ist damit größer als alle genannten Städte. Am nächsten dran liegt Münster, das mit 3.300 Stellplätzen am Hbf mehr als doppelt so viele hat wie Bonn mit Neubau Quantiusstraße und ZOB.
Einfahrt zur Fahrradgarage am Bahnhof in Maastricht
Die Planungen für Fahrradgaragen in Bonn sind nicht abwegig oder überdimensioniert. In anderen Städten zeigt sich der Bedarf. Bonn hat einen vergleichsweise hohen Radverkehrsanteil von 20%. Die aktuell überall um den Hbf verteilten Fahrräder zeigen den Bedarf deutlich.
Fällt die geplante Fahrradgarage unter dem ZOB weg, werden auch künftig nur 960 sichere Radstellplätze rund um den Bonner Hbf existieren. Das ist für eine Stadt der Größe Bonns mit weiter steigendem Radverkehrsanteil einfach zu wenig.
Förderprogramme zur Finanzierung nutzen
Aus dem Artikel im Bonner Generalanzeiger werden als Hauptargument gegen die geplante Fahrradgarage die Kosten genannt. Auch hier lohnt ein Blick in andere Städte.
Nicht weit von Bonn weg in Hennef entsteht gerade eine Fahrradgarage für ca. 4 Millionen Euro, von denen 90% vom Bund gefördert werden. Hennef hat hier das Förderprogramm „Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen“ des Bundesverkehrsministeriums genutzt. Diese Tabelle zeigt, dass aus diesem Programm in mehreren Städten Fahrradgaragen mit Millionenbeträgen gefördert werden.
In Bedburg ist erst kürzlich eine neue Fahrradgarage am Bahnhof eröffnet worden. Dort wurden durch eine Förderung von go.rheinland 90% der Kosten gedeckt. In Osnabrück hat man für den Bau einer Fahrradgarage mit 2.300 Stellplätzen am Hbf immerhin eine Förderquote von 50% erreichen können.
Andere Städte zeigen wie es geht. Es gibt Förderprogramme. Man muss sie nur suchen und nutzen. Dass die Ratskooperation hier nun einfach ambitionslos die Fahrradgarage am ZOB mit Verweis auf die Kosten streichen will zeugt nicht gerade davon, dass dem Fahrrad als Verkehrsmittel in der Bonner Politik z.Zt. eine Wertschätzung entgegenkommt.
Bonn braucht Mut zur Verkehrswende – keinen Rückschritt
Der Neubau des ZOB und des Parkhauses Quantiusstraße sind die letzten Möglichkeiten, im direkten Umfeld des Bonner Hauptbahnhofs Platz für sicheres und trockenes Fahrradparken zu schaffen. Wir appellieren an die Politik, diese Chance nicht verstreichen zu lassen!
Der Anteil des Radverkehrs ist in Bonn in den letzten Jahren sprunghaft auf 20% angestiegen. Es ist zu erwarten, dass er weiter zunimmt. Damit wird das Fahrrad als platzsparendes Verkehrsmittel ein wichtiger Baustein in der Lösung der Bonner Verkehrsprobleme sein. Bauen wir die Infrastruktur, die dieser gewachsenen Bedeutung des Radverkehrs in unserer Stadt gerecht wird. Platz für ausreichend Fahrradparken am Bahnhof gehört – insbesondere für die Verzahnung von Rad- und Bahnverkehr – zwingend dazu.
Die Sperrung der Bonner Nordbrücke ist ein schwerer Schlag für den Verkehr in Bonn. Eine Instandsetzung oder ein rascher Neubau der Brücke ist dringend notwendig. Ersten Verlautbarungen zu Folge ist aber leider anzunehmen, dass wir Bonner uns eine Weile an die Sperrung gewöhnen müssen. Wir hoffen, dass zumindest eine Freigabe der Geh- und Radwege sowie ggf. vielleicht eingeschränkter (vielleicht einspuriger?) Autoverkehr durch eine rasche Ertüchtigung bald wieder möglich sein werden.
