Sperrung der Nordbrücke darf nicht zu Lasten von Radwegen und ÖPNV gehen

Dass die Nordbrücke rasch ertüchtigt oder neugebaut werden muss ist unstrittig. Die Brückensperrung darf allerdings nicht dazu führen, Radverkehr und ÖPNV zu schwächen.

Die Sperrung der Bonner Nordbrücke ist ein schwerer Schlag für den Verkehr in Bonn. Eine Instandsetzung oder ein rascher Neubau der Brücke ist dringend notwendig. Ersten Verlautbarungen zu Folge ist aber leider anzunehmen, dass wir Bonner uns eine Weile an die Sperrung gewöhnen müssen. Wir hoffen, dass zumindest eine Freigabe der Geh- und Radwege sowie ggf. vielleicht eingeschränkter (vielleicht einspuriger?) Autoverkehr durch eine rasche Ertüchtigung bald wieder möglich sein werden.

Die Frage ist: Wie reagiert Bonn auf diese Sperrung? Es ist gut, dass die Stadt Bonn schnell eine Task Force gegründet hat. Eine Pressemeldung mit ersten Maßnahmen sorgt allerdings für Sorgen unter den Aktiven des Radentscheids. In der Meldung heißt es:

[…] Maßnahmen für die Ost-West-Achse, d.h. die Strecke vom Alten Friedhof bis hinter die Kennedybrücke, neue Wegführungen für Radfahrende sowie Ummarkierungs- und Umbaumöglichkeiten von Spurführungen, damit der Verkehr besser fließen kann […]

Auch wenn dies noch sehr abstrakt ist, so lesen wir hier raus, dass die Stadtverwaltung darüber nachdenkt, die erst vor wenigen Jahren eingerichteten Radwege und Umweltspuren auf der Oxfordstraße wieder zu Fahrspuren für den Autoverkehr umzuwandeln. Ob diese Überlegungen auch für die Adenauerallee gelten, lässt sich erst mal nicht ablesen. Es ist verständlich, dass in seiner solch prekären Situation alle Möglichkeiten in Erwägung gezogen werden. Allerdings erscheinen uns die Chancen solcher Maßnahmen viel geringer als die Nachteile, die sie mit sich bringen.

Enge Bonner Straßen können Verkehr der Nordbrücke nicht aufnehmen

Über die Nordbrücke fahren 100.000 Kraftfahrzeuge am Tag. Das Bonner Straßennetz ist nicht in der Lage, einen großen Teil dieser 100.000 Fahrzeuge zu verkraften. Wie Politiker sämtlicher Bonner Parteien richtigerweise immer wieder sagen: Im Bonner Straßennetz ist nicht viel Platz. Die Straßen sind eng.

Eine gute Möglichkeit für eine teilweise Entlastung der Straßen ist, wenn möglichst viele Menschen jetzt auf die platzsparenden Verkehrsmittel Fuß, Rad und ÖPNV umsteigen. Das setzt aber sichere Fuß- und Radwege und freie ÖPNV-Spuren voraus. Die Gewinne, die man durch die Freigabe von ÖPNV- oder Radspuren für den Autoverkehr machen würde, wären deutlich geringer. Was hilft eine mit MIV zugestaute Umweltspur, wenn dadurch auch kein Bus und kein Radfahrender voran kommt?

Ein Rückbau von Radwegen, eine kompliziertere Führung von Radverkehr über Umwege und eine Verlangsamung des ÖPNV durch Freigabe von Umweltspuren für den MIV verringern die Attraktivität der Alternativen zum Auto und machen es den Menschen so noch schwerer, Alternativen zum Auto zu nutzen, obwohl dies gerade jetzt sehr hilfreich wäre. Bonn muss sich gerade jetzt dafür einsetzen, die Attraktivität der Alternativen zum Auto weiter zu erhöhen. Kein anderes Verkehrsmittel verbraucht so viel Platz wie Autoverkehr. Im engen Bonner Straßenraum kann eine Fokussierung auf MIV keine Lösung sein.

Beschleunigung der 66 ist ein guter Weg

Ausdrücklich unterstützen wir die in einer weiteren Pressemeldung der Task Force angekündigte Beschleunigung der Stadtbahn 66 auf der Sankt Augustiner Straße. Gerade jetzt ist es wichtig, dass die Bahnen getrennt vom Autoverkehr verlässlich fahren können.

Zwar werden für den Radverkehr dadurch Umwege (Bröhltalbahnweg stadteinwärts, Combahnstraße – Kreuzstraße stadtauswärts) notwendig. Dies halten wir aber in Abwägung zur dadurch erreichbaren Beschleunigung des ÖPNV und mit Blick auf die zwar längeren, aber grundsätzlich gut nutzbaren Ausweichrouten für hinnehmbar. Anregen möchten wir eine Führung des Radverkehrs stadteinwärts über Bröhltalbahnweg und anschließend Professor-Neu-Allee, um eine direkte Anbindung an die Kennedybrücke herzustellen.

