Schlagwort: Radwege

  • Ulrike klagt für die Stadt als Lebensraum

    Ulrike klagt für die Stadt als Lebensraum

    Als die Nordbrücke am 3. Juni plötzlich komplett gesperrt wird, ist Urike auf dem Weg von Frankfurt zurück nach Bonn. Von einer Freundin erhält sie die Nachricht, dass die Brücke zu ist, und kann sich noch nichts darunter vorstellen. Die Anweisungen ihres Navis entlocken ihr nur ein Kopfschütteln. Sie weicht vom geplanten Weg ab und nimmt die Fähre über den Rhein. Zu Hause ist sie allerdingst erst 2 ½ Stunden später. 

    Diese Zeit reicht, um ihr klarzumachen, dass sie umplanen muss. Als Referentin in der Polizeiausbildung liegt ihr Arbeitsplatz 55 km entfernt im oberbergischen Land. Mit Bus und Bahn kommt sie dort nicht hin. Normalerweise fährt sie mit ihrem Auto von der Wohnung in der Nordstadt über die Nordbrücke und weiter nach Osten. Relativ schnell ist ihr klar, dass das Auto zukünftig nicht mehr vor ihrer Haustüre stehen wird. Es steht seitdem bei einer Bekannten in Villich-Müldorf, wo sie tagsüber ihr E-Bike sicher unterstellen kann. Seitdem fährt sie mit dem Rad über die Oxfordstraße und Kennedybrücke und dann mit dem Auto weiter zur Arbeit.

    In Bonn kann sie fast alles mit dem Rad erledigen, erklärt sie. Aber es wird – nicht erst seit der Brückensperrung – immer schwieriger. Der Verkehr wird mehr, die Autos kontinuierlich größer und Egoismus und Rücksichtlosigkeit nehmen zu. Sie fragt sich, warum man nicht die Chance nutzt und gerade in dieser Situation versucht, die Alternativen zum Auto zu stärken. Stattdessen werden wichtige Radspuren dem Autoverkehr geopfert. Das Primat des Autos hält sie für schädlich für unsere Städte. Hier wollen Menschen leben und sollen Raum haben. Sie verweist auf die Kölnstraße, die in ihrer direkten Nachbarschaft ist, und spricht von einer Zumutung für die Menschen dort. Der Verkehr sei unerträglich geworden und mit dem Rad stehe man hier nur vor zugestellten Schutzstreifen und blockierten Wegen.

    Den Ansatz der Task Force, über mehr Spuren noch mehr Autos durch die Stadt zu schleusen lehnt sie ab. Die Radspuren auf den wichtigen Verbindungen durch die Innenstadt wegzunehmen und bestimmte Strecken komplett für den Radverkehr zu schließen, hält sie für rechtswidrig. Die Umleitung über den Friedensplatz sei völlig unpraktikabel und an vielen Stellen gefährlich. Daher hat Ulrike sich entschieden zu klagen und über den Radentscheid und den ADFC Kontakt zu anderen Klagenden gefunden. Für Ulrike geht die Verkehrspolitik der aktuellen Stadtspitze in die völlig falsche Richtung. Sie gefährde Verkehrsteilnehmer wie sie, die ihre Mobilität umstellen mussten. Überhaupt sollte überlegt werden, wer wirklich in die Stadt hineinfahren muss. Andere Städte bieten so viele gute Beispiele, wie man Auto, Rad und ÖPNV verbinden kann, damit nicht alle mit dem Auto in die Innenstadt fahren. Mit der Klage hofft sie, die autozentrierte Verkehrspolitik zumindest an dieser für sie so wichtigen Stelle ausbremsen zu können. „Unsere Städte sollen Lebensraum bleiben und nicht nur für den Autoverkehr optimiert werden.“ sagt sie am Ende des Gesprächs.

  • Fr. 11.09.26 Demonstration für Radspuren und -wege

    Fr. 11.09.26 Demonstration für Radspuren und -wege

    Gemeinsam mit ADFC, VCD und Fuß e.V. rufen wir zu dieser wichtigen Fahrraddemo auf. Kommt zahlreich, denn nur so werden wir sichtbar machen, wie viele Menschen betroffen sind. Wir starten am Freitag, 11.09.26, um 18:00 Uhr am Hofgarten und wollen mit dem Rad über die Adenauerallee und die Oxfordstraße fahren. Ziel ist der Münsterplatz, wo wir gegen 19:00 Uhr die Abschlusskundgebung planen. Wer nicht mit dem Rad unterwegs ist und uns unterstützen will, kommt gerne um 18:45 Uhr auf den Münsterplatz. Mit dieser Demo wollen wir unserer Forderung nach sicheren Radspuren gerade auf diesen beiden Hauptachsen Nachdruck verleihen.