Die Frage ist: Wie reagiert Bonn auf diese Sperrung? Es ist gut, dass die Stadt Bonn schnell eine Task Force gegründet hat. Eine Pressemeldung mit ersten Maßnahmen sorgt allerdings für Sorgen unter den Aktiven des Radentscheids. In der Meldung heißt es:
[…] Maßnahmen für die Ost-West-Achse, d.h. die Strecke vom Alten Friedhof bis hinter die Kennedybrücke, neue Wegführungen für Radfahrende sowie Ummarkierungs- und Umbaumöglichkeiten von Spurführungen, damit der Verkehr besser fließen kann […]
Auch wenn dies noch sehr abstrakt ist, so lesen wir hier raus, dass die Stadtverwaltung darüber nachdenkt, die erst vor wenigen Jahren eingerichteten Radwege und Umweltspuren auf der Oxfordstraße wieder zu Fahrspuren für den Autoverkehr umzuwandeln. Ob diese Überlegungen auch für die Adenauerallee gelten, lässt sich erst mal nicht ablesen. Es ist verständlich, dass in seiner solch prekären Situation alle Möglichkeiten in Erwägung gezogen werden. Allerdings erscheinen uns die Chancen solcher Maßnahmen viel geringer als die Nachteile, die sie mit sich bringen.
Enge Bonner Straßen können Verkehr der Nordbrücke nicht aufnehmen
Über die Nordbrücke fahren 100.000 Kraftfahrzeuge am Tag. Das Bonner Straßennetz ist nicht in der Lage, einen großen Teil dieser 100.000 Fahrzeuge zu verkraften. Wie Politiker sämtlicher Bonner Parteien richtigerweise immer wieder sagen: Im Bonner Straßennetz ist nicht viel Platz. Die Straßen sind eng.
Eine gute Möglichkeit für eine teilweise Entlastung der Straßen ist, wenn möglichst viele Menschen jetzt auf die platzsparenden Verkehrsmittel Fuß, Rad und ÖPNV umsteigen. Das setzt aber sichere Fuß- und Radwege und freie ÖPNV-Spuren voraus. Die Gewinne, die man durch die Freigabe von ÖPNV- oder Radspuren für den Autoverkehr machen würde, wären deutlich geringer. Was hilft eine mit MIV zugestaute Umweltspur, wenn dadurch auch kein Bus und kein Radfahrender voran kommt?
Ein Rückbau von Radwegen, eine kompliziertere Führung von Radverkehr über Umwege und eine Verlangsamung des ÖPNV durch Freigabe von Umweltspuren für den MIV verringern die Attraktivität der Alternativen zum Auto und machen es den Menschen so noch schwerer, Alternativen zum Auto zu nutzen, obwohl dies gerade jetzt sehr hilfreich wäre. Bonn muss sich gerade jetzt dafür einsetzen, die Attraktivität der Alternativen zum Auto weiter zu erhöhen. Kein anderes Verkehrsmittel verbraucht so viel Platz wie Autoverkehr. Im engen Bonner Straßenraum kann eine Fokussierung auf MIV keine Lösung sein.
Beschleunigung der 66 ist ein guter Weg
Ausdrücklich unterstützen wir die in einer weiteren Pressemeldung der Task Force angekündigte Beschleunigung der Stadtbahn 66 auf der Sankt Augustiner Straße. Gerade jetzt ist es wichtig, dass die Bahnen getrennt vom Autoverkehr verlässlich fahren können.
Zwar werden für den Radverkehr dadurch Umwege (Bröhltalbahnweg stadteinwärts, Combahnstraße – Kreuzstraße stadtauswärts) notwendig. Dies halten wir aber in Abwägung zur dadurch erreichbaren Beschleunigung des ÖPNV und mit Blick auf die zwar längeren, aber grundsätzlich gut nutzbaren Ausweichrouten für hinnehmbar. Anregen möchten wir eine Führung des Radverkehrs stadteinwärts über Bröhltalbahnweg und anschließend Professor-Neu-Allee, um eine direkte Anbindung an die Kennedybrücke herzustellen.
Betonen möchten wir, dass hingegen auf der Oxfordstraße durch eine Wegnahme der Radwege weder der ÖPNV weiter beschleunigt würde noch akzeptable Ausweichrouten für den Radverkehr existieren. Die Friedrichstraße ist eine Fußgängerzone und daher als Hauptdurchgangsroute für den Radverkehr ungeeignet. Die Radwege an der Oxfordstraße halten wir daher für notwendig.
Stärkung der Alternativen zum Auto als Lösung
Wir fordern die Beibehaltung der erfolgreich eingeführten und gut angenommenen Radwege auf der Oxfordstraße sowie der Adenauerallee sowie die Beibehaltung der Umweltspuren für den Busverkehr auf der Oxfordstraße und dem Hermann-Wandersleb-Ring.
Mit Erleichterung haben wir wahrgenommen, dass unser Oberbürgermeister, Guide Déus, auch auf den ÖPNV setzen will und dafür die Bedeutung der ÖPNV-Spuren betont. Nur wenn wir Verkehr und Mobilität ganzheitlich sehen, werden wir Entlastung schaffen können. Dabei wird es in der jetzigen Situation auch unkonventionelle und mutige Schritte brauchen, die wir gerne unterstützen, wenn sie zu intelligenten Lösungen führen.
Vor zwei Wochen berichtete der Generalanzeiger Bonn über die Auslastung der vier Fahrradparkhäuser, die vor zweieinhalb Jahren am Bahnhof Beuel, am Konrad-Adenauer-Platz, am Frankenbad und am Stiftsplatz gebaut wurden. In Teilen der Bonner Politik wurde daraufhin Unmut über die geringe Auslastung geäußert. Aber ist das gerechtfertigt?
Ein Blick auf die Zahlen
Schauen wir uns die Zahlen einmal an: Die Stadtverwaltung hat Auslastungszahlen jeweils für den Monat März veröffentlicht:
Der Generalanzeiger hat darüberhinaus eine Stichprobe zur Auslastung über die Bonnmobil-App (dort kann man die aktuelle Auslastung einsehen) durchgeführt, wahrscheinlich am Freitag, den 17.04. Für diesen Artikel hier habe ich ebenfalls eine Stichprobe gezogen und zwar am Mo, den 04.05.2026 um 20:00 Uhr. Die Auslastungszahlen dieser Stichprobe ähneln sehr der Stichprobe des Generalanzeigers. Dies deutet darauf hin, dass die GA-Stichprobe kein Ausreißer war. Eventuell lässt sich daraus die Vermutung ableiten, dass viele Dauerparker die Parkhäuser nutzen.
Die Gesamtauslastung über alle vier Parkhäuser hinweg liegt zum Zeitpunkt der Stichprobe bei 120 von 280 Stellplätzen und damit bei knapp 43%.
Ist das jetzt wirklich schlecht?
Die teils geäußerte Einschätzung, dies wären schlechte Zahlen, kann ich nicht so recht teilen. Die Gründe hierfür sind meiner Meinung nach eine evtl. falsche Erwartungshaltung, die Unbekanntheit der Parkhäuser sowie die unnötig komplizierte Benutzung. Diese drei Gründe möchte ich nacheinander erläutern.
Es kann niemand ernsthaft eine Auslastung von 100% (oder nahe daran) erwarten. Wäre das der Fall, wäre das Parkhaus deutlich zu klein dimensioniert.
Das soll nicht heißen, dass die Auslastung der Fahrradparkhäuser gut ist. Aber die Zahlen bedürfen einer Einordnung bezüglich einer Erwartungshaltung. Das Fahrradparkhaus am Beueler Bahnhof z.B. sollte aus meiner Sicht möglichst oft freie Plätze haben, damit Menschen, die ankommen, ihr Fahrrad parken und mit dem Zug weiterfahren möchten, dies auch wirklich tun können.
Unbekanntheit und schlechte Ausschilderung
Ehrlich gesagt überraschen mich die Auslastungszahlen der Fahrradparkhäuser fast positiv. Es gibt im Bonner Straßenraum praktisch keine Hinweise darauf, dass diese Fahrradparkhäuser existieren. Klar, es gibt Webseiten. Was aber völlig fehlt, ist eine Ausschilderung. Radelt man nicht zufällig an einem der Parkhäuser vorbei, gibt es überhaupt keine Schilder, die einem Radfahrenden den Weg dorthin weisen. Für mich ist das insbesondere ein wichtiger Punkt, weil wir für Autoparkhäuser unzählige Schilder und dynamische Anzeigetafeln mit der aktuellen Anzahl freier Parkplätze in der Stadt aufstellen – für die vier Fahrradparkhäuser hingegen reicht es nicht mal für einen einzigen Wegweiser. Selbst die an jedem Autoparkhaus obligatorische Anzeige „frei / belegt“ gibt es bei den Radparkhäusern nicht.