Betonen möchten wir, dass hingegen auf der Oxfordstraße durch eine Wegnahme der Radwege weder der ÖPNV weiter beschleunigt würde noch akzeptable Ausweichrouten für den Radverkehr existieren. Die Friedrichstraße ist eine Fußgängerzone und daher als Hauptdurchgangsroute für den Radverkehr ungeeignet. Die Radwege an der Oxfordstraße halten wir daher für notwendig.

Stärkung der Alternativen zum Auto als Lösung

Wir fordern die Beibehaltung der erfolgreich eingeführten und gut angenommenen Radwege auf der Oxfordstraße sowie der Adenauerallee sowie die Beibehaltung der Umweltspuren für den Busverkehr auf der Oxfordstraße und dem Hermann-Wandersleb-Ring.

Mit Erleichterung haben wir wahrgenommen, dass unser Oberbürgermeister, Guide Déus, auch auf den ÖPNV setzen will und dafür die Bedeutung der ÖPNV-Spuren betont. Nur wenn wir Verkehr und Mobilität ganzheitlich sehen, werden wir Entlastung schaffen können. Dabei wird es in der jetzigen Situation auch unkonventionelle und mutige Schritte brauchen, die wir gerne unterstützen, wenn sie zu intelligenten Lösungen führen.

Kommentare

6 Kommentare zu „Sperrung der Nordbrücke darf nicht zu Lasten von Radwegen und ÖPNV gehen“

  1. Avatar von Christian Wimmer
    Christian Wimmer

    Die absolute Borniertheit, Schamlosigkeit und intellektuelle Unaufrichtigkeit der Autopopulisten sollte nicht unterschätzt werden. Diese hauptsächlich von CDU/CSU verantwortete Situation wird ausgenutzt werden, um jede kleine Errungenschaft für eine gerechtere Raumaufteilung und gegen die autozentrierte Verschandelung der Stadt zunichte zu machen. Die Argumentationsmuster sind doch bekannt: Die verfehlte, auf den MIV konzentrierte Verkehrspolitik und mangelnde Instandsetzung der Infrastruktur wird als Grund herangezogen, jegliche Bemühungen, davon wegzukommen, zu torpedieren. Die SPD hat keinerlei Rückgrat und wird alles mittragen.
    Das Einzige, was hier vielleicht helfen könnte, ist die Vorbereitung von Klagen und Protesten, z.B. regelmäßigen Fahrraddemos auf gefährdeten Strecken, und eine klare Ansage an Déus und Konsorten in der Hinsicht.

    1. Avatar von Martin Pelzer
      Martin Pelzer

      Hi, danke für den Kommentar. So apokalyptisch möchte ich es im Moment nicht sehen. Die ersten verkündeten Maßnahmen dienen der Stärkung des ÖPNV und das ist ein gute Sache. Weiteres ist bisher nicht verkündet. Es ist wichtig, dass wir uns positionieren und proaktiv die Bedeutung auch des Radverkehrs in der jetzigen Situation herausstellen. Menschen und Parteien hier aber Dinge zu unterstellen bevor konkrete Vorschläge vorliegen ist aus meiner Sicht aber der falsche Weg.

  2. Avatar von Cornelius
    Cornelius

    Ich bin gespannt was da noch kommen wird, aber befürchte schlechtes. Es ist zwar sehr positiv, dass bis jetzt die Bedeutung des ÖPNV gestärkt werden soll, aber leider wird das Potential des Radverkehrs (zumindest so wie es im Moment aussieht) nicht berücksichtigt.

  3. Avatar von
    Anonym

    Ich bin mal gespannt was am Ende alles kommen wird, aber ich befürchte nichts Gutes für den Radverkehr. Es ist zwar sehr gut, dass die Bedeutung des ÖPNV gestärkt werden soll, aber das Potenzial des Radverkehrs wird leider nicht berücksichtigt.

    Gerade die Adenauerallee wollte Deus ja auch schon vorher wieder 4-Spurig machen. Mal schauen, welche abenteuerliche Radverkehrsführung sie sich dann da einfallen lassen.

  4. Avatar von Christian Wimmer
    Christian Wimmer

    Kommunikativ wird doch schon relativ eindeutig die Rückabwicklung von allem was geht vorbereitet.
    Gerade die Adenauerallee zeigt, dass hier ein Vorwand genutzt wird, da sie die Kapazität bzgl. der Rheinquerung nicht erhöht, wegen dem Koblenzer Tor ja nicht einmal in Nord-Süd Richtung !

  5. Avatar von Anonym
    Anonym

    Gibt es eine Petition gegen die Freigabe der Fahrradspuren? Herr Deus muss die persönliche Verantwortung für jeden Verletzten oder gar getöteten Fahrradfahrer übernehmen. Auf der Adenauerallee fahren Kinder zum Gymnasium!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert