Schlagwort: Oxfordstraße

  • Ulrike klagt für die Stadt als Lebensraum

    Ulrike klagt für die Stadt als Lebensraum

    Als die Nordbrücke am 3. Juni plötzlich komplett gesperrt wird, ist Urike auf dem Weg von Frankfurt zurück nach Bonn. Von einer Freundin erhält sie die Nachricht, dass die Brücke zu ist, und kann sich noch nichts darunter vorstellen. Die Anweisungen ihres Navis entlocken ihr nur ein Kopfschütteln. Sie weicht vom geplanten Weg ab und nimmt die Fähre über den Rhein. Zu Hause ist sie allerdingst erst 2 ½ Stunden später. 

    Diese Zeit reicht, um ihr klarzumachen, dass sie umplanen muss. Als Referentin in der Polizeiausbildung liegt ihr Arbeitsplatz 55 km entfernt im oberbergischen Land. Mit Bus und Bahn kommt sie dort nicht hin. Normalerweise fährt sie mit ihrem Auto von der Wohnung in der Nordstadt über die Nordbrücke und weiter nach Osten. Relativ schnell ist ihr klar, dass das Auto zukünftig nicht mehr vor ihrer Haustüre stehen wird. Es steht seitdem bei einer Bekannten in Villich-Müldorf, wo sie tagsüber ihr E-Bike sicher unterstellen kann. Seitdem fährt sie mit dem Rad über die Oxfordstraße und Kennedybrücke und dann mit dem Auto weiter zur Arbeit.

    In Bonn kann sie fast alles mit dem Rad erledigen, erklärt sie. Aber es wird – nicht erst seit der Brückensperrung – immer schwieriger. Der Verkehr wird mehr, die Autos kontinuierlich größer und Egoismus und Rücksichtlosigkeit nehmen zu. Sie fragt sich, warum man nicht die Chance nutzt und gerade in dieser Situation versucht, die Alternativen zum Auto zu stärken. Stattdessen werden wichtige Radspuren dem Autoverkehr geopfert. Das Primat des Autos hält sie für schädlich für unsere Städte. Hier wollen Menschen leben und sollen Raum haben. Sie verweist auf die Kölnstraße, die in ihrer direkten Nachbarschaft ist, und spricht von einer Zumutung für die Menschen dort. Der Verkehr sei unerträglich geworden und mit dem Rad stehe man hier nur vor zugestellten Schutzstreifen und blockierten Wegen.

    Den Ansatz der Task Force, über mehr Spuren noch mehr Autos durch die Stadt zu schleusen lehnt sie ab. Die Radspuren auf den wichtigen Verbindungen durch die Innenstadt wegzunehmen und bestimmte Strecken komplett für den Radverkehr zu schließen, hält sie für rechtswidrig. Die Umleitung über den Friedensplatz sei völlig unpraktikabel und an vielen Stellen gefährlich. Daher hat Ulrike sich entschieden zu klagen und über den Radentscheid und den ADFC Kontakt zu anderen Klagenden gefunden. Für Ulrike geht die Verkehrspolitik der aktuellen Stadtspitze in die völlig falsche Richtung. Sie gefährde Verkehrsteilnehmer wie sie, die ihre Mobilität umstellen mussten. Überhaupt sollte überlegt werden, wer wirklich in die Stadt hineinfahren muss. Andere Städte bieten so viele gute Beispiele, wie man Auto, Rad und ÖPNV verbinden kann, damit nicht alle mit dem Auto in die Innenstadt fahren. Mit der Klage hofft sie, die autozentrierte Verkehrspolitik zumindest an dieser für sie so wichtigen Stelle ausbremsen zu können. „Unsere Städte sollen Lebensraum bleiben und nicht nur für den Autoverkehr optimiert werden.“ sagt sie am Ende des Gesprächs.

