Autor: Pascua

  • 28.074 Unterschriften für eine lebenswerte Stadt

    28.074 Unterschriften für eine lebenswerte Stadt

    Aus allen Ecken der Stadt haben uns nun auch die letzten Listen erreicht und alle Unterschriften sind gezählt. Das notwendige Quorum von 10.000 Unterschriften wurde haushoch übertroffen: Am Montag, den 2. November durften wir nun unsere Unterschriften der neuen Oberbürgermeisterin übergeben.

    Am ersten Arbeitstag von Katja Dörner durften wir ihr in kleiner Runde auf dem Platz vor dem Stadthaus die Unterschriften übergeben. Aufgrund der Pandemiesituation war leider keine große öffentliche Aktion möglich, zu der wir Euch einladen könnten: Das ist schade, denn wir hätten das natürlich gern mit Euch gefeiert.

    Der Radentscheid Bonn ist nun das Bürgerbegehren mit den meisten Unterschriften in der Bonner Stadtgeschichte: 28.074 Unterschriften haben wir in den letzten Monaten gesammelt. Wir möchten Euch allen von ganzem Herzen für diesen so wunderbaren und wichtigen Erfolg danken. Ohne Euch wäre diese Unterschriftensammlung nicht möglich gewesen!

    Wir geht’s weiter?

    Die Unterschriften gehen jetzt zur Prüfung an die Stadtverwaltung. Wenn alles glatt läuft, legt diese anschließend eine Beschlussvorlage zur Annahme des Radentscheids an den neu gewählten Stadtrat vor. Nimmt der Stadtrat unser Bürgerbegehren an, dann geht Bonn endlich das an, was wir so dringend brauchen: Eine lebenswerte, kinderfreundliche und klimagerechte Stadt, in der sich alle sicher bewegen können.

  • Unterschreiben, Wählen, Fahrradfahren!

    Unterschreiben, Wählen, Fahrradfahren!

    Die Verkehrswende drängt. Weder das Klima noch die Bonner Bürger:innen können länger warten. Der Verkehrssektor ist der größte CO2-Produzent in Bonn und Verkehr ist für die Bonner:innen das wichtigste Thema für die Kommunalwahl am kommenden Sonntag, dem 13. September 2020. Darum setzen wir nun zum Endspurt der Unterschriftensammlung für unser Bürgerbegehren an und wollen so schnell wie möglich zur Umsetzung unser Forderungen kommen. Am 20. September endet die Unterschriftensammlung des Radentscheid Bonn.

    Wir brauchen jetzt Eure Hilfe!

    Unterschreiben!

    Lasst auch alle Eure Freunde für den Radentscheid Bonn unterschreiben und schickt uns die Listen, die Ihr noch zuhause habt, jetzt zu (Radentscheid Bonn, Postfach 7072, 53070 Bonn). Um in der Umsetzungsphase politischen Druck machen zu können brauchen wir so viele Unterschriften wie möglich, um zeigen zu können: Bonn will die Verkehrswende jetzt!

    Wählen!

    Geht wählen! Am 13. September ist Kommunalwahl: Am 27. September kommt es ggf. noch zur Stichwahl der Oberbürgermeisterkandidat:innen. Wer ist für die Verkehrswende und wem traut Ihr die Verkehrswende zu? Wer bekennt sich explizit zum Radentscheid und wer macht nur die üblichen allgemeinen Versprechungen? Orientierung können hier Wahlprüfsteine (insbesondere Wahlprüfstein 4: Förderung des Umweltverbundes) und der bonn-o-mat bieten. Lasst Euch nicht von Floskeln täuschen. Der ADFC Köln hat eine gute Übersetzung von gängigen Phrasen im Zusammenhang mit Verkehrspolitik im Kommunalwahlkampf zusammengestellt.

    Fahrradfahren!

    Stimmt mit dem Fahrrad für die Verkehrswende: Fahrt Fahrrad so oft, wie es geht. Um der Stadt Bonn zu zeigen, welche Bedeutung das Fahrrad als Verkehrsmittel für so viele Bonner:innen hat, könnt Ihr beim Stadtradeln mitmachen. Tretet hier dem Team „Radentscheid Bonn“ bei und dokumentiert so vom 20.9.20 bis zum 10.10.20 Eure geradelten Kilometer. Fahrt bei der Kidical Mass am 20. September und bei der Critical Mass am 25. September mit. Wir sind viele! Wir sind Verkehr! Wir sind die Stadt!

    Macht alle mit bei der Verkehrswende für ein lebenswertes, kinderfreundliches und klimagerechtes Bonn. Es lohnt sich.