    Die Oxfordstraße ist eine wichtige Fahrradroute

    Die Oxfordstraße ist eine wichtige Verbindungsstrecke, die nach einer Zählung der Stadt von über 6.000 Radfahrenden am Tag genutzt wird. Den Radverkehr hier durch Autostau und Schwerlastverkehr auszubremsen, ist gefährlich und kontraproduktiv. Fast jeder, der das Rad wieder stehen lässt, wird anschließend mit seinem Auto den Verkehr zusätzlich belasten.

    Mehr Autospuren lösen kein Problem auf der Adenauerallee

    Auf der Adenauerallee weisen die Zahlen der Stadt nach der Brückensperrung eine über 80% Steigerung des Radverkehrs aus. Im gleichen Zeitraum hat der Autoverkehr auf dieser Strecke nur um 5 % zugenommen. Jetzt die Radspuren zu entfernen ist ein reines Politikum. Guido Déus und die CDU haben im Wahlkampf versprochen die Adenauerallee wieder vierspurig für den Autoverkehr zu machen. Mit dem Argument der Verkehrsprobleme durch die Nordbrücke soll das jetzt schnell umgesetzt werden. Eine Notwendigkeit gibt es nicht. Vielmehr ist in unseren Augen klar, dass das Nadelöhr Koblenzer Tor und die viel belastete Kreuzung am Bertha-von-Suttnerplatz den Autoverkehr auf der Adenauerallee limitieren.

    Unsere Forderungen:

    • Die Rad- und Umweltspuren auf der Oxfordstraße müssen wiederhergestellt werden!
    • Hände weg von den Radspuren auf der Adenauerallee! Wir haben die Nase voll von dem politischen Hick-hack ohne verkehrstechnische Evidenz.
    • Konsequenter, zügiger Ausbau sicherer Fahrradwege und -straßen insbesondere auf den Hauptstrecken und Velorouten. Bonn braucht in diesem Verkehrschaos das Fahrrad als schnelle und zuverlässige Alternative.
    • Zügige Verbesserungen beim ÖPNV. Bonn braucht zuverlässige und möglichst wenig staubelastete Busse und Bahnen.
    • Geh- und Radwegen, Kreuzungen und Überwegen müssen gerade bei Stau freigehalten werden! Davon profitieren alle Verkehrsarten.
    • Kein Transitverkehr durch die Bonner und Godesberger Innenstadt! Unsere Stadt muss für uns alle funktionieren und darf durch den Autoverkehr ihren lebenswerten Charakter nicht verlieren.
    • Oberbürgermeister und Ratsfraktionen: Nutzt die veränderten Verkehrsbedingungen, um Mobilität neu zu gestalten! Verkehre können verlagert werden. Die notwendigen Fahrten können reduziert werden.

    Uns geht es nicht um ein einseitiges Wunschkonzert. Wir kämpfen für eine Verkehrslösung, die alle Chancen und Belange im Blick hält, neu bewertet und nicht alten Reflexen folgt. Es gibt weltweit viele gute Beispiele dafür. Rad- Fuß- und öffentlicher Verkehr sind dabei wichtige Teile einer menschenfreundlichen Lösung von der alle profitieren.

  • Warum wir für sichere Radwege in der Innenstadt auch vor Gericht gehen

    Warum wir für sichere Radwege in der Innenstadt auch vor Gericht gehen

    Die Oxfordstraße ist eine zentrale Verbindung im Bonner Radverkehrsnetz. Sie verbindet Beuel mit der Innenstadt, Nordstadt und den westlichen Stadtteilen. Nach aktuellen Zählungen der Stadt nutzen zum Beispiel rund 3.000 Radfahrende sie täglich in Richtung Bertha-von-Suttner-Platz und Kennedybrücke. Eine gleichwertige, sichere Alternativroute gibt es nicht. Wenn die dort geschaffene Radverkehrsinfrastruktur zurückgebaut wird, betrifft das deshalb nicht nur einige Meter Fahrbahn – sondern die Funktionsfähigkeit des Bonner Radverkehrsnetzes.

