Bonner Bürgerinnen und Bürger sowie der ADFC klagen für den Erhalt der Fahrradspuren auf Oxfordstraße und Adenauerallee

Gemeinsame Presseerklärung von Radentscheid, ADFC und VCD.

ADFC Bonn/Rhein-Sieg und sechs Privatpersonen klagen für den Erhalt der sicheren Fahrradspuren auf Oxfordstraße und Adenauerallee. Im ersten Schritt wird im Eilverfahren der Stopp der Markierungsarbeiten und die Herausgabe der zugrundeliegenden Anordnungen und Abwägungen gefordert. Kernargument der Klagenden ist die fehlende Sicherheit für Radfahrende bei der geplanten neuen Verkehrsführung. Die Umleitung über die Fußgängerzone und die hochfrequentierte Busroute über den Friedensplatz ist gefährlich und konfliktbehaftet. Die „Fahrradschutzstreifen“ auf Oxfordstraße und Berliner Platz bieten bei dem dortigen Autoverkehrsaufkommen keine Sicherheit für Radfahrende. Den Radverkehr auf einigen Streckenabschnitten komplett zu verbieten und das mit einer Gefährdung zu begründen, die durch die Maßnahmen erst hergestellt wurde, ist rechtlich zweifelhaft. Die Klage wird vom VCD Bonn und dem Radentscheid Bonn unterstützt.

Bonn, den 06. August 2026 | Mit dem Ziel, den Autoverkehr auf der innenstädtischen Ausweichroute zur gesperrten Nordbrücke zu beschleunigen, hat die Stadt begonnen, Oxfordstraße und Berliner Platz mit gelben Markierungen neu aufzuteilen. Teile der Rad- und Busspuren sollen entfallen und durch sogenannte Fahrradschutzstreifen (1) oder Umleitungen durch die Fußgängerzone ersetzt werden. Die bisher für Radfahrende sehr sichere, zügig zu befahrende und häufig genutzte Hauptroute wird damit deutlich umständlicher und erheblich gefährlicher. Dagegen regt sich heftiger Widerspruch bei Menschen, für die das Fahrrad ein wichtiges Verkehrsmittel ist oder seit der Sperrung der Nordbrücke geworden ist. 

Peter Lorscheid, Co-Vorsitzender des ADFC erklärt: „Wir sind von verschiedenen Personen angesprochen worden, ob der ADFC eine Klage unterstützt, und haben uns entschieden, auch selbst als Kläger aufzutreten. Die Oxfordstraße ist extrem wichtig für den Radverkehr und wird von vielen Erwachsenen und Jugendlichen genutzt. Die Sicherheit dieser Verkehrsteilnehmer zu gefährden, um einen zweifelhaften Gewinn für den Autoverkehr zu erreichen, ist für uns inakzeptabel.“ 

Die klagenden Personen umfassen Menschen, die auf Grund der Brückensperrung jetzt mit einer Kombination aus Auto und Rad pendeln, Familien, die ihre Kinder mit dem Rad zu Kita bringen sowie Menschen, die kein Auto besitzen und auf das Rad angewiesen sind. Sie alle verbindet, dass sie oft die Adenauerallee und Oxfordstraße mit dem Rad befahren und sich zukünftig mit Autos und Schwerlastverkehr eine Fahrspur teilen sollen. Knappe Überholvorgänge und zugestaute Schutzstreifen sind in Zukunft regelmäßig zu erwarten. Die Umleitung über Budapester Straße, Sternstraße, Sterntorbrücke, Friedensplatz und Wilhelmstraße, die die Verwaltung erarbeitet hat, wird zu großen Konflikten führen. Der Großteil der Strecke führt durch die Fußgängerzone und verlangt Schrittgeschwindigkeit. Gleichzeitig fahren bis zu 60 Busse pro Stunde über diese Route, was zu Gefahren an der Haltestelle und in den engen Kurven führen wird. Hinzu kommen viele Fußgänger*innen im Bereich des Friedensplatzes, die die Fahrbahn queren. 

Dies ist keine sichere und praktikable Alternative zur bisherigen Fahrradspur.