  • Fr. 11.09.26 Demonstration für Radspuren und -wege

    Fr. 11.09.26 Demonstration für Radspuren und -wege

    Gemeinsam mit ADFC, VCD und Fuß e.V. rufen wir zu dieser wichtigen Fahrraddemo auf. Kommt zahlreich, denn nur so werden wir sichtbar machen, wie viele Menschen betroffen sind. Wir starten am Freitag, 11.09.26, um 18:00 Uhr am Hofgarten und wollen mit dem Rad über die Adenauerallee und die Oxfordstraße fahren. Ziel ist der Münsterplatz, wo wir gegen 19:00 Uhr die Abschlusskundgebung planen. Wer nicht mit dem Rad unterwegs ist und uns unterstützen will, kommt gerne um 18:45 Uhr auf den Münsterplatz. Mit dieser Demo wollen wir unserer Forderung nach sicheren Radspuren gerade auf diesen beiden Hauptachsen Nachdruck verleihen.

    Die Oxfordstraße ist eine wichtige Fahrradroute

    Die Oxfordstraße ist eine wichtige Verbindungsstrecke, die nach einer Zählung der Stadt von über 6.000 Radfahrenden am Tag genutzt wird. Den Radverkehr hier durch Autostau und Schwerlastverkehr auszubremsen, ist gefährlich und kontraproduktiv. Fast jeder, der das Rad wieder stehen lässt, wird anschließend mit seinem Auto den Verkehr zusätzlich belasten.

    Mehr Autospuren lösen kein Problem auf der Adenauerallee

    Auf der Adenauerallee weisen die Zahlen der Stadt nach der Brückensperrung eine über 80% Steigerung des Radverkehrs aus. Im gleichen Zeitraum hat der Autoverkehr auf dieser Strecke nur um 5 % zugenommen. Jetzt die Radspuren zu entfernen ist ein reines Politikum. Guido Déus und die CDU haben im Wahlkampf versprochen die Adenauerallee wieder vierspurig für den Autoverkehr zu machen. Mit dem Argument der Verkehrsprobleme durch die Nordbrücke soll das jetzt schnell umgesetzt werden. Eine Notwendigkeit gibt es nicht. Vielmehr ist in unseren Augen klar, dass das Nadelöhr Koblenzer Tor und die viel belastete Kreuzung am Bertha-von-Suttnerplatz den Autoverkehr auf der Adenauerallee limitieren.

    Unsere Forderungen:

    • Die Rad- und Umweltspuren auf der Oxfordstraße müssen wiederhergestellt werden!
    • Hände weg von den Radspuren auf der Adenauerallee! Wir haben die Nase voll von dem politischen Hick-hack ohne verkehrstechnische Evidenz.
    • Konsequenter, zügiger Ausbau sicherer Fahrradwege und -straßen insbesondere auf den Hauptstrecken und Velorouten. Bonn braucht in diesem Verkehrschaos das Fahrrad als schnelle und zuverlässige Alternative.
    • Zügige Verbesserungen beim ÖPNV. Bonn braucht zuverlässige und möglichst wenig staubelastete Busse und Bahnen.
    • Geh- und Radwegen, Kreuzungen und Überwegen müssen gerade bei Stau freigehalten werden! Davon profitieren alle Verkehrsarten.
    • Kein Transitverkehr durch die Bonner und Godesberger Innenstadt! Unsere Stadt muss für uns alle funktionieren und darf durch den Autoverkehr ihren lebenswerten Charakter nicht verlieren.
    • Oberbürgermeister und Ratsfraktionen: Nutzt die veränderten Verkehrsbedingungen, um Mobilität neu zu gestalten! Verkehre können verlagert werden. Die notwendigen Fahrten können reduziert werden.

    Uns geht es nicht um ein einseitiges Wunschkonzert. Wir kämpfen für eine Verkehrslösung, die alle Chancen und Belange im Blick hält, neu bewertet und nicht alten Reflexen folgt. Es gibt weltweit viele gute Beispiele dafür. Rad- Fuß- und öffentlicher Verkehr sind dabei wichtige Teile einer menschenfreundlichen Lösung von der alle profitieren.