    Deshalb unterstützen wir die Klage von acht Privatpersonen und dem ADFC für die Beibehaltung der sicheren Fahrradspuren auf der Oxfordstraße und der Adenauerallee. 

    Sichere Radwege dürfen nicht zum Spielball der Verkehrspolitik werden

    Die heutige Verkehrsführung auf der Oxfordstraße wurde erst vor wenigen Jahren geschaffen. 2022 wurde eine Fahrspur für den motorisierten Individualverkehr umgewidmet, um bessere Bedingungen für Radverkehr und ÖPNV zu schaffen. Damit setzte die Stadt ein politisches Ziel um, das auch im Bonner Radentscheid verankert ist: ein sicheres und durchgängiges Radverkehrsnetz.

    Nun soll diese Infrastruktur wegen der Sperrung der Nordbrücke teilweise wieder zurückgebaut werden. Wir halten das für den falschen Weg.

    Natürlich stellt die Sperrung der Nordbrücke eine außergewöhnliche Belastung für den Verkehr dar. Gerade in einer solchen Situation muss aber geprüft werden, welche Maßnahmen tatsächlich helfen und welche neue Probleme schaffen.

    Das Fahrrad ist Teil der Lösung

    Seit der Sperrung der Nordbrücke ist der Radverkehr über die Kennedybrücke deutlich gestiegen. Aber nicht nur dort. Nach zwei Monaten deutet sich an, dass ca. 40% mehr Menschen als zuvor den Rhein auf dem Rad überqueren. Auf der Kennedybrücke ist das Radaufkommen sogar um 60% gestiegen.

    Das zeigt: Viele steigen in dieser Situation auf das Fahrrad um. Jede Fahrt mit dem Fahrrad ersetzt potenziell eine Autofahrt und entlastet damit das Straßennetz. Wer sichere Radwege abbaut, riskiert deshalb, Menschen wieder ins Auto zu bringen – und damit genau den Verkehr zu verstärken, dessen Überlastung aktuell das Problem ist.

    Radverkehr braucht deutlich weniger Verkehrsfläche als der motorisierte Individualverkehr. Gerade bei begrenztem Straßenraum ist es deshalb sinnvoll, möglichst viele sichere und attraktive Alternativen zum Auto anzubieten.

    Auch rechtlich müssen wichtige Fragen geklärt werden

    Die Überprüfung vor Gericht unterstützen wir nicht, weil wir jede Veränderung der Verkehrsführung ablehnen. Wir machen das, weil eine solche grundlegende Verschlechterung des Radverkehrs nicht einfach politisch beschlossen und anschließend ohne ausreichende rechtliche Prüfung umgesetzt werden darf.
    Das Straßenverkehrsrecht stellt die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden vor die Leichtigkeit des Verkehrs. Bei bestimmten Verkehrsmengen gibt es klare Vorgaben zu den erlaubten Verkehrsführungen. Für verkehrliche Beschränkungen und Umleitungen müssen wichtige Abwägungen angestellt werden. 

    Daher stellen sich uns unter anderem folgende Fragen:

    • Ist der Rückbau der sicheren Radfahrstreifen tatsächlich erforderlich, um den Autoverkehr zu bewältigen?
    • Wurde der Radverkehr bei der Abwägung angemessen berücksichtigt?
    • Welche Auswirkungen hat die geplante Verkehrsführung auf die Sicherheit der Radfahrenden?
    • Gibt es eine gleichwertige und sichere Alternative?
    • Ist es verhältnismäßig, eine zentrale Radverkehrsverbindung einzuschränken?

    Besonders problematisch sehen wir die geplante Führung auf Schutzstreifen. Diese bieten nicht den gleichen Schutz wie vom Autoverkehr getrennte Radfahrstreifen. Auf der Oxfordstraße treffen hohe Verkehrsmengen, Busse, Abbiegevorgänge, Schwerlast- und Radverkehr aufeinander. Eine Verschlechterung der Radverkehrsführung schafft Konflikte und Gefahren.