  • 362 große und kleine Radfahrende treten für bessere Radwege in die Pedale

    362 große und kleine Radfahrende treten für bessere Radwege in die Pedale

    Damit haben wir wirklich nicht gerechnet: So viele kleine und große Radfahrer:innen fuhren mit uns durch die Stadt. Gemeinsam setzten sie ein starkes Zeichen für den Radentscheid und die Belange, Wünsche und Erfordernisse von Familien mit dem Rad. Dafür wollen wir euch allen in diesem Beitrag heute ganz herzlich danken. Eltern sollten ihre Kinder in Bonn unbesorgt Fahrrad fahren lassen können. #BonnSteigtAuf

    362 Menschen aus Bonn und der Umgebung kamen zur ersten Bonner Kidical Mass

    Auch die Presse war mit dabei und berichtet ausführlich über den Radentscheid. Der General-Anzeiger schreibt „Familien demonstrieren in Bonn für bessere Radwege“ und erzählt zum Beispiel auch von der achtjährigen Stella, die sich mehr Platz für sich zum Radfahren wünscht.

    Das Schaufenster titelt „‚Critical Mass‘ und ‚Radentscheid Bonn‘ riefen zur Demo auf“ und greift unsere Ziele für sicheren Radverkehr auf. Unsere kleine Runde durch die Stadt war manchen Teilnehmern wohl sogar etwas zu kurz.

  • Auftakt mit Augenmaß

    Auftakt mit Augenmaß

    Für uns war das ein schöner Moment, auf den wir uns lange gefreut haben. Ein kleines Team – ausgestattet mit gebrandeten Schutzmasken, Radlerkappen und T-Shirts in Blau und Grün, den Farben des Radentscheids – traf sich vor der Beethoven-Statur auf dem Münsterplatz. Auf drei Tischen standen, neben den Informationsflyern und unseren Unterschriftlisten, auch Desinfektionsmittel bereit. Mit 1,5 m Sicherheitsabstand konnten sich die Bonner:innen über unsere sieben Forderungen informieren und ihre Unterschriften abgeben. Natürlich wurden alle Materialien, darunter Unterschriftenlisten, Flyer, Beachflags und Tische zuvor CO2-Neutral mit Lastenrädern transportiert.

    Schnell waren die ersten Unterschriftenlisten gefüllt, obwohl die Bonner Innenstadt an diesem Samstag natürlich nicht so belebt war, wie vor Beginn der Pandemie.

    Bis wir die benötigten 10.000 Stimmen gesammelt haben, ist es noch ein weiter Weg, welchen wir nun unter den erschwerten Bedingungen der Pandemie bewältigen müssen. Jetzt überwiegt dennoch erstmal die Freude, dass wir endlich starten konnten.

    Einige Aktive des Radentscheids waren auf den Münsterplatz gekommen, um dem Auftakt aus einigen Metern Entfernung beizuwohnen. Das erste gemeinsame Treffen seit Wochen – das nicht im Netz stattfand – haben wir genutzt, um unsere Forderungen in einem Video einzusprechen. Den Clip findet ihr demnächst auf der Website und auf unseren Social-Media-Kanälen. Auch der General Anzeiger, der WDR und das Schaufenster waren vor Ort, um über unseren Start zu berichten.

    Unsere Kampagne wird nun vermehrt über die Radentscheid-Website, Facebook, Instagram und Twitter laufen. Dort könnt ihr euch über unsere Aktivitäten informieren, Unterschriftenlisten herunterladen, um z.B. in eurem direkten Umfeld selbst Stimmen zu sammeln.
    Unter Mitmachen@radentscheid-bonn.de könnt ihr euch auch direkt bei uns melden, wenn ihr die Initiative aktiv unterstützen wollt. Wir freuen uns immer über weitere helfende Hände.

    Auf Präsenz im öffentlichen Raum wollen wir auch in Zukunft nicht ganz verzichten. Doch sie wird kleiner ausfallen, als ursprünglich geplant. Denn Sicherheit und Gesundheit gehen vor – das schien selbst Beethoven zu denken, der, wie wir, eine Stoffmaske vor dem Mund trug.

  • „Weil mein Mann ein leidenschaftlicher Radfahrer war“

    „Weil mein Mann ein leidenschaftlicher Radfahrer war“

    Ich unterstütze den Radentscheid, weil mein Mann ein leidenschaftlicher Radfahrer war. Mit 46 Jahren ist er im Frühjahr 2019 auf einer längeren Rennradtour von einem Auto von hinten überfahren worden – mein Mann, der jahrelang bei jedem Wind und Wetter mit dem Fahrrad zu seiner Arbeitsstelle von Bonn nach Brühl gependelt ist, der unzählige Rennradtouren mit Vereins- und nicht-Vereinsfreunden genossen hat, der hunderte MTB-Touren durchs Siebengebirge und weiter gefahren ist und fast alles in der Stadt mit dem Fahrrad erledigt hat.