Nach den verpflichtenden Verwaltungsvorschriften zur Straßenverkehrsordnung geht die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden über die Leichtigkeit des Verkehrs. Diese Grundregel wird mit der neuen Anordnung missachtet. Die Maßnahme, eine sichere Radspur zu entfernen und dann im zweiten Schritt direkt den Radverkehr auf Teilstrecken wegen der Gefährdung zu verbieten, ist zweifelhaft. Daher müssen diese Anordnungen rechtlich überprüft werden. Dies insbesondere auch wegen der Anzahl der Radfahrenden, die die Strecke regelmäßig nutzen. Steffen Schneider, Sprecher des Radentscheids, sagt dazu: „Wir akzeptieren demokratische Entscheidungen und sind bereit Kompromisse mitzutragen. Aber die Innenstadtstrecke hat eine herausragende Bedeutung für die Radfahrenden und ist eine der wichtigen Umsetzungen unseres Bürgerbegehrens gewesen. Die neuen Maßnahmen müssen sich an die bestehenden Gesetze und Regelungen halten und die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigen. Das scheint uns bei diesen Anordnungen nicht ausreichend beachtet zu sein. Daher unterstützt der Radentscheid die Klagenden.“

Auch der VCD unterstützt die Klage. Insbesondere der teilweise Wegfall der Busspur und die Vermischung von Fuß-, Rad- und Busverkehr auf dem Friedensplatz wird kritisch gesehen. Es ist vorhersehbar, dass sich dadurch für den ÖPNV noch mehr Verspätungen ergeben werden. Rainer Bohnet, Vorsitzender des VCD Bonn/Rhein-Sieg/Ahr, führt aus: „Wir brauchen gute und sichere Mobilitätsmöglichkeiten für alle, auch für Kinder, Jugendliche und Menschen, die nicht Auto fahren können oder wollen. Dazu gehört ein gut funktionierender ÖPNV und sichere Wege für Menschen zu Fuß und auf dem Rad. Das sehen wir durch die Maßnahmen auf den beiden Strecken gefährdet.“

Trotz Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz und Bitte um Akteneinsicht hat die Verwaltung bis heute die verkehrsrechtliche Anordnung und die getroffenen Abwägungen nicht übermittelt. Daher hat der Rechtsanwalt im Namen der Klagenden zunächst im Eilverfahren Akteneinsicht und aufschiebende Wirkung für die Anordnung beantragt.

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Anmerkung: (1) Wir halten den Begriff „Fahrradschutzstreifen“ für eine irreführende Bezeichnung. Untersuchungen beweisen, dass er nur bei gewissen Mindestmaßen und Abständen, sowie bei geringen Autoverkehrszahlen ausreichenden Schutz bieten. Bei den Verkehrsstärken auf Oxfordstraße und Adenauerallee und der Nutzung der Strecken durch den Schwerlastverkehr sollten laut der Empfehlungen für Radverkehrsanlagen keine Schutzstreifen markiert werden. Detaillierte Informationen dazu finden sich hier im Forschungsbericht.

Kommentare

9 Kommentare zu „Bonner Bürgerinnen und Bürger sowie der ADFC klagen für den Erhalt der Fahrradspuren auf Oxfordstraße und Adenauerallee“

  1. Avatar von Cornelius
    Cornelius

    Sehr gut! Ich bin schon auf die ganzen empörten Reaktionen gespannt.

  2. Avatar von Gesa Maschkowski

    Mit den neuen gelben Markierungen auf der Oxfordstraße, die jetzt den roten Radweg überschreiben ist die Verwirrung komplett. So schnell können Auto- und Radfahrende gar nicht erfassen, wo man noch fahren darf und wo nicht mehr. Ich halte das lebensgefährlich, für Kinder allemal

    Ich verstehe auch nicht warum es so schwer zu verstehen, dass Städte, die die Bedürnisse der Schwächsten in den Mittelpunkt stellen, schöne und lebenswerte Städte mit Zukunft sind. …

    Genau das ist das Plädoyer von über 200 zufallsgelosten Bonnerinnen und Bonner aller Alters- und Bildungsschichten, die 2,5 Jahre lang daran gearbeitet haben wie Bonn schön, lebenswert und klimaneutral wird. Die Stadt hat sich das Verfahren 780.000 Euro kosten lassen, hier die Empfehlungen https://www.bonn4future.de/so-wuenschen-sich-buergerinnen-die-mobilitaetswende/

    Am wichtigsten war den Bürger:innen, dass Verwaltung, Politik, Stakeholder und Bürger:innen immer wieder zusammen kommen, sich austauschen, ihr Kommitment bekräften und über Fortschritte sprechen.
    Das was jetzt passiert ist genau das Gegenteil des Bürgerwillen.