    Mehr Platz für Autos ist nicht automatisch die Lösung

    Die aktuelle Verkehrssituation zeigt außerdem, dass Staus nicht zwangsläufig dadurch gelöst werden, dass dem Autoverkehr mehr Fahrbahn zur Verfügung gestellt wird.

    Bei verschiedenen Verkehrsversuchen hat die Stadt bereits Maßnahmen getestet, die den Autoverkehr an einzelnen Stellen einschränken und gleichzeitig den Verkehrsfluss verbessern. So verlief die testweise Sperrung der Linksabbiegespur von der Oxfordstraße in die Wilhelmstraße nach Angaben der Stadt ohne negative Auswirkungen auf den Verkehr. Auch ein Abbiegeverbot am Dorint-Hotel hat den Rückstau auf der Kennedybrücke reduziert und zugleich die Sicherheit des Radverkehrs verbessert. Viel Optimierung würde auch die Überwachung der Kreuzungen durch die Polizei bringen, damit diese bei Stau freigehalten werden.

    Das zeigt: Gute Verkehrssteuerung kann darin bestehen, Konfliktpunkte zu beseitigen und Verkehrsströme effizienter zu organisieren – statt Rad- und ÖPNV-Infrastruktur zugunsten des Autoverkehrs zurückzubauen.

    Wir brauchen sichere Alternativen – gerade in der Krise

    Wir setzen uns dafür ein, dass Verkehrspolitik auch in schwierigen Situationen langfristig sinnvoll, sicher und rechtlich nachvollziehbar bleibt. Es ist offensichtlich, dass es nie gelingen wird, den Großteil des Autoverkehrs, der die Nordbrücke genutzt hat, über die beiden verbleibenden Brücken und durch die Stadt abzuwickeln. Also müssen Möglichkeit geschaffen werden, andere Verkehrsmittel wie zum Beispiel ÖPNV und Fahrrad zu nutzen. Und es müssen Verkehre vermieden werden. Nicht jede Fahrt ist notwendig, wichtig oder alternativlos.

    Wer Autoverkehr reduzieren will, muss Alternativen stärken. Wer Sicherheit will, darf sichere Radwege nicht durch unsichere Lösungen ersetzen. Und wer ein funktionierendes Verkehrsnetz will, darf seine wichtigsten Radverkehrsverbindungen nicht zerstören. Die Oxfordstraße ist eine solche Verbindung. Wir setzen uns dafür ein, dass sie es bleibt.

  • Jetzt braucht es Gelassenheit

    Jetzt braucht es Gelassenheit

    Die Verkehrssituation in Bonn hat sich durch die Brückensperrung grundlegend verändert. Damit ist auch die Mobilität anders geworden. Das Auto steht nicht mehr jederzeit und unkompliziert zur Verfügung. Stattdessen sind plötzlich das Rad und bald hoffentlich auch Bus und Bahn die schnellere und zuverlässigere Alternativen. Und bei dem Wetter tatsächlich auch gar nicht unangenehm.

    Also rauf aufs Rad oder mal wieder zu Fuß von Beuel in die City laufen. Die Fahrradgeschäfte berichten von einem Ansturm von verstaubten Rädern, die jetzt schnell wieder fit gemacht werden sollen, und der Verkauf von Rädern zum Pendeln oder um Lasten zu transportieren steigt deutlich. Seit der Brückensperrung hat sich der Radverkehr in der Stadt sprunghaft gesteigert und an manchen Stellen mehr als verdoppelt. Und plötzlich wird es nicht nur auf den Autospuren eng.

    Die Gefahr, dass sich jetzt Konflikte hochschaukeln und die Nerven blank liegen, ist groß. Zu sehr haben wir in unserem durchgetakteten Alltag vergessen, Zeit für die Wege von A nach B einzukalkulieren. Wenn ich hier fertig bin und gleich dort weitermachen muss, soll das Zwischendrin möglichst schnell gehen. Geht aber gerade nicht. Und dann steigt der Puls. Bei vielen.

    Und da der Mensch nicht entweder Autofahrer, Radfahrer oder Fußgänger ist, kann man die Beobachtung in verschiedenen Situationen an sich selbst machen. Wie nervig ist es für den Autofahrenden in mir, wenn man in der Nebenstraße festhängt, weil die Hauptstraße zugestaut ist. Wie gerne würde man dauerhupen, wenn so ein Depp die Kreuzung blockiert und den Querverkehr unmöglich macht. Und dann die Radfahrenden, die sich überall durchdrängeln und mir das Voranschleichen noch schwerer machen.

    Als Radfahrender weiß ich in der Regel auf die Minute genau, wann ich am Ziel ankommen werde. Pure Routine. Aber plötzlich sind da all die vielen anderen. Und einige davon sind zudem recht unsicher auf dem Rad. Andere finde ich einfach unverschämt, in der Situation noch unbedingt nebeneinander fahren zu müssen. Fußgänger weichen auf den Radweg aus und an den Kreuzungen muss ich sehen, wie ich um die Busse, die im Stau stehen, herumkomme. Und dann die Gruppen auf dem Gravelbike, die meinen, 30 cm Abstand zwischen unseren Lenkern wären genug. Warum sind die alle im Weg?

    Bin ich zu Fuß unterwegs, geht es mir nicht anders. Der Überweg an der Ampel ist zugestellt. Die Abgase nerven. Die Radfahrenden kommen von allen Seiten. Da wird es nichts mit gemütlich bummeln und sich dabei unterhalten. Das macht alles keinen Spaß.

    Die größte Falle ist, wenn ich schon weiß, dass gleich wieder einer von denen kommt und mich auf diese Art ärgern wird. Irgendeiner tut mir immer den Gefallen, bestätigt meine Vorbehalte und treibt mich weiter in die Abwehr. Das wird zum beständigen Kampf auf der Straße.

    Aber nein, ich will das nicht. Durchboxen funktioniert nicht. Es ist, wie es ist. Da hilft nur tiefes Durchatmen. Relax, nimm dir etwas mehr Zeit und mach das Beste aus der Situation. Schau dich um, nach den anderen. Nimm Rücksicht. Wir sind alle in der gleichen Situation. Lächeln hilft. Wenn wir es schaffen, uns gegenseitig wahrzunehmen und einen Gang runterzuschalten wird es einfacher und angenehmer. Ich habe keine Lust, mir meinen Tag vom Verkehr vermiesen zu lassen.

    Und eigentlich haben wir in Bonn doch einige Optionen, die man mal ausprobieren kann. Lasst uns nicht akzeptieren, dass man morgens und nachmittags nicht mehr in die Innenstadt kommt, dass das jetzt alles so für die nächsten 10 Jahre bleibt und dass unsere Stadt nicht wirklich lebenswert ist. Die Situation ist plötzlich so anders, dass wir mal kurz innehalten könnten und überlegen, ob das nicht auch eine Chance für positive Veränderungen ist. Wenn wir durch die neuen Perspektiven neues Verständnis bekommen und uns gemeinsam dafür engagieren, die Probleme zu lösen, dann geht einiges.

    Wahrscheinlich müssen wir zuerst einige Feindbilder und Glaubenssätze ablegen, um die Offenheit zu bekommen. Wir sollten aufhören, zu diskutieren, wer das alles Schuld ist. Lasst uns die Zweifler und Hassenden ausblenden und uns mit denen zusammentun, die bereit sind, positiv zu denken. Und lasst uns aufhören, die Menschen nach ihrem Fahrzeug in Schubladen zu stecken.

    Bonn braucht jetzt die Rücksicht und Toleranz von jedem von uns. Lassen wir die Situation und die Meinungen an den Stammtischen nicht weiter eskalieren und uns auf ein gemeinsames Ziel verständigen: Wir alle wollen hier in Bonn gut leben können. Machen wir was draus.

  • Die Aachener Radvorrangrouten: Vorbild für Bonn?

    Die Aachener Radvorrangrouten: Vorbild für Bonn?

    Ich starte meine Tour am Elisenbrunnen im Herzen der Kaiserstadt. Dort steht, etwas versteckt, eine große Schautafel, die zeigt, wo ich von hier aus hinkomme. Der erste Abschnitt dürfte bei Radsportfans, die noch unter dem Eindruck der Pflastersteinklassiker stehen, zwar für Begeisterung sorgen, für Alltagspendler*innen ist dieser Untergrund aber wohl eher ungeeignet. Nachdem einige dicht aufeinanderfolgende, wenn auch beschädigte, Piktogramme bei mir für eine gewisse Begeisterung sorgen, folgt die erste Enttäuschung: Schon am zweiten Abzweig deutet nichts darauf hin, dass hier nach rechts abgebogen werden muss. Das direkt danebenliegende Parkhaus ist hingegen super beschildert.

