Schlagwort: Bonn

  • Vorfahrt für den Umweltverbund vor der Uni

    Vorfahrt für den Umweltverbund vor der Uni

    Der Busverkehr wird gemeinsam mit dem Liefer-, Tiefgaragen- und Anliegerverkehr auf einer Fahrspur in Richtung Kaiserplatz bzw. Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB) geführt. Für den Fußverkehr stehen bei dieser Aufteilung auch an der schmalsten Stelle noch beidseitig Gehwege in mindestens 2,5 m Breite zur Verfügung. In allen anderen Bereichen sind wesentlich breitere Gehwege umsetzbar. Auch für Multifunktionsstreifen gibt es dabei noch ausreichende Flächen.

    Die Vorschläge der Stadtverwaltung, die aktuell in den politischen Gremien diskutiert und am 9. Februar 23 in der Sitzung des Rates beschlossen werden sollen, kann man im Informationssystem ALLRIS einsehen.

    Schon die bisherigen, relevanten Beschlüsse zu diesem Planungsbereich sehen eine Trennung von Fuß-, Rad- und Kfz-Verkehr vor. Aufgrund der vorhandenen Straßenraumbreiten muss der Radverkehr auf einem Zweirichtungsradweg geführt werden. Dieser liegt am günstigsten auf der Seite der Universität. Eine Alternative sehen wir nicht. Der Busverkehr wird gemeinsam mit dem Liefer-, Tiefgaragen- und Anliegerverkehr auf einer Fahrspur in Richtung Kaiserplatz bzw. Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB) geführt. Für den Fußverkehr stehen bei dieser Aufteilung auch an der schmalsten Stelle noch beidseitig Gehwege in mindestens 2,5 m Breite zur Verfügung. In allen anderen Bereichen sind wesentlich breitere Gehwege umsetzbar. Auch für Multifunktionsstreifen (z.B. für Lieferzonen, Begrünung, Außengastronomie) stehen ausreichende Flächen zur Verfügung. 

    Skizze Raumaufteilung Uniplatz Bonn

    Wir planen damit nichts wirklich Neues, sondern orientieren uns an bereits getroffenen, politischen Beschlüssen. Der Vorschlag für den Zweirichtungsradweg stammt aus dem am 27.06.2019 vom Hauptausschuss beschlossenen „Entwicklungskonzept Radverkehr für die Bonner Innenstadt“. Die darin enthaltene Prüfung möglicher Verkehrsführungen spricht sich klar für einen Zweirichtungsradweg aus. Das zentrale Argument lautet dabei, dass der Straßenzug Am Hof/Rathausgasse für den Radverkehr eine Hauptverbindung zwischen den westlichen Stadteilen (Poppelsdorf etc.), den Zielen Innenstadt/Universität sowie der Kennedybrücke/Beuel und dem Rheinufer darstellt. Mögliche Alternativen über die Innenstadt oder den Hofgarten/Regina-Pacis-Weg scheiden aufgrund der Konflikte mit dem Fußverkehr aus. Eine Erkenntnis, die sich im Übrigen auch im heute gültigen Verkehrsentwicklungsplan 2020 wiederfindet. Darin wird dieser Straßenzug als Hauptverbindung für den Radverkehr festgeschrieben. Ein Zweirichtungsradweg stellt zudem eine ideale Ergänzung zur bereits neu geschaffenen Radverkehrsführung am Rheinufer dar. 

    Eine grundsätzliche Festlegung auf eine getrennte Führung unterschiedlicher Verkehre wurde erneut am 04.02.2021 getroffen. Und zwar mit dem Beschluss zum Radentscheid Bonn. Damit muss angewendet werden, was in unserer zweiten Forderung so formuliert war: Radwege haben pro Richtung eine Mindestbreite von 2 m, sind deutlich markiert, asphaltiert und baulich vor Befahren, Halten und Parken durch Kfz geschützt.“

    Der dritte und wichtigste Beschluss datiert aus der vorherigen Ratsperiode. Im Rahmen der Beschlüsse zur Klimaneutralität beschloss der Rat der Stadt Bonn am 04.07.2019, den Anteil des Umweltverbundes am Modal-Split bis 2030 auf 75% zu erhöhen. Um dies zu erreichen, sind durchgängige und einladende Fuß- und Radverkehrsnetze und ein attraktiver ÖPNV die grundlegende Voraussetzung. Eine Verkehrsführung, bei der sich Busse und Radfahrende eine Fahrbahn teilen, scheidet im hier betrachteten Straßenzug daher aus. Grund dafür ist das dortige Verkehrsaufkommen. Busse verkehren bereits heute mit einer Taktung von ca. einem Bus pro Minute. Eine signifikante Verlagerung des Busverkehrs in anderen Straßen ist dabei aufgrund der Lage und des Konzepts des ZOBs nicht möglich. Für den Radverkehr erwähnt das oben genannte Entwicklungskonzept eine 12h-Zählung, welche bereits im Jahr 2005 über 4200 Radfahrende ergab. Beide Verkehrsarten sollen und werden in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Anders ist das Ziel, Bonn wird klimaneutral bis 2035, nicht zu erreichen. 

    Was bedeuten unsere Vorschläge für den Fußverkehr? Zunächst sei angemerkt, dass die wesentlichen Fußverkehre auf den Querungen am Bischhofsplatz, dem Haupteingang der Universität/Fürstenstraße und dem Martinsplatz stattfinden. Fußgänger-Längsverkehre entlang der Straßen Am Hof und Rathausgasse bestehen im Wesentlichen auf Seiten der Innenstadt. Dort stehen dem Fußverkehr bei einem Zweirichtungsradweg einladende Gehwegbreiten zur Verfügung. Und auch in allen anderen Bereichen werden 2,5m Gehwegbreite nicht unterschritten. 

    laufende Tasche Martinsplatz in Bonn

    Am wichtigsten sind folglich attraktive Querungen an den drei genannten Orten. Am Haupteingang der Universität und dem Bischofsplatz sind ausreichend bemessene Wartebereiche zwischen der Busspur und dem Radweg umsetzbar. Dafür muss der Radweg dort ggf. verschmälert werden, was den positiven Effekt einer Geschwindigkeitsreduzierung für den Radverkehr in diesen Bereichen mit sich bringt. Bei der Querung des Radwegs genießen Zufußgehende auf Fußgängerüberwegen („Zebrastreifen“) zudem Vorfahrt vor dem Radverkehr. Am Martinsplatz bietet der Zweirichtungsradweg auf der Seite der Universität die Möglichkeit, die Wesselstraße zur Fußgängerzone – mit Freigabe für den Radverkehr – umzuwidmen. Dadurch wird die stadthistorisch bedeutende Achse zwischen Bonner Münster und Kreuzkirche für den Fußverkehr deutlich aufgewertet, so wie im Masterplan Innere Stadt vorgesehen.

    Skizze Martinsplatz Umgestaltung

    Die Idee, die Achse vor der Uni insgesamt als Shared Space auszugestalten, halten wir für verfehlt. Dann würden sich Fußgänger, Radfahrer, Busse und Autos den Raum, der durch keine Bordsteine oder Kanten gegliedert ist, teilen. Dafür wird die Fahrgeschwindigkeit auf 20 km/h begrenzt. Dies funktioniert aber nur bei sehr wenig Verkehr. Die Dichte von Bussen, Radfahrern, Lieferverkehr und Autos, die aus der Tiefgarage kommen, widerspricht dem. Wer sich die Situation vor dem Siegburger Bahnhof ansieht oder schon mal in Wien über die Mariahilfer Straße gegangen ist, kennt die Konflikte. Die Wiener haben nach einiger Zeit die Buslinien aus dem „Begegnungsbereich“ verbannt. Unsere Forderung nach klar getrennten Flächen für die verschiedenen Verkehrsformen macht Sinn. Nur so könne sich die Verkehrsteilnehmer*innen in ihrem Bereich sicher fühlen. Konflikte werden vermieden.

    Wir haben uns intensiv mit der Abwägung der zum Teil gegenläufigen Interessen der unterschiedlichen Verkehrsarten auseinandergesetzt. Ein Zweirichtungsradweg für den Radverkehr, einladend breite Gehwege mit komfortablen Querungsmöglichkeiten, sowie eine den ÖPNV-Verkehrsfluss sicherstellenden separate Fahrspur stellen dabei aus unserer Sicht die beste Lösung der Verkehrsführung dar. Es muss Schluss sein, mit unnötigen Kompromissen zu Lasten des Umweltverbundes aus Bus-, Fuß- und Radverkehr, wie wir sie an vielen Stellen in der Stadt sehen. An dieser Stelle kann man Radentscheid-konforme Radwege umsetzen und die Verkehrsformen getrennt führen. Das verringert das Konfliktpotential und wertet die Bonner Innenstadt auf.

    geschrieben im Team mit dem ADFC Bonn/Rhein-Sieg

  • Bitte Platz nehmen – Ein Plädoyer für das Sitzen

    Bitte Platz nehmen – Ein Plädoyer für das Sitzen

    Wer sich nur zu Fuß bewegt, um von der Haustür zur Autotür zu gelangen, braucht keine öffentlichen Bänke, denn er oder sie sitzt bereits nach wenigen Metern wieder, möglicherweise sogar auf einem Platz mit Sitzheizung oder in klimatisierter Umgebung. Dort verbleibt er oder sie so lange, bis das Ziel erreicht ist. Der Gegensatz zur Bewegung aus eigener Kraft könnte nicht größer sein.

    Wer sich zu Fuß bei unterschiedlichen Wetterbedingungen fortbewegt, ermüdet schneller. Einkäufe zu transportieren ist mühsamer als mit Auto oder Fahrrad, also steigt auch das Bedürfnis nach einer Pause, sich hinzusetzen und auszuruhen, bevor es weitergeht. Manche Menschen benötigen Sitzgelegenheiten entlang des Weges öfter als andere – zum Beispiel Ältere, die nicht mehr gut zu Fuß sind, und Jüngere, die es noch nicht sind, oder Menschen mit Einschränkungen. Alle anderen, die temporär zu keiner der genannten Gruppen gehören, würden sich ebenfalls über öffentliche Sitzbänke freuen, wissen es aber möglicherweise noch nicht. 

    Aber nicht nur die anstrengendere Art der Fortbewegung macht den Unterschied, es ist gleichzeitig die Leichtigkeit, mit der Fußgängerinnen und Fußgänger anhalten und wahrnehmen können, was um sie herum passiert. Gehen als langsamste Art der Fortbewegung ermöglicht einen unmittelbaren Kontakt zur Umgebung, zu den kleinen Geräuschen neben dem Verkehrsrauschen, der Pflanze in der Asphaltritze. Anzuhalten – auf einer Bank! – und diese Eindrücke wahrzunehmen ist der eigentliche Luxus unserer Zeit. Ohne Bänke können wir im öffentlichen Raum nur unterwegs sein, gibt es keine bequeme Option, anzuhalten und zu verweilen, einen Ort mit Leben zu füllen. 

    Platz auf der Bank

    Viele Menschen kennen öffentliche Bänke nur von ausgewiesenen Orten der Naherholung: Parks, Spazierwegen, Spielplätzen, dem Rheinufer. Zu diesen Orten gelangen sie, man ahnt es, eher nicht zu Fuß. Würden sie den Weg zu diesen Naherholungsgebieten gehend zurücklegen, würde ihnen vielleicht etwas auffallen: es gibt keine öffentlichen Bänke in Wohngebieten, also dort, wo Wege oft beginnen oder enden. Auch an Hauptverkehrsstraßen (außer vielleicht an Bushaltestellen) und Supermärkten sind keine Bänke zu finden, weder in Bonn noch in anderen Städten. Nicht einmal in Fußgängerzonen sind öffentliche Bänke selbstverständlich. Und die, die es gibt, sind in keiner Karte verzeichnet, in keinem Reiseführer aufgelistet. 

    Nicht einmal der omnipräsente Kartendienst Google Maps, der allein sechs verschiedene Suchkategorien für Automobilität auflistet (Parkplätze, Tankstellen, Ladestationen für E-Fahrzeuge, Autovermietungen, Autowerkstätten, Autowaschanlagen), kennt die Kategorie Sitzbänke. Wo sollten sie auch Platz finden? Auf den Gehwegen ist es schon jetzt zu eng. Parkende Autos, Mülltonnen, Verkehrsschilder: alles, was auf der Fahrbahn stören würde, wird daneben aufgestellt, also auf dem Gehweg.

    Bänke sind soziale Orte.

    An ihr treffen sich Nachbarinnen und Nachbarn für ein Schwätzchen, ohne anderen „im Weg“ zu sein. Eine Bank ist ein Ziel für den abendlichen Spaziergang, oder als Ort für den Home-Office-Arbeitenden, die oder der in der Mittagspause den eigenen vier Wänden entfliehen möchte. Bänke ermöglichen die Belebung eines Ortes, Menschen halten sich dort auf, statt den öffentlichen Raum eilig zu durchqueren. Wer innerhalb der Stadt attraktive Räume schaffen will, in denen sich Menschen gerne aufhalten, braucht dafür Infrastruktur, die genau dies ermöglicht. Alles, was wir dafür tun müssen, ist Platz zu schaffen. Weniger parkende Autos, mehr Raum für Bänke und daneben einen Baum wäre zumindest ein Anfang.

    geschrieben von Sonja

  • Mehr Platz fürs Rad auf der Oxfordstraße

    Mehr Platz fürs Rad auf der Oxfordstraße

    Ausgangspunkt für die Umgestaltung war die notwendige Oberflächensanierung auf dieser vielgenutzten innerstädtischen Verbindung. Das nutzten Stadtrat und Verwaltung, um eine Neuverteilung der Fahrbahnen zu planen. Gehwege und Straßenbahngleise blieben unangetastet. 

    Die Neuaufteilung der Fahrspuren ergab sich zum einen aus den Anforderungen der aktuellen Regelwerke. Zum anderen wurde sie durch das politische Ziel der Mobilitätswende und dem beschlossenen Radentscheid mit seinen Anforderungen an bauliche Standards bestimmt. Durch die Wegnahme einer Fahrspur für den motorisierten Individualverkehr ergab sich der Raum, um für Fahrrad und ÖPNV bessere Bedingungen zu schaffen. Die Situation, wie sie bis dahin war, war für Radfahrende schlicht unerträglich. Im Auto- und Busverkehr bei wechselnden Spurbreiten, Ampelstaus und Liefertätigkeiten mitzuschwimmen, war nur etwas für Geübte und Mutige. Jetzt stehen teilweise breite Radfahrspuren und gemeinsame Bus-Fahrradspuren, sogenannte Umweltspuren, zur Verfügung. 

    Neue Fahrradspur Bonn Am alten Friedhof

    Unsere Forderung nach durchgängigen, vom motorisierten Verkehr getrennten, Radwegen ließ sich leider nicht überall umsetzen. Aber es ist klar: Diese Umwidmung hat für uns eine erhebliche Verbesserung ergeben. Es gibt wohl keine Beschwerden seitens der Radfahrenden. Wer sich für die Führungsformen und deren Einordnung im Detail informieren will, kann gerne den Blogartikel von Martin Ueding dazu lesen. Martin ist mit uns aktiv beim Radentscheid.

    Die Oxfordstraße zeigt exemplarisch, wie die Stadtverwaltung aktuell mit dem Radentscheid umgeht. Durch den Beschluss ist klar, dass Radfahren in der Stadt einfacher und sicherer werden soll. Daher wird überall dort, wo Straßen oder Kanäle saniert werden müssen, wenn möglich neue Radinfrastruktur geplant. Aber wie steht es um eine Durchgängigkeit? Was nutzen 600 m gute Radwege, wenn es davor und dahinter nicht sinnvoll weitergeht? Gerade bei der Oxfordstraße muss man sich diese Frage wirklich stellen.

    Der Blick auf den Stadtplan macht klar, dass für eine Ost-West-Verbindung durch die Innenstadt diese nach dem 2. Weltkrieg geschaffene Schneise fast alternativlos ist. Es braucht eine Verbindung von Beuel über den Rhein, den Suttnerplatz und die Oxfordstraße in Richtung Endenicher Straße und in die westlichen Stadtteile. Daher kann man die Oxfordstraße nicht bewerten ohne den Bertha-von-Suttner-Platz und die Rampe zur Kennedybrücke. Gerade der Suttnerplatz ist dabei für viele Radfahrende ein Angstraum. Die Radspur in Mittellage zwischen Bussen, die von rechts nach links und Autoverkehr, der von links nach rechts über die Radspur wechseln muss, ist bei der Fahrt in Richtung Rhein eine echte Herausforderung und hält viele Radfahrende von der Nutzung dieses Bereichs ab. Diese Radverkehrsführung ist fern jeglicher Radentscheid-Standards. Die Alternative über die Friedrichstraße ist in Wirklichkeit keine, da es dort zu Konflikten mit dem Fußverkehr kommt und keine Durchgängigkeit gegeben ist.

    Gefährliche Situation auf der Radspur am Bertha-von-Suttner-Platz in Bonn

    In Richtung Westen sieht es kaum besser aus: Lediglich ein Schutzstreifen, der effektiv keinen Schutz bietet, steht zur Verfügung. Rechts parken Taxis ein und aus, Busse wechseln auf die Haltestelle und viele Autofahrenden biegen über den freien Rechtsabbieger in die Kölnstraße ab. Dazwischen ist höchste Konzentration und defensive Fahrweise angesagt. Wenn man will, dass viele Radfahrende die Oxfordstraße nutzen, muss der Bertha-von-Suttner-Platz unbedingt umgestaltet werden. Aus dem Stadthaus hören wir, dass die Planung dafür läuft. Dabei ist auch hier die Reduktion der Fahrspuren für den Autoverkehr im Gespräch. Man merkt, dass die Mobiltätswende und der Radentscheid in der Verwaltung angekommen sind. Wir sind gespannt auf neue Pläne im Jahr 2023.

    Am anderen Ende der Oxfordstraße gibt es zwei wichtige Anbindungen. Zum einen wird die Bornheimer Straße verkehrsberuhigt umgebaut und könnte so zu einer guten Verbindung zur erneuerten Viktoriabrücke werden. Viel wichtiger erscheint uns aber eine direkte Verbindung Richtung Musikerviertel und Endenich durch eine verbreiterte Viktoria-Bahnunterführung zwischen Am alten Friedhof und Endenicher Straße. Auch hier soll 2023 der Umbau beginnen. Allerdings sprechen wir nicht von einer breiten, freundlichen Unterführung, wie man sie aus den Niederlanden oder den skandinavischen Ländern kennt. Solche Unterführungen könnte man angstfrei durchfahren. Hier ist, da ein kompletter Neubau ungleich aufwändiger und langfristiger wäre, leider nur eine Verdopplung des bisher viel zu schmalen Durchgangs vorgesehen. (Die Pläne sind hier einzusehen)

    Planung Viktoria-Bahnunterführung Bonn

    Zudem ist die geplante Anbindung der Unterführung, insbesondere Richtung Oxfordstraße, bei dem Kreisel Am alten Friedhof aus Sicht des Radverkehrs unakzeptabel. Hier soll man über acht Fahrbahn-Querungen um den Kreisel fahren, um zur Radspur Richtung Stadthaus zu kommen. Es wäre wünschenswert, wenn man das nochmal überdenken könnte. In Richtung Westen sind bei der Ausfahrt 90°- und 180°-Biegungen zu bewältigen, was eine leichte und flüssige Durchfahrung behindert und mit Anhängern und Lastenrädern zu Problemen führt. Insgesamt steht für den Rad- und Fußverkehr hier zu wenig Platz zur Verfügung, was absehbar zu Konflikten führen wird. Das was hier gebaut wird, würde man sich gemäß der Idee, den Fahrradverkehr entscheidend zu fördern, leider völlig anders wünschen. Bisher wurde nur die Vorplanung beschlossen. In der noch zu erstellende Ausführungsplanung könnten die oben genannten Aspekte nochmal überprüft und ggf. verbessert werden.

    Schaut man sich die Route im weiteren Verlauf an, bleiben weitere Fragezeichen. Wie könnte hier eine durchgängige Ost-West-Verbindung entstehen, die von vielen genutzt wird, weil sie sicher und einfach ist? Leider ist auch nach fast zwei Jahren Umsetzungszeit des Radentscheids noch nichts Substanzielles beschlossen: Es fehlt ein klarer, von den politischen Instanzen beschlossener Plan der Hauptrouten durch die Stadt. Darauf zielt die erste Forderung des Radentscheids. Ziel ist ein durchgängiges Routennetz, das alle Stadtteile miteinander verbindet. Wir werden nicht müde, die Routenplanung in den Treffen mit der Stadt wieder und wieder einzufordern.

    Neue Fahrradspur Oxfordstraße Bonn

    Unser Fazit zur Oxfordstraße hat also zwei Seiten: Auf der einen Seite ist es in unseren Augen definitiv ein großer Schritt, an dieser Problemstelle dem Radverkehr eine solche Verbesserung zu geben. Auf der anderen Seite können wir angesichts der Größe der Aufgabe und der begrenzten Zeit, die für die Umsetzung des Radentscheids zur Verfügung steht (nur fünf Jahre), mit dem Fortschritt nicht zufrieden sein. Es braucht dringend beschlossene Hauptrouten, einen Handlungsplan für deren Umsetzung und eine zügige Komplettierung dieser wichtigen Ost-West-Verbindung mit einem durchgängig hohen Qualitätsstandard der Radführung. Da das Fahrradteam im Stadtplanungsamt in diesem Jahr deutlich gewachsen ist und engagiert an der Radverkehrsförderung arbeitet, haben wir Hoffnung, dass es gelingen kann. Wir bleiben dran.

    geschrieben von Steffen

  • Kinder radeln für mehr Platz in der Stadt

    Kinder radeln für mehr Platz in der Stadt

    Bisher keine kinderfreundliche Verkehrsplanung

    Wer sich für mehr Fahrräder in den Städten einsetzt, darf die Kleinen nicht vergessen! Wenn man sein Kind schon zur Kita und zur Schule begleitet, kennt man das: Auf den Fußwegen, auf denen die Kleinen fahren sollen, stehen Mülltonnen, Autos, Leihroller und die Bordsteine an Querstraßen zwingen immer wieder zum Absteigen. Nur selten findet sich ein Weg, auf dem durchgängig die vorgeschriebenen 1,50m frei sind. So macht Fahren keinen Spaß! 

    Insbesondere jetzt in der kalten Jahreshälfte sind Kinder besonders gefährdet. Wenn es morgens und nachmittags noch dunkel ist, kommt noch dazu, dass mehr Verkehr auf den Straßen unterwegs ist und somit die Gefahr für Unfälle weiter steigt. Wir wollen es Kindern leichter machen: Tempo 30 an Schulen und Kitas, abgesenkte Bordsteine, ausreichend breite Fußwege, längere Ampelphasen und ausreichend Abstellmöglichkeiten an Schulen und Kitas. 

    Kinder auf der Fahrbahn

    Die Folge sind Elterntaxen und Unfälle

    Das Ergebnis sind viele Eltern, die ihre Kinder lieber per Auto zur Kita oder Schule bringen. Das erzeugt Staus und unübersichtliche Verkehrssituationen vor den Einrichtungen. Die Präsenz der Polizei und des Ordnungsamtes vor den Schulen und Kitas ist inzwischen keine Seltenheit mehr. Meist bleibt es dann aber doch nur bei kurzfristigen Fortschritten. 

    Dabei ist längst erwiesen, dass Kinder morgendliche Bewegung und frische Luft hilft, sich in der Schule zu konzentrieren. Auch nehmen diese den Weg zur Schule vielfältiger wahr, werden selbstständiger und mutiger. Nicht zuletzt für die Luftqualität und Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmender wäre es besser, wenn mehr Kinder mit dem Rad oder zu Fuß kämen. Dafür braucht es aber die richtigen Rahmenbedingungen!

    Peter spricht zum Start der kidical Mass im Hofgarten in Bonn

    Kidical Mass: Demonstration per Rad

    Für Kinder gibt es analog zur bereits etablierten „Critical Mass“ seit ein paar Jahren in Bonn die „Kidical Mass“ als angemeldete Demonstrationsveranstaltung. Bei den bisherigen acht Kidical Mass fuhren insgesamt mehr als 3.000 Radelnde durch Bonn und erlebten, wie sich eine fahrradfreundliche Stadt anfühlt. Begleitet von der Polizei, einem Rahmenprogramm, Musik auf Lastenrädern und vielen Helfer*innen, fahren selbst die Kleinsten mit ihren ersten Rädern bereits die sieben Kilometer quer durch Bonn. Am Ende gibt es Geschenke und viele stolze Kinder!

    In 2022 fuhren wir einmal durch Bad Godesberg und zwei Mal durch die Innenstadt – jeweils bei bestem Wetter und mit mehreren Hundert Teilnehmenden. Die Räder waren bunt geschmückt, Soundbikes sorgten für Stimmung, Seifenblasen erfreuten die Kids und immer wieder wurde aufeinander gewartet, um auch die Laufradfahrenden mitzunehmen. 

    Der Radentscheid Bonn sowie der ADFC Bonn/Rhein-Sieg unterstützen und organisieren die Kidical Mass. Der nächste Termin für alle radelnden Kinder (und Familien) in Bonn ist der 06. Mai 2023. Es werden noch Mithelfende für die Organisation und Absicherung am Veranstaltungstag gesucht (s. Link unten). Bei den bundesweiten Aktions-Wochenenden demonstrieren in über 100 deutschen Städten Familien mit ihren Kindern für eine fahrradfreundliche Infrastruktur– selbstverständlich in kindgerechtem Tempo. 

    Weitere Informationen findet ihr unter https://www.radentscheid-bonn.de/kidical-mass/

    geschrieben von Peter

    Kicical Mass Radentscheid Bonn
  • „Ohne Veränderung verändert sich halt nix.“ 

    „Ohne Veränderung verändert sich halt nix.“ 

    Wie bist du denn heute zur Arbeit gekommen? 

    Heute bin ich tatsächlich mit dem Auto gekommen, weil ich vorher in Köln einen Termin hatte und ich noch eine riesige Kiste mit Ware transportieren musste. Da ich in Hersel wohne und jetzt zwischen Köln, Bonn und Hersel hin- und herfahren musste, wäre das anders nicht gegangen. Aber sonst komme ich tatsächlich meistens mit dem Fahrrad. 

    Euer Laden liegt ja in der Friedrichstraße und die ist seit 1997 autofrei – wie kommen denn Eure Kund:innen zu Euch? 

    So genau weiß ich das natürlich nicht bei jede/r Kund:in, denn bei denen, die mit dem Auto kommen, sehen wir das ja nicht – die fahren ja direkt in die Tiefgaragen und kommen dann genau wie die Nutzer:innen des ÖPNV zu Fuß hierher. Aber ich sehe auch immer viele, die mit dem Fahrrad direkt vor der Ladentür parken. 

    Ist das ein Thema, bei Euren Kund:innen? In dem Sinne, dass es vielleicht Beschwerden darüber gibt, dass die Geschäfte schwierig zu erreichen wären mit dem Auto? 

    Nein. Also das habe ich hier im Laden noch nicht ein einziges Mal gehört. Und ich kenne das Thema  auch aus der privaten Perspektive: Es gibt durchaus Situationen, in denen ich mit dem Auto in die Innenstadt fahre und dann fahre ich halt ins Parkhaus. Da soll es ja das ein oder andere geben in Bonn. 

    Wisst ihr, wo Eure Kund:innen so herkommen? 

    Also eine richtige Erhebung dazu haben natürlich nicht gemacht, aber wir unterhalten uns oft. Wir haben eine ganz gute Mischung aus Stammkund:innen aus dem Bonner Stadtgebiet – aber viele kommen auch aus der Eifel, dem Westerwald, aus Koblenz oder dem Bergischen zu uns. 

    Wie machen das Eure Lieferant:innen oder Handwerker:innen, die zu Euch müssen? 

    Unsere Ware wird bis 12 Uhr von den üblichen Kurierdiensten angeliefert. Handwerker parken zwar auch schon mal hinter dem Haus, können ansonsten aber auch problemlos in dem Zeitraum vorne stehenbleiben. 

    Wir waren lange Zeit der einzige Laden in diesem Bereich der Friedrichstraße, der keine Blumenkübel oder Ähnliches vor der Tür stehen hatte, wodurch wir immer wieder Probleme mit Leuten hatten, die meinten, hier zum Einkaufen parken zu müssen. Aber jetzt haben wir seit drei Jahren gottseidank die Grüne Insel, die einerseits sehr schön und ein Ort der Begegnung ist und andererseits dafür sorgt, dass unser Laden hier nicht mehr zugeparkt wird. 

    Grüne Insel? 

    Die Grünen Inseln sind ein Projekt vom Wissenschaftsladen Bonn um die Innenstadt etwas grüner zu machen. Das sind kombinierte Pflanzkübel und Sitzgelegenheiten aus Holz. Da sitzen dann oft Menschen und trinken ihren Kaffee, essen ihr Eis oder ruhen sich einfach nur aus und kommen miteinander ins Gespräch. Und wir kümmern uns darum, bepflanzen sie und machen sie jeden Morgen sauber. 

    Die Friedrichstraße ist erst seit rund 20 Jahren Fußgängerzone, also viel später dazugekommen. Hast du eine Idee, wie der ehemalige „Cityring“, also das Teilstück zwischen Busbahnhof und Viktoriakarree, künftig aussehen könnte? 

    Ich habe ganz lange in Hamburg gewohnt und dort wurde in Eimsbüttel die Osterstraße – früher eine Hauptdurchgangsstraße – komplett neu angelegt. Heute können da Fuß-, Rad- und Autoverkehr gut parallel vorankommen – das ist natürlich der Idealfall. Zu Frust führt immer, wenn zu wenig Platz für alle ist. Wichtig ist, dass es eine klare Aufteilung gibt, also zum Beispiel einen Fahrradstreifen und einen Fußgängerstreifen. 

    Ich fahre ja selber auch viel Fahrrad, aber ich würde zum Beispiel nicht auf die Idee kommen, nachmittags um drei hier mit 25 km/h durch die Friedrichstraße zu radeln. Das macht zwar nur eine Minderheit, aber das wird dann halt in den Medien und Kommentarspalten bei Facebook hervorgehoben. Gegenseitige Rücksichtnahme ist hier einfach von allen Seiten gefragt. 

    Merkt ihr hier etwas von der Kappung des Cityrings? 

    Nein, das kann ich wirklich nicht anders sagen: Das hat überhaupt keinen Einfluss auf uns. 

    Und wie erklärst Du Dir dann, das teilweise behauptet wird, die Umsätze des Einzelhandels würden um bis zu 25% einbrechen? 