  3. Avatar von Elke Küpper
    Elke Küpper

    Danke, ich unterstütze die Klage und die dahinterstehende Argumentation zu hundert Prozent. Eine Klage ist nach Wochen der vernünftigen Argumentation in Richtung der politisch Verantwortlichen der einzig derzeit folgerichtige Weg.
    Schade, dass es nur so geht. Die aktuelle Verkehrspolitik ist nicht nur nachweislich unsinnig, sondern droht auch die Stadtgesellschaft zu spalten.

  4. Avatar von Almut Schnerring
    Almut Schnerring

    Ich unterstütze das, denn Studien zeigen:
    Lebenswerte Städte entstehen nicht durch mehr Platz für Autos, sondern durch sichere Wege für Menschen zu Fuß und auf dem Rad. Dass die Bonner Politik diese Erkenntnisse ignoriert und weiter am Vorrang des Autoverkehrs festhält, ist verkehrspolitisch von gestern. Statt vorhandene Investitionen sinnvoll zu nutzen, werden Entscheidungen der Vorgängerregierung rückgängig gemacht und weitere öffentliche Mittel für den Umbau eingesetzt. Das ist kein verantwortungsvoller Umgang mit Steuergeld, sondern eine teure Kehrtwende, die Ressourcen bindet, anstatt sie für die Zukunft der Stadt einzusetzen. Wer Radwege abbaut oder ihren Erhalt infrage stellt, entscheidet sich gegen eine lebenswertere Stadt.

    Hausaufgabe für die Entscheider:
    https://www.bonn4future.de/so-wuenschen-sich-buergerinnen-die-mobilitaetswende/

  5. Avatar von Heinz
    Heinz

    Ich fahre nur Sonntagmittags mit dem Auto über die Kennedy-Brücke nach Beuel und da war es bisher immer so, dass die Fahrzeuge von der Oxfordstraße bis zur Brücke stumpf auf der linken Spur weiterfahren und man entspannt auf der rechten Spur in den Reißverschluss vorziehen konnte. Bin gespannt, ob das jetzt besser klappt, meine Erwartungen sind niedrig.

  6. Avatar von Björn
    Björn

    Tja, was erwarten wir von einem CDU OB, der die Stadtkasse mit einem neuen teuren BMW i5 und privaten extremen Chauffeur vom Fahrdienst seines Kumpels belastet, aber Schwimmbäder und soziale Einrichtungen schließen lässt. Der erst den mit Abstand teuersten Entwurf zum Stadthaus wählt und dann merkt, dass kein Geld dafür da ist. Der Stellen streichen will, aber sein eigenes neues Dezernat plant. Der viele gute Projekte „auf den Prüfstand stellen“ will.
    Nein, so blüht Bonn nicht auf.

    1. Avatar von Matthias Nieuwenhuisen
      Matthias Nieuwenhuisen

      In Münster regierte zum Großteil seit dem Krieg ein CDU OB und der Stadtrat war alles andere als Links. Trotzdem wurde die Stadt zu einer der Städte mit guter Radinfrastruktur in Deutschland und inzwischen wird der Radverkehr unabhängig von der Regierung immer mitgedacht. Das ist leider bei unserem aktuellen OB in Bonn nicht zu erwarten, der Radfahren als Freizeitsport und Alltagsradfahren als Ideologie ansieht.

  7. Avatar von Ayla Yildiz
    Ayla Yildiz

    Vielen Dank fürs Teilen!
    Bei mir persönlich hat die verbesserte Infrastruktur genau das bewirkt, was Studien seit Jahren belegen: Bessere Radwege führen direkt zu mehr Radverkehr. Seitdem die Wege sicherer und ausgebauter sind, fahre ich super gerne und fast ausschließlich mit dem Rad. Dass man diese Fortschritte jetzt wieder zurückbaut ist absolut unverständlich und Politik von vorgestern!