    Während meines zehnminütigen Aufenthalts an der Kreuzung sehe ich aber, dass die Aachener*innen die Route zu kennen scheinen: Fast alle fahren den vorgesehenen Weg, auch wenn er nicht „erkennbar“ ist. Durch einige Seitenstraßen und an kleineren Baustellen vorbei erreiche ich die Lothringerstraße, die wohl als ein Aushängeschild der Radvorrangroute zu betrachten ist: in voller Breite rot gefärbt (Erinnerung: in Bonn scheint schon ein durchgängiger Begleitstrich zu viel zu sein) lädt sie zu angenehmen Radeln ein, auch wenn Autos nach wie vor parken und fahren können. Der Komfort hängt also auch davon ab, wie diese sich hier verhalten. Die Überquerung des zweiten Ringes ist ebenfalls super gestaltet: Durch eine weitere Schautafel und einen getrennten Aufsteller fühle ich mich als Radler sicher und wie ein gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer. Im Frankenberger Viertel fahre ich durch eine „Fahrradzone“. Auch hier komme ich entspannt voran, könnte mir aber vorstellen, dass das zu Stoßzeiten auch anders sein kann: Nichts hindert Autos daran, diese Straße ebenfalls zu befahren. Die nächste Kreuzung ist dann wieder eine ziemliche Enttäuschung: Ohne irgendeine Form von Markierung oder Wegweisung fahre ich einmal quer über die große Asphaltfläche, und nur die Komoot-Route, auf der ich mich immer wieder vergewissern muss, noch richtig zu sein, verrät mir, wo es weitergeht.

    Die Bismarckstraße ist ein weiteres Aushängeschild, das aber leider noch nicht fertig ist: der mittlere Abschnitt ist seit Monaten, wenn nicht Jahren, eine Baustelle. Wenn diese fertig ist, soll sie auf voller Länge zur Fahrradstraße werden. Am Frankenberger Park mache ich eine nette Zufallsbegegnung: Ein Mitarbeiter einer Fachfirma für Rad- und Wanderroutenwartung erklärt mir, dass die Stadt Aachen ihn beauftragt hat, Radverkehrsschilder zu reinigen bzw. den Zustand zu prüfen. Natürlich unkompliziert per Lastenrad, das sich im städtischen Raum als echter Effizienzbooster erwiesen hat, wie mir berichtet wird.

    Ab hier wird es erstmal wieder etwas ernüchternd: Die Baustellenumleitung für den Radverkehr ist mangelhaft beschildert, Wegweiser und Piktogramme fehlen weiterhin, und auch ansonsten gibt es noch keinerlei Radfahrstreifen oder dergleichen. Immerhin: Am Ende der Bismarckstraße entdecke ich die ersten Bodenpiktogramme seit den 2-3 am Start der Route einige Kilometer zuvor. Welcher Pfeil zu welcher Route weist, muss hier allerdings auch erraten werden. Über weitere „unechte“ Fahrradstraßen und -zonen, die teils durch Kraftverkehr verstopft sind, erreiche ich schließlich den Bahnhof Rothe Erde, an dem der Radverkehr dann leider gemeinsam mit dem Fußverkehr an der vierspurigen Trierer Straße entlanggeführt wird. Ein Apell an gegenseitige Rücksichtnahme ist zwar immer nett, wird aber kaum verhindern können, dass es hier in der Rush Hour zu Konflikten kommt.

    Vom Bahnhof Rothe Erde aus führt die Route über die Trasse der ehemaligen Vennbahn, die schon in den Nullerjahren zu einem interregionalen Radweg umgebaut wurde. Das letzte Teilstück zum Bahnhof Eilendorf befahre ich nicht mehr, weiss aber, dass hier hauptsächlich mit Fahrradstraßen gearbeitet wird. Erfreulicherweise stellen Modalfilter sicher, dass diese Straßen tatsächlich vor allem als Radrouten genutzt werden, statt, wie sonst üblicher, eher Autostraßen mit zusätzlicher Beschilderung zu sein.