    Ich glaube, das ist ein generelles Problem des stationären Einzelhandels, dass die Umsätze einbrechen und das liegt wohl teilweise auch an den Konzepten. Die ganze Corona-Lockdown-Phase war natürlich extrem hart, aber wir haben danach einen deutlichen Zustrom gemerkt – auch, dass die Leute ganz gezielt zu uns kommen. Ich glaube nicht, dass der Umbau des Cityrings bei der großen Mehrheit der Menschen irgendeinen negativen Einfluss hat – dann wäre es ja auch kein auf Bonn beschränktes Phänomen. 

    In der Berichterstattung wird immer nur der negative Aspekt betont, wenn es um Veränderungen geht. Anstatt zu klagen, dass da jetzt irgendwo einzelne Parkplätze wegfallen, könnte man ja zum Beispiel auch mal sagen: „Hey, super, dass da jetzt mehr Platz für Menschen zu Fuß ist und dass die Menschen sich freier in der Stadt bewegen können!“ Beim Lesen der Artikel hat man ja teilweise den Eindruck, man könne die Innenstadt nicht mehr mit dem Auto erreichen, geschweige denn ins Parkhaus fahren, aber das stimmt ja schlichtweg nicht. 

    Wie schätzt du generell die Verkehrssituation in Bonn ein? 

    Es kommt natürlich immer drauf an, von wo man kommt und wohin man will, und es gibt immer auch gute Gründe für unterschiedliche Menschen, ein Auto zu benutzen. Man darf nicht vergessen, dass es Menschen gibt, die aus gesundheitlichen Gründen aufs Auto angewiesen sind. Für viele andere und auch für mich persönlich ist das auch oft auch einfach nur Bequemlichkeit – aber letztlich gilt: Ohne Veränderung verändert sich halt nix – und so wie es ist, kann es nicht bleiben. 

    Immer mehr Autos … das ist schwierig. Es wird oft vergessen, dass die Zahl der zugelassenen Autos in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen hat und es auch dadurch vermehrt zu Staus kommt.  Es hilft natürlich auch nicht, einfach alle Autos aus der Stadt zu verbannen und den Rest dann so zu lassen, wie er ist. Es müssen Konzepte her. Was mir hier in der Breite etwas fehlt, ist zum Beispiel der öffentliche Nahverkehr. Das wäre wichtig. Bislang ist er insbesondere in Bonn zu teuer zu kompliziert und zu wenig flächendeckend. Aber da tut sich ja glücklicherweise mit dem Bürgerticket etwas. Und es gibt einfach Stellen, an denen ich definitiv nicht Fahrrad fahre, weil es mir zu gefährlich ist. 

    Wie blickst du allgemein in die Zukunft der Innenstadt? 

    Wir haben doch alle während Corona gemerkt, dass es so ganz ohne persönlichen Kontakt schwierig ist. Sonst würden wir ja jetzt alle nur noch online kaufen. Die großen Ketten sind sicher größtenteils eher austauschbar und werden wohl langfristig vom Online-Geschäft verdrängt. Aber Läden, die eine persönliche Beratung bieten und eine Willkommens-Atmosphäre schaffen, werden immer eine Zukunft haben. Da glaube ich ganz fest dran, das erlebe ich hier in der Friedrichstraße an vielen Stellen und das bekommen wir regelmäßig von unseren Kund:innen zu hören. 

    Ich wünsche mir auch mehr Wohnraum in der Innenstadt, auch damit es hier nachts nicht so ausgestorben ist – die Innenstadt muss wieder belebt werden und wenn man weiß, wieviel Wohnraum hier leer steht, ist da auf jeden Fall Potenzial versteckt. 

    Es müssen Konzepte her, die all das berücksichtigen. Und wenn man in andere Städte schaut, wo schon Konzepte umgesetzt wurden, dann sie man ja auch, dass das die Innenstädte nicht schädigt, sondern – im Gegenteil – wieder belebt. 

    Liebe Kerstin, vielen Dank für das Gespräch!

    Das Gespräch führten Tobi und Martin

  • Nachhaltige Mobilität für Kinder

    Nachhaltige Mobilität für Kinder

    Der Radentscheid Bonn möchte die Verkehrswende gestalten mit dem Ziel einer lebenswerten, kinderfreundlichen und klimagerechten Stadt, in welcher sich alle sicher bewegen können. Über 28.000 Bonner:innen haben unsere Ziele unterschrieben und seit einem Jahr sind wir in monatlichem Austausch mit der Verwaltung der Stadt, damit diese Ziele auch umgesetzt werden. Schulwege (bzw. von Kindern oft genutzte Wege allgemein) und die Verkehrssituation im Umfeld von Bildungseinrichtungen sowie großen Spielplätzen, ist besonders wichtig bei der beschlossenen Umgestaltung zu einer kindergerechten Stadt. Daher möchten wir bezüglich einiger Aspekte, die auch im AK Schule und Mobilität der Stadt Bonn angesprochen wurden, eingehen und Stellung nehmen.

    1. Farbe ersetzt keine kinderfreundliche Infrastruktur

    Eine qualitativ hochwertige Infrastruktur für den Rad- und Fußverkehr ist für Kinder und ihre Eltern der Hauptmotivator, die meist kurze Entfernung zur Schule/Kita mit dem Rad oder zu Fuß zurückzulegen.  Auch aufgrund unsicherer oder als unsicher empfundener Infrastruktur wird das Auto als Elterntaxi genutzt. Zusätzlich wird häufig versucht, den individuell sichersten Schul- oder Kitaweg zu finden, wobei auch längere Umwege in Kauf genommen werden. Wir möchten diese Vorgehensweise verändern und den möglichst direkten und intuitivsten Weg zur Schule/Kita zu einem sicheren Weg für Rad- und Fußverkehr umgestalten und auf diesem Weg Elterntaxis unnötig machen. Es ist nicht fair, dass Kinder täglich Umwege und Unsicherheiten ertragen müssen, nur damit der Erwachsenenverkehr möglichst ungestört bleibt. Eine alleinige Wegmarkierung der Kinderwege mittels „Gelber Füße“ um z.B. eine vielbefahrene Kreuzung zu meiden, kann deshalb nur eine sinnvolle Ergänzung sein. Sie sollte aber nicht davon ablenken, dass das wichtigere, nachhaltigere und gerechtere Ziel die sichere Umgestaltung der Infrastruktur sein muss. Eine alleinige Markierung ist nicht ausreichend („Farbe ist keine Infrastruktur“).

    Schulwege zwischen kooperierenden Schulen (z.B. zwischen EMA und HHG Bonn) sollten im Routennetz, das erstellt wird, berücksichtigt werden. Das vorgestellte Beispiel mit Flyern und einer sicheren Route kann auch Vorbild für andere Schulen sein, erst recht wenn diese externe Sportanlagen (wie Schwimmbäder, Turnhallen, etc.) regelmäßig nutzen.

    Wirkliche infrastrukturelle Verbesserungen, die einen direkten sicheren Weg zu Bildungseinrichtungen ermöglichen, sind niveaugleiche Einmündungen, Schutzkreuzungen und breite Rad- und Fußwege. Diese Maßnahmen wurden so mit dem Radentscheid beschlossen . Sie wirken durch ihr Design und nicht durch Reglementierung (Schilder etc.) und stellen damit auch eine nachhaltig wirkende Verbesserung dar.

    2. Ausreichend breite Gehwege

    Gehwege sind für die Mobilität von Kindern von besonderer Bedeutung. Sie sollten ausreichend breit sein, damit mind. zwei Kinder nebeneinander sicher auf dem Gehweg gehen können. Der Bürgersteig ist sozialer öffentlicher Raum und der Schulweg ist eine wichtige Möglichkeit für Austausch und Kommunikation der Kinder. Gleichzeitig ist der Bürgersteig aber auch der vorgeschriebene Weg für radelnde Kinder bis zum 8. Lebensjahr. Bis zum 10. Lebensjahr dürfen sie und eine begleitende erwachsene Person übrigens weiterhin noch den Gehweg nutzen. Mit dem Radentscheid wurde eine Regelbreite von 2,5 m und eine Mindestbreite der Gehwege von 1,5 m beschlossen. Parken auf dem Gehweg und Falschparkende sind an vielen Stellen Ursache für mangelnde Gehwegbreiten. Im Rahmen der Neuordnung durch die beschlossene Parkraumstrategie fordern wir ausreichende Gehwegbreiten möglichst flächendeckend wiederherzustellen.  Auf den Bereich von Schulwegen muss dabei Priorität gelegt werden.  Um die Gehwegbreiten zu sichern muss Falschparken konsequent geahndet werden.

    3. Gute Fahrradabstellanlagen ggf. auch im öffentlichen Raum

    An den Schulen sollte eine ausreichende Anzahl guter Fahrradabstellanlagen vorhanden sein. Zusätzlich sollte geprüft werden, ob diese auch zusätzlich im öffentlichen Raum vor der Schule eingerichtet werden können, da dies  weitere Vorteile bieten kann: So können Fahrradabstellanlagen anstelle von KFZ-Parkplätzen auf der Fahrbahn zu besseren Sichtbeziehungen an Einmündungen führen und zusätzlich rangierende KFZ auf Parkplätzen vor einer Schule oder Kita vermeiden.

    4. Mobilitätsschulung statt Verkehrserziehung

    Radfahren und Zufußgehen sind einfach und sicher, wenn eine sichere vom motorisierten Individualverkehr (MIV) getrennte Infrastruktur vorhanden ist. Das ist leider selten der Fall. Deshalb raten Grundschulen sogar teilweise aus Sicherheitsgründen vom Rad für den Schulweg ab. In der Verkehrserziehung mit der Polizei lernen die Kinder, durch z.T. komplexes und unintuitives  Verhalten diverse Gefahrenstellen zu passieren. Solange die Verkehrssituation für Kinder unsicher ist,  erscheinen solche Ratschläge sinnvoll. Wir fordern stattdessen eine Verkehrssituation, die solche Ratschläge unnötig macht (s. Punkt 1 und 2). Nicht die Kinder müssen sich an die Verkehrssituation anpassen, sondern wir sollten die Verkehrssituation anpassen, sodass alle Kinder gut, selbstständig und sicher mobil sein können.

    Wir möchten Kinder und Eltern ermutigen, ohne das Auto zur Schule und Kita zu kommen. Eine angstbesetzte Kommunikation bezüglich des selbständigen Schulwegs zu Fuß oder mit dem Rad führt nur zu Vermeidung. Vermeidung führt zu weniger Kindern im Stadt- und Straßenbild. Dadurch erwarten Autofahrende auch keine Kinder  auf der Straße und das Gefährdungspotential steigt („Safety in numbers“). Der Gewinn für die Kinder, Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit mit einer gesunden Mobilität auf dem Schulweg zu erlangen, ist von ganz besonderem individuellen, aber auch gesellschaftlichen Wert. Wir wünschen uns eine bestärkende Mobilitätserziehung für selbstbewusste Kinder auf allen ihren Wegen. Eine solche Möglichkeit zur positiven Mobilitätserziehung ist der RaBo (Radparcour Bonn)

    5. Spaß am Radeln vermitteln

    Veränderung wird leichter möglich, wenn man sie ausprobiert! Durch gezielte Aktionen lässt sich bei Schüler:innen ein Anreiz schaffen, mehr Rad zu fahren.

    Mit der Kidical Mass, einem bunten Fahrradkorso durch die Stadt, welche wir in den letzten zwei Jahren fünfmal veranstalteten, demonstrieren wir regelmäßig mit mehreren hundert Kindern, für eine kindergerechte Infrastruktur. Die Kidical Mass zeichnet als lebendige, bunte Gruppe ein positives Bild von nachhaltiger Kindermobilität in der Stadt und begeistert oft nicht nur die Kinder, sondern auch Passanten und Zuschauer:innen. Die Kinder dürfen sich ausnahmsweise dort bewegen, wo sonst kein Platz für sie vorgesehen ist. Informationen zur nächsten Kidical Mass veröffentlichen wir jeweils unter unserem Navigationspunkt „Kidical Mass„.

    Motivation fürs Fahrradfahren an weiterführenden Schulen kann außerdem die Teilnahme beim „Stadtradeln“ sein. Hier werden über drei Wochen alle geradelten Kilometer gesammelt. Die Verkehrsdaten können zudem von der Stadt genutzt werden um hochfrequentierte Routen zu identifizieren. Einige Schulen stellten im letzten Jahr bereits ein Team. Wir wünschen uns hier eine Teilnahme von möglichst vielen Schulen. Das sollte durch die Schulträger gefördert werden.

