Die Radspuren auf der Oxfordstraße müssen für den Autoverkehr weichen

Radentscheid unterstützt Klage für die Beibehaltung der Radspuren auf Oxfordstraße und Adenauerallee.

Mach mit! Wir können jede Unterstützung brauchen. Sechs Privatpersonen und der ADFC als Verein klagen für die Radspuren. Jetzt gilt es in der Stadt zu vermitteln, warum das wichtig ist. Außerdem sammeln wir Spenden, um den Klagenden bei den Prozesskosten zu helfen.

Radfahrende, Menschen, die zu Fuß gehen, und die Nutzerinnen und Nutzer von Bus und Bahn tragen wesentlich dazu bei, unsere Straßen vom Autoverkehr zu entlasten. Trotzdem hat die Stadt in dieser Woche begonnen, die sicheren Rad- und Umweltspuren auf Oxfordstraße und Berliner Platz zu entfernen, um auf einigen sehr kurzen Strecken eine Vierspurigkeit für den Autoverkehr herzustellen. Ähnliches ist auch auf der Adenauerallee geplant. Damit verbunden sind die teilweise Sperrung der Strecken für Radfahrende und gefährliche Umleitungen wie etwa durch die Sterntorbrücke und zusammen mit unzähligen Bussen durch die Fußgängerzone am Friedensplatz. Wir glauben nicht, dass die geplanten Maßnahmen den rechtlichen Vorgaben entsprechen. Das soll gerichtlich überprüft werden. Sechs Privatpersonen und der ADFC als Verein klagen gegen diese Maßnahmen vor dem Verwaltungsgericht. Diese Klage unterstützen wir auch als Radentscheid.

Klagende im kommunikativen Gegenwind

Der Oberbürgermeister und die Task Force der Verwaltung begründen ihre Maßnahmen mit dem hohen Verkehrsaufkommen auf Grund der Sperrung der Nordbrücke. Sie stellen sie als vorläufig und Versuch hin, der ggf. rückgängig gemacht werden wird, wenn er keine Besserung für den Autoverkehr bringt. Leider passen die Maßnahmen allzu gut zum autogeprägten Verkehrsverständnis von CDU und FDP und sind im Falle der Adenauerallee ja auch zum Politikum und Wahlversprechen geworden. Die SPD, die vor wenigen Jahren den Radspuren zugestimmt hat, stolpert leider weiter ohne sichtbares Konzept durch den Bonner Verkehr. Daher ist zu erwarten, dass den Klagenden ein starker kommunikativer Gegenwind entgegenblasen wird. Die Verwaltung wird behaupten, dass alle geforderten Abwägungen stattgefunden hätten und die Klagenden kompromisslose Radfahrende seien, die nur ihre Partikularinteressen sehen. Es sind aber Personen, die auf Grund der Brückensperrung jetzt mit einer Kombination aus Auto und Rad pendeln, Familien, die ihre Kinder mit dem Rad zu Kita bringen sowie Menschen, die kein Auto besitzen und auf das Rad angewiesen sind. Sie alle verbindet, dass sie oft die Adenauerallee und Oxfordstraße mit dem Rad befahren und sich zukünftig mit Autos und Schwerlastverkehr eine Fahrspur teilen sollen. Damit sind sie ein wichtiger Teil der Lösung der akuten Autoverkehrsprobleme. Die Klagenden brauchen unsere Unterstützung bei der Meinungsbildung in öffentlichen wie in den privaten Kreisen – auch deine.

Spendensammlung bei betterplace

Die Gesetzgebung und Rechtssprechung in Verkehrsfragen ist komplex. Um der Klage eine gute Erfolgschance zu geben, lassen sich die Klagenden von einem spezialisierten Anwalt beraten. Die Kosten dafür werden im ersten Schritt ca. 10.000,- € betragen. Im Prozess und bei einer verlorenen Klage wird noch einiges hinzukommen. Daher haben wir gemeinsam mit dem ADFC und VCD eine Spendensammlung bei betterplace gestartet. Damit wollen wir das finanzielle Risiko für die Klagenden abmildern. Hier geht es zur Spendensammlung.

Ein Zeichen der breiten Unterstützung

Wichtig ist auch ein deutliches Zeichen der Solidarität zu setzen. Dafür sammeln wir weiter Unterstützer unserer Petition „Hände weg von den Umwelt- und Radspuren“ Aktuell haben über 11.000 Personen die Petition mitgezeichnet. Unser Ziel ist es, die Anzahl der Unterschriften, die wir 2020 für den Radentscheid gesammelt haben (28.074), zu übertreffen. Also bitte verbreitet den Link und informiert die Menschen in eurem Umfeld.

Weitere Aktionen geplant

Die Zeichen für sichere Radrouten stehen aktuell schlecht. Es ist zu befürchten, dass die Task Force noch weitere Verschlechterungen für Radfahrende vorschlagen wird. Zudem sprechen die CDU-geführte Ratskooperation und die Verwaltung zwar davon, unsere Velorouten realisieren zu wollen, es passiert aktuell aber wenig. So wird zum Beispiel der Stadtratsbeschluss, die geplanten Fahrradstraßen, die auf den Velorouten liegen, zu realisieren, aktuell nicht umgesetzt. Wir planen daher weitere Aktionen und Demonstrationen. Aktuelle Informationen dazu gibt es jeweils hier auf unserer Webseite und in unseren Social Media Kanälen..