    Die Nordbrücke hat doch gezeigt, dass Leute schnell umsteigen können. Studien zeigen, dass z.b. schneller Ausbau wie Pop-up-Bikelanes den Radverkehr innerhalb kürzester Zeit um 11 bis 48 % gesteigert hat!!!

    Und jetzt werden Fahrradfahrende so viel Risiko ausgesetzt – dabei gibt es auch hier Studien,ndass Sicherheit ein Hauptfaktor bzw. ein fehlendes Sicherheitsempfinden das größte Hindernis ist für Menschen, vom Auto aufs Rad umzusteigen. Wer hätte das gedacht?!

    Und da die Politik oft kurzfristig denkt, werde ich nicht müde zu erwähnen, dass Vorzeigestädte wie Utrecht & Kopenhagen in den 1970er-Jahren (!!!) gegen gewaltigen Gegenwind und Proteste der Autolobby begonnen haben, ihre Innenstädte umzubauen. es hat 10-20 Jahre gedauert. Nicht 4.

    Utrecht hat heute einen Radverkehrsanteil von über 60 %, Kopenhagen spart durch das Radfahren jährlich Hunderte Millionen Euro an Gesundheitskosten.

    Und: beide führen regelmäßig die Rankings der lebenswertesten Städte der Welt an.

    Und da die CDU angeblich so Wirtschaftsstark sein soll: Die Bevorzugung von Fuß- und Radverkehr stärkt nachweislich den lokalen Handel, da Radfahrende zwar pro Einkauf weniger ausgeben, dafür aber häufiger einkaufen und mehr Geld in der lokalen Wirtschaft lassen als motorisierte Durchreisende.

    Wer Fahrradwege nicht nur nicht baut / verhindert, sondern sogar wieder abbaut , ignoriert Wissenschaft und internationale Best Practices, und schadet Klima, Gesundheit und Lebensqualität unserer Stadt!!

  8. Avatar von Johanna von Stuckrad
    Johanna von Stuckrad

    Vielen Dank für das Engagement! Eure Arbeit ist so wichtig!

    Der Vorrang der Bonner Politik von Automobilen gegenüber Fahrrädern, zeigt, dass weder umweltbewusst noch lösungsorientiert vorgegangen wird.

    Wie Ayla Yildiz schreibt, gab es eine enorme Steigerung des Radverkehrs seit der Nordbrückensperrung. Dadurch zeigt sich doch, dass die Menschen in der Lage sind, aufs Fahrrad umzusteigen. Auch ich nutze seit der Sperrung jeden Tag ausschließlich das Fahrrad, um aus Beuel auf die Bonner Seite zur Arbeit zu kommen. Der Radweg auf der Oxfordstraße ist dabei essenziell. Ich bin mit dem Rad rund 20 Minuten schneller als mit dem Bus oder dem Auto.

    Anstatt diese „zufällige Verkehrswende“ zu fördern, den Stadtverkehr zu beruhigen und den Fahrradverkehr zu sichern, wird nun gegensätzlich gehandelt.
    Ein wenig mehr Platz für Autos auf der Oxfordstraße wird das Problem des überlasteten Verkehrs in Bonn ohne die Nordbrücke jedoch nicht lösen können.

    Mein Appell an die Bonner Politik ist deshalb: Fördert den Umstieg aufs Rad! Macht das Radfahren sicherer und verkompliziert es nicht zusätzlich. Nicht die Räder sind das Problem, sondern der überlastete Autoverkehr. Legt bessere Anreize durch ein funktionierendes Nahverkehrsnetz (mit ausreichend Straßenbahnen), das Auto für kurze Wege stehen zu lassen.

    Jetzt ist die Chance, die schlechte Verkehrssituation zu eurem Vorteil und zum Vorteil von sauberen Transportmöglichkeiten und einer feinstaubarmen Stadt zu nutzen. Bitte nehmt sie wahr.

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