    6. Tempo 30

    Vor Schulen wird in der Regel Tempo 30 angeordnet. Da Schulwege aber mehr sind als der direkte Verkehrsraum vor der Schule, unterstützen wir ausdrücklich die Bemühungen der Stadt Tempo 30 in der Stadt auszudehnen und zur Regelgeschwindigkeit zu machen. Zusätzlich sollte idealerweise eine bauliche Gestaltung des Verkehrsraums niedrige Geschwindigkeiten des MIV bedingen, sowie regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen die Sicherheit erhöhen.

    7. Schulstraßen statt Hol- und Bringzonen

    An Schulen werden Hol- und Bringzonen („Kiss and Ride“) geplant und zum Teil bereits eingerichtet (z.B. Beethovenschule Bad Godesberg). Dadurch soll MIV-Parkverkehr vor der Schule und Halten in zweiter Reihe zum Aussteigenlassen der Kinder vermieden werden. Ein wissenschaftlicher Nachweis für eine Gefährdungsminderung hierdurch, ist uns nicht bekannt. Elterntaxen werden durch diese Maßnahmen nicht vermindert, sondern wenn überhaupt nur verlagert und im schlechtesten Fall sogar motiviert, da das Absetzen der Kinder mit dem KFZ vor der Schule komfortabler wird. Zudem ist die Entfernung von der Schule schwer zu optimieren. Ist die Hol- und Bringzone zu nah an der Schule, vermindert sie keinen Verkehr vor der Schule. Ist sie zu weit weg, wird sie nicht genutzt und die Kinder werden weiter direkt vor der Schule abgesetzt. Wir sehen daher die Einrichtung von Hol- und Bringzonen als kritisch und nicht zielführend. Eine Alternative, die z.B. in Wien und Köln nachweislich Elterntaxis verhindert und nachhaltige selbstständige Mobilität fördert, ist die Einrichtung von Schulstraßen. Hier wird die Straße vor der Schule eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn und zum Unterrichtsschluss am Nachmittag nur für Rad- und Fußverkehr geöffnet. Wir wünschen uns, dass auch in Bonn diese Möglichkeit bei besonders betroffenen Schulen geprüft wird. Gemeinsam mit der Elternschaft und Schulleitung lässt sich dies für wenige Tage ausprobieren und ggf. verstetigen.

  • Stellungnahme zur Diskussion um die Rheinauenradwege

    Stellungnahme zur Diskussion um die Rheinauenradwege

    Zentraler Teil des Radentscheids ist die Forderung nach einem durchgehenden Radwegenetz. Die Radwege auf beiden Seiten des Rheins gehören seit Jahrzehnten dazu und sind sowohl innerstädtisch als auch touristisch von großer Bedeutung. Nur wenige Städte haben ein Flussufer, das auf solch großer Länge fast komplett autofrei ist. Viele Menschen erschließen es sich mit dem Fahrrad. Die Radwege am Rhein sind eine wichtige Achse im Fahrradnetz von Stadt und Land.

    Die Konfliktsituationen auf der Strecke entstehen bei intensiver Freizeitnutzung und insbesondere an Nachmittagen und Wochenenden mit Sonnenschein. Hier zeigt sich, dass die Fläche für Familien, die auf dem Rad unterwegs sind, aber auch für Räder mit Anhängern und größere Gruppen viel zu schmal sind. Insbesondere Kinder sind gefährdet, weil die Wegbreite und der Verkehr schon kleine Fahrfehler zur großen Gefahr werden lassen. 

    Wir begrüßen den Plan, diesen Radweg mit Fördermitteln, die den Umstieg auf das Fahrrad unterstützen wollen, zu verbreitern. Eine kreuzungsarme und abseits des Autoverkehrs verlaufene Radroute ist positiv für die Pendler:innen. Der größte Nutzen durch eine Verbesserung der Strecke entsteht in unseren Augen aber für die Freizeit- und die wenig geübten Radfahrer:innen. Sie können wieder erleben, wie viel Freude mit dem Radfahren auf dieser einmalig schönen Strecke verbunden sein kann.

    Bei der Umsetzung des Radentscheid und für die Verbesserung der Rad- und Fußwege müssen wir uns auf die Expertise der Verwaltung verlassen. Uns erscheint es nicht in allen Punkten nachvollziehbar, welcher Baum für den sicheren und besseren Radweg fallen muss. Eine auf 3 m reduzierte Breite auf kurzen Strecken wäre als Kompromiss sicher akzeptabel. Auch wir finden die mit Bäumen durchsetzte Parklandschaft wertvoll und begrüßen die geplanten Ersatzpflanzungen. 

    Bei der laufenden Umwelt-Diskussion sollte man sich aber klarmachen, dass ein sparsames Auto (120g CO2je km) mit einer mittleren Jahresleistung (10.000 km) alleine je nach Berechnung zwischen 50 und 100 große Bäume (12 – 25 kg C02 pro Jahr) zur Kompensation des ausgestoßenen CO2 benötigt. Das soll die Fällung von Bäumen nicht banalisieren, sondern zeigt, welchen großen Effekt die Verlagerung von Autostrecken auf das Fahrrad für unsere Klimabilanz hat. Dafür brauchen wir gute und sichere Radwege.

    Wir wünschen uns in der Diskussion den Blick auf den Nutzen, den eine sehr gute Infrastruktur abseits des Autoverkehrs unserer Stadt bringen wird. Wir können uns nicht alle gleichzeitig mit immer größeren Autos auf dem immer enger werdenden städtischen Raum bewegen. Nur ein großer Radverkehrsanteil in Bonn wird in Zukunft Individualverkehr, Bewegungsfreiheit und Lebensräume für alle ermöglichen. Die Umsetzung des Radentscheids ist in unseren Augen ein wesentlicher Schritt dorthin. 

    Die Ertüchtigung der Rheinradwege ist eine notwendige Anpassung, um das Fahren auf diesen gern genutzten Strecken sicherer zu machen. Nach dem Einspruch aus Köln muss jetzt für die linksrheinische Strecke eine Lösung mit weniger Umweltbeeinträchtigung gefunden werden. Der Disput darum sollte uns aber nicht von dem breiten Konsens über die Notwendigkeit einer neuen Mobilität, der sich in den letzten Kommunalwahlen manifestiert hat, ablenken.