Kidical-Mass-Rede auf unserer Kundgebung

Auf unserer Kundgebung zum Erhalt der Radwege und Umweltspuren auf Oxfordstraße und Adenauerallee unter dem Motto „Wir alle sind Teil der Lösung“ sprach u.a. Lea Groneweg für die Initiative Kidical Mass. Wir freuen uns, dass wir den Text von Leas Rede hier in unserem Blog wiedergeben dürfen. Danke für Deine Worte, Lea!

Liebe Bonnerinnen und Bonner, liebe Eltern, liebe Kinder!

Ich bin Lea und ich bin Mutter. Ich stehe heute hier als jemand, die jeden Tag ihre Kinder mit dem Fahrrad durch die Stadt transportiert.

Und genau deswegen bin ich wütend und auch verzweifelt über das, was jetzt geplant ist.

Sichere Radwege sollen verschwinden, damit Autos und Lkw wieder vier Spuren bekommen. Das heißt, vier Spuren für Autos und Lkws, schmale Streifen für Fahrräder – oder gleich ein Radverkehrsverbot.

Als Familie mit kleinen Kindern sind wir auf das Fahrrad angewiesen. Das sind viele Familien.

Das Fahrrad ist für uns kein Hobby. Es ist kein Lifestyle. Das Fahrrad ist unser Hauptverkehrsmittel. Wir fahren zur Kita, zur Schule, zum Sport, zum Arzt, zu Freundinnen und Freunden, zum Einkaufen und zur Familie mit dem Fahrrad.

Und wir werden viele Ziele nicht mehr erreichen können. Das Stadthaus, die Altstadt, Thomas-Mann-Str., Hofgarten, Adenauerallee – und z.B. zwischen Beuel und Endenich werden sich die Wege verdoppeln.

Natürlich haben wir schon heute keine sicheren Radwege für Kinder in der Innenstadt. Keiner kommt auf die Idee, ein sieben- oder achtjähriges Kind mit dem Fahrrad über den Bertha-von-Suttner-Platz zu schicken.

Aber: Wir können unsere Kinder transportieren, im Anhänger, auf dem Lastenrad oder im Kindersitz.

Und jetzt denken wir mal an Autos, die ihre Spur nicht einhalten und an Lkw, die ihre Spur nicht einhalten können. Radschutzstreifen werden schon heute ständig befahren. Und wer von euch traut sich dort entlang, wenn er ein Kind dabei hat?

Wenn diese Wege nicht mehr sicher sind, heißt das aber nicht, dass Familien verschwinden. Aber wir Familien verschwinden aus der Innenstadt. Wir Familien werden in unserer Mobilität eingeschränkt, und in unserem Alltag.

Und das ist keine Kleinigkeit.

Das bedeutet: wer kein Auto hat, kann Ziele nicht mehr erreichen. Wer ein Auto hat, kann umsteigen. Also: Mehr Elterntaxis, mehr Autos, mehr Stau, mehr Lärm, mehr Abgase.

Und wer auf’s Fahrrad angewiesen ist: der hat mehr Angst und riskiert lebensgefährliche Situationen.

Ist das die Stadt, die wir wollen?

Sichere Radwege sind kein Luxus. Sie sind Daseinsvorsorge. Sie sind Menschenrecht. Und sie sind Kinderschutz.

Und deshalb stehen wir heute hier. Wir stehen hier für eine Verkehrspolitik, die alle und auch Familien und Kinder im öffentlichen Raum zulässt.

Und wir sagen heute ganz deutlich:

Unsere Kinder sind wichtiger als eine zusätzliche Fahrspur.

Unsere Kinder und die Sicherheit unserer Kinder ist wichtiger als ein paar Sekunden Zeitgewinn im Auto.

Unsere Zukunft fährt nicht rückwärts.

Deshalb werden wir nicht schweigen. Wir werden laut bleiben.

Für sichere Radwege, für unsere Kinder und für ein Bonn, das Menschen und Kinder über Autos stellt.

Vielen Dank.

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