Kommentare

3 Kommentare zu „Radentscheid unterstützt Klage für die Beibehaltung der Radspuren auf Oxfordstraße und Adenauerallee.“

  1. Avatar von Cornelius
    Cornelius

    Ich bin gespannt was das Ergebnis der Klage sein wird. Schon 5000€ an Spenden ist auch ein toller Zwischenstand und da wird wahrscheinlich noch einiges dazu kommen.

  2. Avatar von Birgitt Bornemann
    Birgitt Bornemann

    Jetzt hat Bonn die einmalige Chance der ‚grünen‘ Stadt näher zu kommen.
    Mehr sichere Radspuren sind wichtig!
    Die Abschaffung der beiden Radwege Oxfordstrasse und Adenauerallee bringen zudem nicht eine einzige Verbesserung für den KFZ-Verkehr.

  3. Avatar von Matthias Nieuwenhuisen
    Matthias Nieuwenhuisen

    Ich bin vor fast 25 Jahren von Münster nach Bonn gezogen, aus einer Stadt, in der das Fahrrad als Verkehrsmittel in allen Gesellschaftsschichten komplett normal ist und in der viele Menschen aus Pragmatismus für entsprechende Distanzen das Fahrrad wählen. Man sieht sowohl Kinder als auch Anzugträger auf dem Weg zur Arbeit. Auf getrennten Radwegen war man sicher und schnell neben dem Autoverkehr unterwegs, und geöffnete Einbahnstraßen waren als lokaler Verkehrsversuch schon in den 90ern Standard.

    Mein damaliger Eindruck von Bonn war, dass sich hier vor allem „überzeugte Radfahrer“ die fehlende Infrastruktur antaten, oft mit Radfahrkleidung wie Trikots.

    Natürlich fahre ich selbst seitdem, wie seit meiner Kindheit gewohnt, mit dem Rad und habe über die Jahre wahrgenommen, wie mal langsamer und mal schneller Fortschritte beim Radverkehr gemacht wurden und die Radfahrenden diverser wurden. Sichere Radinfrastruktur lädt Zielgruppen zum Fahren ein, die sich erst einmal unsicher fühlen. Wer würde z. B. Kinder über einen schmalen Radschutzstreifen allein zur Schule pendeln lassen? Und wer verzichtet auf ein Auto, wenn die Radwege nur saisonal nutzbar sind?

    Seit dem Radentscheid und während der Amtszeit von OB Dörner wurden einige Fortschritte schneller gemacht, als ich erwartet hätte. Immer noch verfügt Bonn jedoch nicht über ein durchgehendes Radwegenetz, und vieles wirkt wie Stückwerk: hier ein Radweg, hier ein Schutzstreifen, dann mal ein Zweirichtungsradweg oder eine Fahrradstraße, die den Namen nicht verdient. Überrascht hat mich der absolute Kulturkampf um die Straße, den ich aus meiner damaligen Heimatstadt so nie kannte. Fahrradfahren ist Ideologie, Autofahren der Standard. ÖPNV ist noch akzeptiert, aber Radwege, die den „Verkehr blockieren“, müssen weg.

    Der aktuell eingeschlagene politische Weg ist das erste Mal, seit ich hier wohne, ein signifikanter Rückschritt für den Radverkehr, der teilweise sogar hinter den Zustand von vor 25 Jahren zurückgeht, da der Radverkehr auf einigen wichtigen Strecken sogar komplett unterbunden wird. Umleitungen durch Straßen wie die Sterntorbrücke sind ein Schlag ins Gesicht von Radfahrenden und Fußgängern. Dass die jetzt umgesetzten Maßnahmen sich auch noch mit Wahlkampfversprechen der regierenden Parteien vor der Nordbrückensperrung decken, macht das Ganze umso unglaubwürdiger.

    Seit der Nordbrückensperrung sehe ich deutlich mehr Kinder, Jugendliche und Leute auf alten Fahrrädern in der Innenstadt auf den Radwegen. Diese Personengruppen sind auf sichere Infrastruktur angewiesen und nehmen eben jetzt nicht mehr das Auto oder Elterntaxi.

    Die politischen Akteure fordern immer eine ideologiefreie Verkehrspolitik und meinen damit, keine Änderungen zugunsten des Radverkehrs. Dabei geht es nicht um eine Bevorzugung des Radverkehrs, sondern um eine Gleichberechtigung. Da der Radverkehr in Bonn in der Vergangenheit nicht ausreichend berücksichtigt wurde, erfordert dies eine Neuordnung im Verkehrsraum. Die Ideologie ist hier, dem Autoverkehr maximal viel Platz einzuräumen, statt ideologiefrei für Lösungen zu sorgen, die alle Verkehrsmittel berücksichtigen.

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