  • Warum wir für sichere Radwege in der Innenstadt auch vor Gericht gehen

    Warum wir für sichere Radwege in der Innenstadt auch vor Gericht gehen

    Die Oxfordstraße ist eine zentrale Verbindung im Bonner Radverkehrsnetz. Sie verbindet Beuel mit der Innenstadt, Nordstadt und den westlichen Stadtteilen. Nach aktuellen Zählungen der Stadt nutzen zum Beispiel rund 3.000 Radfahrende sie täglich in Richtung Bertha-von-Suttner-Platz und Kennedybrücke. Eine gleichwertige, sichere Alternativroute gibt es nicht. Wenn die dort geschaffene Radverkehrsinfrastruktur zurückgebaut wird, betrifft das deshalb nicht nur einige Meter Fahrbahn – sondern die Funktionsfähigkeit des Bonner Radverkehrsnetzes.

    Deshalb unterstützen wir die Klage von acht Privatpersonen und dem ADFC für die Beibehaltung der sicheren Fahrradspuren auf der Oxfordstraße und der Adenauerallee. 

    Sichere Radwege dürfen nicht zum Spielball der Verkehrspolitik werden

    Die heutige Verkehrsführung auf der Oxfordstraße wurde erst vor wenigen Jahren geschaffen. 2022 wurde eine Fahrspur für den motorisierten Individualverkehr umgewidmet, um bessere Bedingungen für Radverkehr und ÖPNV zu schaffen. Damit setzte die Stadt ein politisches Ziel um, das auch im Bonner Radentscheid verankert ist: ein sicheres und durchgängiges Radverkehrsnetz.

    Nun soll diese Infrastruktur wegen der Sperrung der Nordbrücke teilweise wieder zurückgebaut werden. Wir halten das für den falschen Weg.

    Natürlich stellt die Sperrung der Nordbrücke eine außergewöhnliche Belastung für den Verkehr dar. Gerade in einer solchen Situation muss aber geprüft werden, welche Maßnahmen tatsächlich helfen und welche neue Probleme schaffen.

    Das Fahrrad ist Teil der Lösung

    Seit der Sperrung der Nordbrücke ist der Radverkehr über die Kennedybrücke deutlich gestiegen. Aber nicht nur dort. Nach zwei Monaten deutet sich an, dass ca. 40% mehr Menschen als zuvor den Rhein auf dem Rad überqueren. Auf der Kennedybrücke ist das Radaufkommen sogar um 60% gestiegen.

    Das zeigt: Viele steigen in dieser Situation auf das Fahrrad um. Jede Fahrt mit dem Fahrrad ersetzt potenziell eine Autofahrt und entlastet damit das Straßennetz. Wer sichere Radwege abbaut, riskiert deshalb, Menschen wieder ins Auto zu bringen – und damit genau den Verkehr zu verstärken, dessen Überlastung aktuell das Problem ist.

    Radverkehr braucht deutlich weniger Verkehrsfläche als der motorisierte Individualverkehr. Gerade bei begrenztem Straßenraum ist es deshalb sinnvoll, möglichst viele sichere und attraktive Alternativen zum Auto anzubieten.

    Auch rechtlich müssen wichtige Fragen geklärt werden

    Die Überprüfung vor Gericht unterstützen wir nicht, weil wir jede Veränderung der Verkehrsführung ablehnen. Wir machen das, weil eine solche grundlegende Verschlechterung des Radverkehrs nicht einfach politisch beschlossen und anschließend ohne ausreichende rechtliche Prüfung umgesetzt werden darf.
    Das Straßenverkehrsrecht stellt die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden vor die Leichtigkeit des Verkehrs. Bei bestimmten Verkehrsmengen gibt es klare Vorgaben zu den erlaubten Verkehrsführungen. Für verkehrliche Beschränkungen und Umleitungen müssen wichtige Abwägungen angestellt werden. 

