Im Podcast „Bonner Brückentage“ von General-Anzeiger und WDR sagte Guido Déus am 15.7.26 wörtlich: „Aber jetzt lassen Sie uns mal sechs, acht, zwölf Wochen weitergehen. Die Fahrradzahlen werden im Herbst und Winter massivst einbrechen.“ Und auf die Erwiderung der Moderatorin, man könnte den Radverkehr auch fördern, damit das Radfahren auch im Herbst und Winter attraktiv bleibt, fragt Déus ungläubig: „Halten Sie das selber für realistisch?“ Er führt dann weiter aus: „Ich bleibe bei meiner Behauptung: Ja, wir werden auch im Winter mehr Fahrradfahrende haben, auf Grund der Situation, als wir das früher hatten. Aber ich bleibe bei meiner Behauptung, dass der Fahrradverkehr in den Wintermonaten massivst einbrechen wird auf Grund der Witterung, weil das eben nicht jeder so macht, wie bei dem schönen Wetter draußen und darauf muss ich mich jetzt vorbereiten.“
Man muss Herrn Déus zu Gute halten, dass er zumindest den zweiten Teil des Zitates als Behauptung darstellt und nicht als Fakten. Unklar ist, was er mit „massivst“ meint. In meiner Vorstellung müssten bei dieser ins Extrem gesteigerten Formulierung mehr als die Hälfte der Radfahrenden ihr Fahrrad stehen lassen. Das tun sie aber bisher nicht. Warum behauptet er so etwas, wenn es seit Jahren an mehreren Stellen der Stadt Messstellen für den Fahrradverkehr gibt. Die Zahlen dazu veröffentlich die Stadt tagesaktuell auf ihrer Internetseite. Ein Blick in die städtischen Daten hätte Herrn Déus bei der Einschätzung dessen, was wahrscheinlich kommen wird, geholfen.
Nehmen wir die Zahlen von 2025 für die Kennedybrücke als Indikator. Es waren
– durchschnittlich 7.277 Radfahrende pro Tag
– im stärksten Monat (Juli 2025) 8.632 Radfahrende pro Tag (+19%) und
– im schwächsten Monat (Januar 2025) 5.078 Radfahrende pro Tag (-30%).
Für 70% der Menschen, die an einem durchschnittlichen Tag über die Brücke fahren, ist das Radfahren eine Mobilitätsform für 12 Monate im Jahr.
Wie steht es um die Jahreszeiten?
– Im Herbst (Sept-Nov) waren es 7.183 Radfahrende pro Tag (-1 %)
– im Winter (Dez-Feb) 5.585 Radfahrende pro Tag (-23 %)
– im Frühjahr (März-Juni) 7.774 Radfahrende pro Tag (+7 %)
Also wird nur im Winter das Fahrrad etwas weniger genutzt.
Am Anfang des Zitats spricht Herr Déus davon, dass die Fahrradzahlen im Herbst und Winter massivst zurückgehen werden. Die 2025er Zahlen weisen für die Monate September bis Februar einen Rückgang von 12% gegenüber dem Durchschnitt aus. Das ist faktisch nur ein leichter Rückgang des Radverkehrs.
Im zweiten Teil des Zitats reduziert er seine Behauptung auf die Wintermonaten. Die Daten belegen auch für den Winter nur einen Rückgang von 23%. Auch dafür ist der Begriff „massivst“ in meinen Ohren irreführend.
Aber Herr Déus lässt in seiner Ehrlichkeit, die er ständig von sich fordert, seine Einstellung zum Radfahren durchblicken. Ich glaube für unseren Oberbürgermeister ist das Fahrrad ein Freizeitgerät, das man gerne aus der Garage holt, wenn Wochenende ist und die Sonne scheint. Er sieht scheinbar nicht, dass es für viele Menschen für fast alle Tage des Jahres eine gute Mobilitätsoption ist. So überzeugt, wie er im Podcast über den massivsten Rückgang spricht, steht leider zu befürchten, dass er weiterhin falsche Prioritäten setzen und ein großes Lösungspotential für die aktuelle Verkehrskrise weitgehend übersehen wird. Politik, die Glaubenssätzen wie „Im Winter und bei Regen fährt sowieso kaum jemand mit dem Fahrrad“ folgt, geht leider in die falsche Richtung.

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