Man kann nicht erwarten, dass der Fahrradparkverkehr in die Parkhäuser gelenkt wird, wenn man den Radlern nicht den Weg dorthin weist. Wie es gehen kann, zeigt z.B. Utrecht. Dort gibt es nicht nur auf den wichtigen Radrouten Wegweiser zu den nächstgelegenen Parkhäusern, sondern auch ein Parkleitsystem – genauso wie wir es vom Autoverkehr kennen. Ich bin überzeugt: Ein paar Wegweiser zu den Fahrradparkhäusern an den nahegelegenen Hauptradrouten, eine Anzeige der freien Plätze am Parkhaus – und schon steigt die Auslastung an.
Parkleitsystem für Radfahrende in UtrechtWegweiser in Groningen mit Anzeige, dass Plätze frei sind
Komplizierte Benutzung
Der wichtigste Aspekt, der meiner Meinung nach die Auslastung steigern kann, ist eine Vereinfachung der Benutzung der Parkhäuser. Bisher ist das Parken dort extremst kompliziert:
Es muss eine App installiert werden.
In der App muss ein Konto angelegt werden.
Es muss eine E-Mail-Adresse angegeben und per PIN, die per Mail zugeschickt wird, verifiziert werden.
Die Handynummer muss per PIN, die per SMS zugeschickt wird, verifiziert werden.
Es muss eine Bezahlmethode eingerichtet werden.
Nach diesen fünf Schritten darf man endlich einen Stellplatz buchen und parken.
Ich denke, es ist sofort deutlich: Für Dauerparker mögen die Parkhäuser eine Option sein. Für Gelegenheitsparker sind sie aktuell völlig wertlos. Insbesondere wenn man sich den Vergleich zu einem Autoparkhaus anschaut (Vorfahren, Ticket ziehen, Parken), wird offensichtlich, wie absurd kompliziert die Benutzung der Bonner Fahrradparkhäuser ist. Ich weiß aus dem Bekanntenkreis, dass die komplizierte Benutzung Menschen davon abhält, die Parkhäuser zu verwenden.
Dabei könnte es so einfach sein: Vorfahren, Kreditkarte / Smartphone vorhalten und bezahlen, Tür geht auf, parken. Warum das nicht geht, ist mir ehrlich gesagt unbegreiflich.
Man kann nicht erwarten, dass der Radverkehr Parkhäuser verwendet, die eine Viertelstunde Stellplatzbuchung erfordern. Ich vermute, dass die Parkhäuser aktuell überwiegend von Dauerparken verwendet werden. Darauf deutet auch hin, dass der GA und ich an zwei unterschiedlichen Tagen sehr nah beieinanderliegende Auslastungszahlen ermittelt haben. Wie hoch mag die Auslastung werden, wenn auch Gelegenheitsparkern die Nutzung der Parkhäuser ermöglicht wird?
Fazit: Der Weg zu mehr Auslastung ist klar!
Die Auslastung der Bonner Fahrradparkhäuser ist noch nicht da, wo sie sein sollte. Aber sie steigt Jahr für Jahr an – und das völlig ohne Ausschilderung und trotz umständlichster Benutzung. Die Rahmenparameter sind denkbar schlecht – und trotzdem steigt die Auslastung. Das finde ich eigentlich eine recht positive Botschaft!
Was zu tun ist, ist aus meiner Sicht offensichtlich: Es müssen Wegweiser an die viel befahrenen Radrouten! Insbesondere das Parkhaus am Konrad-Adenauer-Platz steht abseits jeder vielbefahrenen Radroute. Kein Wunder, dass dort die Auslastung am Geringsten ist. Außerdem muss eine einfache Bezahlmöglichkeit – z.B. durch Vorhalten des Smartphones – eingebaut werden.
Wenn die Auslastung dann immer noch schlecht sein sollte, können wir gern über den Bedarf an Fahrradparkhäusern reden.
Die Webseite des Radentscheid Bonn hat sich weiterentwickelt zum Portal für Radverkehrspolitik in Bonn. Die gemeinsam von Radentscheid und ADFC Bonn/Rhein-Sieg entwickelte Idee 10 Velorouten für Bonn steht nun im Mittelpunkt der Webseite. Zusätzlich gibt es Infos zur Idee der Velorouten, detaillierte Infos zu den einzelnen Routen (Verlauf, besondere Herausforderungen je Route) sowie eine Seite mit aktuellen Blog-Beiträgen nur zum Thema Velorouten.