    Daher stellen sich uns unter anderem folgende Fragen:

    • Ist der Rückbau der sicheren Radfahrstreifen tatsächlich erforderlich, um den Autoverkehr zu bewältigen?
    • Wurde der Radverkehr bei der Abwägung angemessen berücksichtigt?
    • Welche Auswirkungen hat die geplante Verkehrsführung auf die Sicherheit der Radfahrenden?
    • Gibt es eine gleichwertige und sichere Alternative?
    • Ist es verhältnismäßig, eine zentrale Radverkehrsverbindung einzuschränken?

    Besonders problematisch sehen wir die geplante Führung auf Schutzstreifen. Diese bieten nicht den gleichen Schutz wie vom Autoverkehr getrennte Radfahrstreifen. Auf der Oxfordstraße treffen hohe Verkehrsmengen, Busse, Abbiegevorgänge, Schwerlast- und Radverkehr aufeinander. Eine Verschlechterung der Radverkehrsführung schafft Konflikte und Gefahren.

    Mehr Platz für Autos ist nicht automatisch die Lösung

    Die aktuelle Verkehrssituation zeigt außerdem, dass Staus nicht zwangsläufig dadurch gelöst werden, dass dem Autoverkehr mehr Fahrbahn zur Verfügung gestellt wird.

    Bei verschiedenen Verkehrsversuchen hat die Stadt bereits Maßnahmen getestet, die den Autoverkehr an einzelnen Stellen einschränken und gleichzeitig den Verkehrsfluss verbessern. So verlief die testweise Sperrung der Linksabbiegespur von der Oxfordstraße in die Wilhelmstraße nach Angaben der Stadt ohne negative Auswirkungen auf den Verkehr. Auch ein Abbiegeverbot am Dorint-Hotel hat den Rückstau auf der Kennedybrücke reduziert und zugleich die Sicherheit des Radverkehrs verbessert. Viel Optimierung würde auch die Überwachung der Kreuzungen durch die Polizei bringen, damit diese bei Stau freigehalten werden.

    Das zeigt: Gute Verkehrssteuerung kann darin bestehen, Konfliktpunkte zu beseitigen und Verkehrsströme effizienter zu organisieren – statt Rad- und ÖPNV-Infrastruktur zugunsten des Autoverkehrs zurückzubauen.

    Wir brauchen sichere Alternativen – gerade in der Krise

    Wir setzen uns dafür ein, dass Verkehrspolitik auch in schwierigen Situationen langfristig sinnvoll, sicher und rechtlich nachvollziehbar bleibt. Es ist offensichtlich, dass es nie gelingen wird, den Großteil des Autoverkehrs, der die Nordbrücke genutzt hat, über die beiden verbleibenden Brücken und durch die Stadt abzuwickeln. Also müssen Möglichkeit geschaffen werden, andere Verkehrsmittel wie zum Beispiel ÖPNV und Fahrrad zu nutzen. Und es müssen Verkehre vermieden werden. Nicht jede Fahrt ist notwendig, wichtig oder alternativlos.

    Wer Autoverkehr reduzieren will, muss Alternativen stärken. Wer Sicherheit will, darf sichere Radwege nicht durch unsichere Lösungen ersetzen. Und wer ein funktionierendes Verkehrsnetz will, darf seine wichtigsten Radverkehrsverbindungen nicht zerstören. Die Oxfordstraße ist eine solche Verbindung. Wir setzen uns dafür ein, dass sie es bleibt.

  • Bonner Bürgerinnen und Bürger sowie der ADFC klagen für den Erhalt der Fahrradspuren auf Oxfordstraße und Adenauerallee

    Bonner Bürgerinnen und Bürger sowie der ADFC klagen für den Erhalt der Fahrradspuren auf Oxfordstraße und Adenauerallee

    ADFC Bonn/Rhein-Sieg und sechs Privatpersonen klagen für den Erhalt der sicheren Fahrradspuren auf Oxfordstraße und Adenauerallee. Im ersten Schritt wird im Eilverfahren der Stopp der Markierungsarbeiten und die Herausgabe der zugrundeliegenden Anordnungen und Abwägungen gefordert. Kernargument der Klagenden ist die fehlende Sicherheit für Radfahrende bei der geplanten neuen Verkehrsführung. Die Umleitung über die Fußgängerzone und die hochfrequentierte Busroute über den Friedensplatz ist gefährlich und konfliktbehaftet. Die „Fahrradschutzstreifen“ auf Oxfordstraße und Berliner Platz bieten bei dem dortigen Autoverkehrsaufkommen keine Sicherheit für Radfahrende. Den Radverkehr auf einigen Streckenabschnitten komplett zu verbieten und das mit einer Gefährdung zu begründen, die durch die Maßnahmen erst hergestellt wurde, ist rechtlich zweifelhaft. Die Klage wird vom VCD Bonn und dem Radentscheid Bonn unterstützt.

    Bonn, den 06. August 2026 | Mit dem Ziel, den Autoverkehr auf der innenstädtischen Ausweichroute zur gesperrten Nordbrücke zu beschleunigen, hat die Stadt begonnen, Oxfordstraße und Berliner Platz mit gelben Markierungen neu aufzuteilen. Teile der Rad- und Busspuren sollen entfallen und durch sogenannte Fahrradschutzstreifen (1) oder Umleitungen durch die Fußgängerzone ersetzt werden. Die bisher für Radfahrende sehr sichere, zügig zu befahrende und häufig genutzte Hauptroute wird damit deutlich umständlicher und erheblich gefährlicher. Dagegen regt sich heftiger Widerspruch bei Menschen, für die das Fahrrad ein wichtiges Verkehrsmittel ist oder seit der Sperrung der Nordbrücke geworden ist. 

    Peter Lorscheid, Co-Vorsitzender des ADFC erklärt: „Wir sind von verschiedenen Personen angesprochen worden, ob der ADFC eine Klage unterstützt, und haben uns entschieden, auch selbst als Kläger aufzutreten. Die Oxfordstraße ist extrem wichtig für den Radverkehr und wird von vielen Erwachsenen und Jugendlichen genutzt. Die Sicherheit dieser Verkehrsteilnehmer zu gefährden, um einen zweifelhaften Gewinn für den Autoverkehr zu erreichen, ist für uns inakzeptabel.“ 

    Die klagenden Personen umfassen Menschen, die auf Grund der Brückensperrung jetzt mit einer Kombination aus Auto und Rad pendeln, Familien, die ihre Kinder mit dem Rad zu Kita bringen sowie Menschen, die kein Auto besitzen und auf das Rad angewiesen sind. Sie alle verbindet, dass sie oft die Adenauerallee und Oxfordstraße mit dem Rad befahren und sich zukünftig mit Autos und Schwerlastverkehr eine Fahrspur teilen sollen. Knappe Überholvorgänge und zugestaute Schutzstreifen sind in Zukunft regelmäßig zu erwarten. Die Umleitung über Budapester Straße, Sternstraße, Sterntorbrücke, Friedensplatz und Wilhelmstraße, die die Verwaltung erarbeitet hat, wird zu großen Konflikten führen. Der Großteil der Strecke führt durch die Fußgängerzone und verlangt Schrittgeschwindigkeit. Gleichzeitig fahren bis zu 60 Busse pro Stunde über diese Route, was zu Gefahren an der Haltestelle und in den engen Kurven führen wird. Hinzu kommen viele Fußgänger*innen im Bereich des Friedensplatzes, die die Fahrbahn queren. 

    Dies ist keine sichere und praktikable Alternative zur bisherigen Fahrradspur.

    Nach den verpflichtenden Verwaltungsvorschriften zur Straßenverkehrsordnung geht die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden über die Leichtigkeit des Verkehrs. Diese Grundregel wird mit der neuen Anordnung missachtet. Die Maßnahme, eine sichere Radspur zu entfernen und dann im zweiten Schritt direkt den Radverkehr auf Teilstrecken wegen der Gefährdung zu verbieten, ist zweifelhaft. Daher müssen diese Anordnungen rechtlich überprüft werden. Dies insbesondere auch wegen der Anzahl der Radfahrenden, die die Strecke regelmäßig nutzen. Steffen Schneider, Sprecher des Radentscheids, sagt dazu: „Wir akzeptieren demokratische Entscheidungen und sind bereit Kompromisse mitzutragen. Aber die Innenstadtstrecke hat eine herausragende Bedeutung für die Radfahrenden und ist eine der wichtigen Umsetzungen unseres Bürgerbegehrens gewesen. Die neuen Maßnahmen müssen sich an die bestehenden Gesetze und Regelungen halten und die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigen. Das scheint uns bei diesen Anordnungen nicht ausreichend beachtet zu sein. Daher unterstützt der Radentscheid die Klagenden.“

    Auch der VCD unterstützt die Klage. Insbesondere der teilweise Wegfall der Busspur und die Vermischung von Fuß-, Rad- und Busverkehr auf dem Friedensplatz wird kritisch gesehen. Es ist vorhersehbar, dass sich dadurch für den ÖPNV noch mehr Verspätungen ergeben werden. Rainer Bohnet, Vorsitzender des VCD Bonn/Rhein-Sieg/Ahr, führt aus: „Wir brauchen gute und sichere Mobilitätsmöglichkeiten für alle, auch für Kinder, Jugendliche und Menschen, die nicht Auto fahren können oder wollen. Dazu gehört ein gut funktionierender ÖPNV und sichere Wege für Menschen zu Fuß und auf dem Rad. Das sehen wir durch die Maßnahmen auf den beiden Strecken gefährdet.“

    Trotz Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz und Bitte um Akteneinsicht hat die Verwaltung bis heute die verkehrsrechtliche Anordnung und die getroffenen Abwägungen nicht übermittelt. Daher hat der Rechtsanwalt im Namen der Klagenden zunächst im Eilverfahren Akteneinsicht und aufschiebende Wirkung für die Anordnung beantragt.

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    Anmerkung: (1) Wir halten den Begriff „Fahrradschutzstreifen“ für eine irreführende Bezeichnung. Untersuchungen beweisen, dass er nur bei gewissen Mindestmaßen und Abständen, sowie bei geringen Autoverkehrszahlen ausreichenden Schutz bieten. Bei den Verkehrsstärken auf Oxfordstraße und Adenauerallee und der Nutzung der Strecken durch den Schwerlastverkehr sollten laut der Empfehlungen für Radverkehrsanlagen keine Schutzstreifen markiert werden. Detaillierte Informationen dazu finden sich hier im Forschungsbericht.

  • Mehr Platz fürs Rad auf der Oxfordstraße

    Mehr Platz fürs Rad auf der Oxfordstraße

    Ausgangspunkt für die Umgestaltung war die notwendige Oberflächensanierung auf dieser vielgenutzten innerstädtischen Verbindung. Das nutzten Stadtrat und Verwaltung, um eine Neuverteilung der Fahrbahnen zu planen. Gehwege und Straßenbahngleise blieben unangetastet. 

    Die Neuaufteilung der Fahrspuren ergab sich zum einen aus den Anforderungen der aktuellen Regelwerke. Zum anderen wurde sie durch das politische Ziel der Mobilitätswende und dem beschlossenen Radentscheid mit seinen Anforderungen an bauliche Standards bestimmt. Durch die Wegnahme einer Fahrspur für den motorisierten Individualverkehr ergab sich der Raum, um für Fahrrad und ÖPNV bessere Bedingungen zu schaffen. Die Situation, wie sie bis dahin war, war für Radfahrende schlicht unerträglich. Im Auto- und Busverkehr bei wechselnden Spurbreiten, Ampelstaus und Liefertätigkeiten mitzuschwimmen, war nur etwas für Geübte und Mutige. Jetzt stehen teilweise breite Radfahrspuren und gemeinsame Bus-Fahrradspuren, sogenannte Umweltspuren, zur Verfügung. 

    Neue Fahrradspur Bonn Am alten Friedhof

    Unsere Forderung nach durchgängigen, vom motorisierten Verkehr getrennten, Radwegen ließ sich leider nicht überall umsetzen. Aber es ist klar: Diese Umwidmung hat für uns eine erhebliche Verbesserung ergeben. Es gibt wohl keine Beschwerden seitens der Radfahrenden. Wer sich für die Führungsformen und deren Einordnung im Detail informieren will, kann gerne den Blogartikel von Martin Ueding dazu lesen. Martin ist mit uns aktiv beim Radentscheid.

    Die Oxfordstraße zeigt exemplarisch, wie die Stadtverwaltung aktuell mit dem Radentscheid umgeht. Durch den Beschluss ist klar, dass Radfahren in der Stadt einfacher und sicherer werden soll. Daher wird überall dort, wo Straßen oder Kanäle saniert werden müssen, wenn möglich neue Radinfrastruktur geplant. Aber wie steht es um eine Durchgängigkeit? Was nutzen 600 m gute Radwege, wenn es davor und dahinter nicht sinnvoll weitergeht? Gerade bei der Oxfordstraße muss man sich diese Frage wirklich stellen.

    Der Blick auf den Stadtplan macht klar, dass für eine Ost-West-Verbindung durch die Innenstadt diese nach dem 2. Weltkrieg geschaffene Schneise fast alternativlos ist. Es braucht eine Verbindung von Beuel über den Rhein, den Suttnerplatz und die Oxfordstraße in Richtung Endenicher Straße und in die westlichen Stadtteile. Daher kann man die Oxfordstraße nicht bewerten ohne den Bertha-von-Suttner-Platz und die Rampe zur Kennedybrücke. Gerade der Suttnerplatz ist dabei für viele Radfahrende ein Angstraum. Die Radspur in Mittellage zwischen Bussen, die von rechts nach links und Autoverkehr, der von links nach rechts über die Radspur wechseln muss, ist bei der Fahrt in Richtung Rhein eine echte Herausforderung und hält viele Radfahrende von der Nutzung dieses Bereichs ab. Diese Radverkehrsführung ist fern jeglicher Radentscheid-Standards. Die Alternative über die Friedrichstraße ist in Wirklichkeit keine, da es dort zu Konflikten mit dem Fußverkehr kommt und keine Durchgängigkeit gegeben ist.

    Gefährliche Situation auf der Radspur am Bertha-von-Suttner-Platz in Bonn

    In Richtung Westen sieht es kaum besser aus: Lediglich ein Schutzstreifen, der effektiv keinen Schutz bietet, steht zur Verfügung. Rechts parken Taxis ein und aus, Busse wechseln auf die Haltestelle und viele Autofahrenden biegen über den freien Rechtsabbieger in die Kölnstraße ab. Dazwischen ist höchste Konzentration und defensive Fahrweise angesagt. Wenn man will, dass viele Radfahrende die Oxfordstraße nutzen, muss der Bertha-von-Suttner-Platz unbedingt umgestaltet werden. Aus dem Stadthaus hören wir, dass die Planung dafür läuft. Dabei ist auch hier die Reduktion der Fahrspuren für den Autoverkehr im Gespräch. Man merkt, dass die Mobiltätswende und der Radentscheid in der Verwaltung angekommen sind. Wir sind gespannt auf neue Pläne im Jahr 2023.