    Frank Mödinger mit dem Rennrad am Rhein

    Er war tief davon überzeugt, dass Veränderungen und Verbesserungen der Radstrukturen in Bonn und zwischen Bonn und Köln nicht nur notwendig, sondern auch möglich sind. Daher hat er sich immer aktiver bei den wachsenden Bewegungen vieler Radpendler, Stadtradler und Radsportler engagiert. Er erlebte mit Begeisterung, wie immer mehr Menschen an den monatlichen Critical-Mass-Ausfahrten durch die Stadt teilgenommen haben und war sofort dabei, aktiv Unterschriften für die Volksinitiative Aufbruch Fahrrad im 2018 und Anfang 2019 zu sammeln. Somit wurden (und werden) Forderungen auf Kommunal- und Länderebenen immer deutlicher und konkreter!

    Die Position meines Mannes ist auch genau meine Position: Durch Radfahren tun wir so viel richtig Gutes für unsere Gesundheit und für unser Klima. Die Initiative des Radentscheids – die Forderung nach umfassendere Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden – war ebenfalls schon lange ein besonders starkes persönliches Anliegen meines Mannes. So manche brenzlige Situation, die er auf den Straßen auf dem Weg zur Arbeit erlebt hatte, hat ihn vor ein paar Jahren dazu bewegt, ein Gravelbike anzulegen, damit er auf Feld(um-)wege ausweichen konnte. Wir (mein Mann, unsere älteste Tochter und ich) waren auch dabei, als im Jahre 2013 eine Schweigeausfahrt zum Ghostbike am Verteilerkreis in der Nähe des Bonner Bogens gemacht wurde.

    Somit steht meine Unterstützung der Initiative Radentscheid heute auch in seinem Namen: Frank Mödinger.

  • Offener Brief: Corona-Sichere Verkehrsinfrastruktur

    Offener Brief: Corona-Sichere Verkehrsinfrastruktur

    Sehr geehrter Herr Minister Wüst,
    die Coronakrise und die Kontaktbeschränkungen verändern die persönliche Mobilität aller Menschen in Nordrhein-Westfalen erheblich. Während der private Autoverkehr stark zurückgegangen ist, sind – auch der Empfehlung des Bundesgesundheitsministers folgend – immer mehr Menschen auf dem Rad und zu Fuß unterwegs. Für diese spürbaren Veränderungen der Verkehrsmittelwahl ist die existierende Raumaufteilung auf der Straße jedoch nicht ausgelegt. Damit der empfohlene Sicherheitsabstand eingehalten werden kann, braucht es daher dringend eine schnelle Veränderung der Aufteilung des Straßenraums.

    Bürgerinnen und Bürger, die jetzt aufs Rad umsteigen, brauchen leicht zu findende und sichere Wege. Auch zu Fuß gehende Menschen brauchen dringend mehr Platz auf den Gehwegen, um den Sicherheitsabstand einhalten zu können. Nur so können notwendige Wege sicher zurückgelegt werden. Auch wenn die Verantwortung für die Umsetzung auf kommunaler Ebene liegt, geht es nicht ohne den Bund und die Länder – es geht nicht ohne sie und Ihren Beitrag! Sie können den Kommunen mit entsprechenden Leitfäden und gesetzlichen Rahmenbedingungen helfen.

    Wir bitten Sie daher: Setzen Sie sich dafür ein, dass Kommunalverwaltungen schnell und einfach ein rad- und fußverkehrsfreundliches Straßennetz innerhalb und zwischen den Kommunen einrichten können. Schaffen Sie die regulatorischen Rahmenbedingungen, damit Straßen schnell und unproblematisch umgestaltet werden können. Geben Sie das Signal, dass Verkehrspolitik ein wichtiger Beitrag für die Gesundheit der Menschen ist!
    Die Kommunen kennen geeignete Straßen und Wege, um ein Netz pandemiegerechter Straßen einzurichten. Mit der Unterstützung des Landes können diese trotz geringer personeller Kapazitäten überall schnell und einfach Realität werden. Dafür braucht es Rechtssicherheit für die zu ergreifenden Maßnahmen. Nur so kann schnell agiert werden.
    Wir bitten Sie daher, die Kommunalverwaltungen durch die zügige Bereitstellung von Leitfäden bei der provisorischen Umgestaltung von Straßen zu unterstützen, um sicheren Fuß- und Radverkehr zu ermöglichen. Wo die rechtlichen Rahmenbedingungen dies noch behindern, bitten wir Sie, entsprechende Verordnungen zu erlassen oder pragmatische Lösungen zu finden.