Alle bisherigen Infos zum Radentscheid sind natürlich weiterhin abrufbar (Menüpunkt Radentscheid). Die Domain www.radentscheid-bonn.de führt direkt zu den Radentscheid-Infos unter diesem Menüpunkt. Der Menüpunkt ADFC führt direkt zum Web-Angebot der verkehrspolitischen Gruppe des ADFC Bonn/Rhein-Sieg.
Damit erhält diese Webseite nun zwei Absender: Radentscheid und ADFC gemeinsam. Wir halten dies für konsequent, da wir die 10 Velorouten hier in den Mittelpunkt stellen möchten und diese Idee gemeinsam von beiden Partnern entwickelt wurde.
Unsere Blog-Beiträge zur Inspirationfür bessere Radverkehrsinfrastruktur aus anderen Städten sind weiterhin erreichbar und werden auch weiterhin ergänzt. Unter dem Menüpunkt Mobilität finden sich allgemeine Beiträge zur Entwicklung der Bonner Radverkehrsinfrastruktur. Und die Infos zur Kidical Mass finden sich natürlich auch weiterhin auf dieser Webseite.
Die 10 Velorouten für Bonn haben starken Anklang in der Stadtgesellschaft gefunden! Mit dieser neu ausgerichteten Webseite möchten wir einen zentralen Anlaufpunkt für dieses Projekt bieten und ausführliche Informationen bereitstellen. Wir hoffen, der Umsetzung der 10 Velorouten damit einen Schub geben zu können.
Im April letzten Jahres haben der ADFC Bonn/Rhein-Sieg und wir – der Radentscheid Bonn – unsere Idee der 10 Velorouten für Bonn vorgestellt. Unser Ziel: Durch eine Priorisierung und Fokussierung auf 10 wichtige Fahrradrouten im Bonner Stadtgebiet Geschwindigkeit in die aktive Planung und Umsetzung durchgängiger und sicherer Radinfrastruktur zu bekommen.
Diese Idee ist im vergangenen Kommunalwahlkampf von gleich mehreren Parteien aufgegriffen worden und fand sich somit in mehreren Wahlprogrammen wieder. Nach der Kommunalwahl bildet sich nun im Stadtrat eine Minderheitskooperation zwischen CDU, SPD und FDP heraus. Diese Parteien haben ein Kooperationspapier veröffentlicht und auch in diesem taucht unsere Idee der 10 Velorouten auf:
„Die zehn vom ADFC entwickelten und grundsätzlich beschlossenen Velorouten werden sukzessive und konsequent durchgeplant und umgesetzt.“
(Zitat aus dem Kooperationspapier zw. CDU, SPD und FDP)
Wir freuen uns, dass unsere Idee so viel Anklang findet!
Informationsveranstaltung für Politik und Stakeholder
Um der Kommunalpolitik und anderen Stakeholdern weitere Details zur Idee der 10 Velorouten zu geben, haben der ADFC und wir vergangenen Dienstag (27.01.2026) eine Informationsveranstaltung angeboten. In einer ca. 25-minütigen Präsentation wurde zum Einen die Motivation der 10 Velorouten dargelegt. Zum Anderen wurden konkrete Routenabschnitte aufgezeigt, an denen man mit der Planung loslegen könnte und die teils recht einfach zu besserer Radinfrastruktur umbaubar sind.
Wir freuen uns, dass wir Vertreter mehrerer Parteien sowie Interessensvertreter anderer Verbände auf unserer Veranstaltung begrüßen durften und dass ein Austausch zur Idee der 10 Velorouten begonnen hat! Auch die Lokalpresse hat berichtet (Artikel und Kommentar), was uns ebenfalls sehr freut.
Erlebbare und kommunizierbare Radinfrastruktur für Bonn
Auch wenn das vor ca. zwei Jahren von der Politik beschlossene Radnetz nach wie vor unser Zielbild bleibt, glauben wir, dass durch die Fokussierung, die die 10 Velorouten geben, schneller durchgängige und sichere Radwege Realität werden können. Dadurch wird gute Radinfrastruktur für die Bonner Bürger direkt erlebbar. Diese Erlebbarkeit und die einfache Kommunizierbarkeit durch unseren Velorouten-U-Bahn-Plan sind aus unserer Sicht der Schlüssel zu mehr Akzeptanz unter den Bonner Bürgern für Veränderungen in der Verkehrsinfrastruktur, die auch dem Radverkehr Platz geben und dadurch sicheres Radfahren möglich machen.