    Am anderen Ende der Oxfordstraße gibt es zwei wichtige Anbindungen. Zum einen wird die Bornheimer Straße verkehrsberuhigt umgebaut und könnte so zu einer guten Verbindung zur erneuerten Viktoriabrücke werden. Viel wichtiger erscheint uns aber eine direkte Verbindung Richtung Musikerviertel und Endenich durch eine verbreiterte Viktoria-Bahnunterführung zwischen Am alten Friedhof und Endenicher Straße. Auch hier soll 2023 der Umbau beginnen. Allerdings sprechen wir nicht von einer breiten, freundlichen Unterführung, wie man sie aus den Niederlanden oder den skandinavischen Ländern kennt. Solche Unterführungen könnte man angstfrei durchfahren. Hier ist, da ein kompletter Neubau ungleich aufwändiger und langfristiger wäre, leider nur eine Verdopplung des bisher viel zu schmalen Durchgangs vorgesehen. (Die Pläne sind hier einzusehen)

    Planung Viktoria-Bahnunterführung Bonn

    Zudem ist die geplante Anbindung der Unterführung, insbesondere Richtung Oxfordstraße, bei dem Kreisel Am alten Friedhof aus Sicht des Radverkehrs unakzeptabel. Hier soll man über acht Fahrbahn-Querungen um den Kreisel fahren, um zur Radspur Richtung Stadthaus zu kommen. Es wäre wünschenswert, wenn man das nochmal überdenken könnte. In Richtung Westen sind bei der Ausfahrt 90°- und 180°-Biegungen zu bewältigen, was eine leichte und flüssige Durchfahrung behindert und mit Anhängern und Lastenrädern zu Problemen führt. Insgesamt steht für den Rad- und Fußverkehr hier zu wenig Platz zur Verfügung, was absehbar zu Konflikten führen wird. Das was hier gebaut wird, würde man sich gemäß der Idee, den Fahrradverkehr entscheidend zu fördern, leider völlig anders wünschen. Bisher wurde nur die Vorplanung beschlossen. In der noch zu erstellende Ausführungsplanung könnten die oben genannten Aspekte nochmal überprüft und ggf. verbessert werden.

    Schaut man sich die Route im weiteren Verlauf an, bleiben weitere Fragezeichen. Wie könnte hier eine durchgängige Ost-West-Verbindung entstehen, die von vielen genutzt wird, weil sie sicher und einfach ist? Leider ist auch nach fast zwei Jahren Umsetzungszeit des Radentscheids noch nichts Substanzielles beschlossen: Es fehlt ein klarer, von den politischen Instanzen beschlossener Plan der Hauptrouten durch die Stadt. Darauf zielt die erste Forderung des Radentscheids. Ziel ist ein durchgängiges Routennetz, das alle Stadtteile miteinander verbindet. Wir werden nicht müde, die Routenplanung in den Treffen mit der Stadt wieder und wieder einzufordern.

    Neue Fahrradspur Oxfordstraße Bonn

    Unser Fazit zur Oxfordstraße hat also zwei Seiten: Auf der einen Seite ist es in unseren Augen definitiv ein großer Schritt, an dieser Problemstelle dem Radverkehr eine solche Verbesserung zu geben. Auf der anderen Seite können wir angesichts der Größe der Aufgabe und der begrenzten Zeit, die für die Umsetzung des Radentscheids zur Verfügung steht (nur fünf Jahre), mit dem Fortschritt nicht zufrieden sein. Es braucht dringend beschlossene Hauptrouten, einen Handlungsplan für deren Umsetzung und eine zügige Komplettierung dieser wichtigen Ost-West-Verbindung mit einem durchgängig hohen Qualitätsstandard der Radführung. Da das Fahrradteam im Stadtplanungsamt in diesem Jahr deutlich gewachsen ist und engagiert an der Radverkehrsförderung arbeitet, haben wir Hoffnung, dass es gelingen kann. Wir bleiben dran.

    geschrieben von Steffen