    Die wichtigsten Maßnahmen, die Kommunen schnell ermöglicht werden sollten, sind:

    • Gehwege temporär verbreitern: Wo Fußwege zu schmal sind, sollten sie durch Abmarkierungen auf den Fahrbahnen erweitert werden. Auch das Verlegen von Hochbordradwegen und Parkplätzen von den Fußwegen auf die Fahrbahnen hilft schnell und einfach, um Fußwege zu verbreitern.
    • Verlegung von Radverkehr auf die Fahrbahn: Wo Radverkehr derzeit über Gehwege geführt wird, kann er auf die Fahrbahn verlegt werden, damit Platz auf Fußwegen geschaffen wird. Dazu eignen sich sowohl temporäre Radstreifen als auch die Einrichtung von temporären Fahrradstraßen sowie die Aufhebung der Radwege-Benutzungspflicht.
    • Temporäre Radfahrstreifen auf der Fahrbahn: Breite und gut erkennbare temporäre Radstreifen (Pop Up Bike Lanes) helfen auch ungeübten Radfahrenden, sichere Wege durch die Stadt zu finden. 
    • Straßen für den Rad- und Fußverkehr öffnen: Die Umwandlung ausgewählter Straßen in Zonen ohne Autoverkehr bzw. mit stark reduziertem motorisierten Verkehr schafft zusätzlichen Platz und Verkehrssicherheit.
    • Temporäre verkehrsberuhigte Straßen: Maßnahmen wie der Einsatz modaler Filter oder Verengungen der Fahrbahn können kurzfristig Wirkung zeigen. So können sich Radverkehr und zu Fuß gehende Menschen bestmöglich auf der Straße verteilen und Bewegung vor der Tür in ausreichendem Abstand zu anderen Menschen wird möglich. Provisorische Verkehrsberuhigung hilft auch bei der Entlastung von Parks und zur Ermöglichung von Bewegung ohne Ansteckungsgefahr. 
    • „Bettelampeln“ umprogrammieren: Durch eine Vorrangschaltung für Rad- und Fußverkehr wird das Berühren des Ampelknopfes sowie das Bilden von Gruppen, die auf Grün warten, vermieden. 
    • Grünphasen für nicht-motorisierten Verkehr verlängern: Da aktuell deutlich mehr Menschen auf Fahrrädern und zu Fuß unterwegs sind, braucht es für sichere Kreuzungssituationen mehr Zeit in den Grünphasen. Kurze Grünphasen sind kontraproduktiv, da viele Menschen sich eng zusammendrängen müssen, um die Straße rechtzeitig überqueren zu können. 
    • Temporäre Geschwindigkeitsreduktion: Korridore mit Tempo 30 reduzieren die Unfallgefahr und bewirken dadurch auch Entlastung von Krankenhäusern. 
    • Märkten unter freiem Himmel mehr Platz geben: Wochenmärkte sollten auf angrenzende Flächen wie Straßen oder Parkplätze erweitert werden, um genügend Raum für Warteschlangen mit Abstand zu schaffen. 

    Vergleichbare Briefe haben wir auch an den Bundesverkehrsminister und die Verkehrsministerinnen und Verkehrsminister anderer Bundesländer geschickt.

    Mit freundlichen Grüßen

    RADKOMM e.V., radkomm.de
    Dr. Ute Symanski

    ADFC NRW – Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club, Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V.

    Radentscheid Aachen, radentscheid-aachen.de
    Dr. Jan van den Hurk, Dr. Almuth Schauber

    RadEntscheid Bielefeld, radentscheid-bielefeld.de
    Michael Motyka

    Radwende Bochum

    Radentscheid Bonn, www.radentscheid-bonn.de
    Annette Quaedvlieg, Rebecca Heinz

    RadEntscheid Detmold, radentscheid-detmold.de
    Birgit Reher

    Aufbruch Fahrrad Dortmund, aufbruchfahrrad-dortmund.de
    Peter Fricke

    Kidical Mass Dortmund, kidicalmass-dortmund.de
    Max Kumpfer

    RadEntscheid Essen, adentscheid-essen.de
    Dr. Björn Ahaus, Klara van Eickels, Jonathan Knaup

    Kidical Mass Essen, fb.com/KidicalMassEssen
    Marc Zietan, Jörg Greiwe, Adrian Micke

    IG Fahrradstadt Münster, fahrradstadt.ms
    Joachim Bick

    Kidical Mass Münster, kidicalmass-muenster.org
    Daniel Hügel

  • Mehr Platz für Menschen

    Mehr Platz für Menschen

    Viele Menschen engagieren sich zur Zeit freiwillig in Projekten zur Unterstützung durch die Pandemie betroffener Mitbürger:innen. Andere schneidern sich selbst (und anderen) eine Maske zum Tragen bei den wöchentlichen Einkäufen im Supermarkt oder auf dem Rad während des Wegs zur Arbeit.

    Die Fahrspuren unserer Straßen, auch in Bonn, werden aber immer leerer, weil viele Menschen ihren Arbeitsplatz ins Homeoffice verlegt haben oder weil sie auf Grund zahlreicher Schließungen von Betriebsstätten schlichtweg keinen Grund mehr haben, sich morgens auf dem Weg zur Arbeit zu machen. Das ist für immer mehr Städte und Gemeinden weltweit ein Grund, ebenfalls kreativ zu werden: Sie schaffen auf unterschiedliche Weise mehr Platz für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen.

    Denn sind viel zu schmale Geh- und Radwege in einer Stadt in normalen Zeiten für manch einen einfach nur lästig, aber kein Grund aktiv zu werden, sind sie nun zum echten Problem geworden. Wenn Menschen aber schon für die Arbeit kaum mehr aus dem Haus kommen, braucht ein gesundes Immunsystem dennoch Bewegung an der frischen Luft – und wer sich an den Rat der Regierenden gehalten und nicht gehamstert hat, muss doch hin und wieder zum Einkaufen in den Supermarkt.

    In den Medien tat sich schon vor wenigen Wochen die kolumbianische Hauptstadt Bogotá hervor. Dort errichtete die Stadt kurzerhand extra reservierte Radspuren, damit Radfahrer:innen genügend Abstand zueinander halten können. Die ursprünglich aus den USA stammende Idee von Protected Bike Lanes (PBLs) kennen wir auch schon aus Bonn: In diesem Jahr errichtete die Stadt eine PBL an der Sandkaule. Andere Städte folgten dem Beispiel Bogotás und schufen wegen der Corona-Pandemie mehr Platz fürs Rad: So zum Beispiel Berlin (s. Titelbild). Die Berliner Senatsverwaltung und das Bezirksamt von Friedrichshain-Kreuzberg widmeten eine von drei Fahrspuren am Halleschen Ufer mit Fahrbahn-Markierungen und Baken in eine Radspur um. Und der Pilotversuch soll auch noch ausgedehnt werden.

    Die „Protected Bike Lane“ in der Sandkaule bietet deutlich mehr Platz für Radfahrer:innen

    Aber nicht nur Bürger:innen auf dem Rad benötigen mehr Platz. Auch Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, brauchen genügend Platz, um einander ausweichen zu können. In Leipzig ist deswegen an einem Übergang zu den Straßenbahnhaltestellen eine Fahrspur gesperrt, um für wartende Fahrgäste mehr Platz zu schaffen.

    Jedoch, es braucht noch mehr. Jetzt, da sowieso viel weniger Autos unterwegs sind, könnten zum Beispiel Parkplätze in Einkaufstraßen umgewidmet werden. In der Beueler Einkaufsstraße sind sich Menschen, die für einen der Läden anstehen und der reguläre Fußverkehr regelmäßig im Weg. So könnte zumindest in Teilen für Entlastung gesorgt werden.

    Eine Frau läuft den schmalen Gehweg entlang
    In der Beueler Friedrich-Breuer-Straße ist nicht genug Platz, um 1,5 Meter Abstand halten zu können

    Wenn am Wochenende Zeit für Erholung innerhalb der Familie ist, braucht es auch Platz dafür. Damit Erholung an der frischen Luft nicht zum Privileg der Bürger:innen wird, die einen Garten ihr Eigen nennen dürfen, braucht es dafür Räume. Straßen, die am Wochenende für den motorisierten Verkehr gesperrt würden, könnten dazu einen Beitrag leisten.

    Der Staat drängt seinen Bürger:innen aktuell viele wichtige, aber auch einschneidende Maßnahmen auf. Insbesondere die Kommunen sind jetzt gefragt, ebenfalls ihren Beitrag zu leisten. Die Stadt Bonn könnte hier mit gutes Beispiel mit vorangehen und ein Zeichen setzen: Wir schaffen das nur gemeinsam!

    Pascua Theus ist aktiv Engagierter des Radentscheid Bonn und setzt sich bei Twitter als @BonnBike für mehr Freude beim Radfahren ein