    Mein abschließendes Fazit: Gute Ansätze, aber noch keine wirklich gute Umsetzung. Viele Teilabschnitte sind bereits wesentlich sicherer und komfortabler zu befahren, als das vor rund acht Jahren, als ich viel mit dem Rad in Aachen unterwegs war, der Fall gewesen ist. Die Nutzbarkeit ist allerdings noch alles andere als intuitiv. Es muss klar sein, dass Radler*innen die Route finden sollten, ohne auf zusätzliche Informationen zurückgreifen zu müssen. Bei der Route nach Eilendorf ist das schon nach dem ersten Abzweig nicht mehr gegeben. Ein Paar zusätzliche Piktogramme wären sicherlich ohne viel Aufwand möglich. Auch die Markierungen über große Kreuzungen sollten verbessert werden. Insgesamt ist die getestete Route aber schon jetzt die beste Option, mit dem Rad vom Elisenbrunnen nach Rothe Erde und weiter in die Vororte Eilendorf und Brand zu gelangen und wird offensichtlich entsprechend genutzt. Der Ansatz stimmt also!

    Aus Bonner Sicht ist es sicherlich sinnvoll, das Projekt in Aachen im Auge zu behalten, da es in Puncto Funktion, (geplanter) Umsetzung und auch Herausforderungen sehr große Parallelen zwischen den Aachener Radvorrangrouten und den Bonner Velorouten gibt.

  • Zehn Velorouten für Bonn

    Zehn Velorouten für Bonn

    Komfortabel nutzbar

    Das Verkehrsmittel wählen wir meistens nach Bequemlichkeit aus. Was bringt uns am zuverlässigsten und sichersten rechtzeitig zum Ziel? Was nervt am wenigsten und macht vielleicht auch Spaß? Auf diese Fragen antworten immer mehr Menschen mit dem Wort „Fahrrad“. So hat der Radverkehr in den letzten Jahren sowohl bei der Anzahl der Strecken, auf denen das Rad genutzt wird, also auch bei den Entfernungen deutlich zugenommen.

    Jetzt muss die Infrastruktur nachziehen. Wir brauchen durchgängige Radwege, die Sicherheit, ausreichende Breite, Vorrang vor anderen Verkehrsteilnehmern, wenige Stopps und leichte Orientierung bieten. Auf solchen Velorouten kann man entspannt fahren und kommt sicher ans Ziel.

    Critical Mass auf der Ringstrasse Bonn

    Besser verständlich

    Die Fahrrad-Strategie der Stadtverwaltung in den letzten Jahren war geprägt von der Umsetzung des Fahrradstraßenkonzeptes. Die vermeintlich einfache Umwandlung von Nebenstraßen in Fahrradstraßen, die nicht durch baulichen Maßnahmen sondern durch Markierungen entstehen, führte zu großem Widerstand. Neben dem Wegfall von Parkständen war es das Gefühl, dass plötzlich überall in der Stadt nur noch für Radfahrende geplant wird, was sich in wütenden Einsprüchen, politischen Problemen und vereinzelten Klagen niederschlug. Für die Radfahrenden war das wenig hilfreich, denn die Umsetzung wurde auf halber Strecke gestoppt. So gibt es jetzt Streckenabschnitte mit Verbesserungen, die aber oftmals nicht verbunden sind und in den ungesicherten Mischverkehr münden.

    Wir glauben, dass mit der prioritären Umsetzung der von uns vorgeschlagenen Velorouten ein größeres Verständnis und mehr Unterstützung für das Projekt entstehen wird. Viele Bonnerinnen und Bonner wünschen sich ein besseres und sichereres Radwegenetz.

    Velorouten erfahren

    Als erstes gilt es, die zehn Velorouten zu beschließen. Es handelt sich dabei um eine Streckenauswahl aus den Haupt- und Pendlerrouten des 2023 beschlossenen Radnetzes. Wir haben sie nach Schulwegen, Pendlerstrecken und Netzbedeutung ausgewählt. Als erste Zwischenetappe auf dem Weg zum Gesamtnetz scheinen uns diese Routen geeignet.

    Wir schlagen vor, diese Routen durchgehend zu kennzeichnen und anschließend in großen, zusammenhängenden Teilstücken die Fahrradwege, Fahrradspuren und Fahrradstraßen zu ertüchtigen bzw. zu erstellen. Dabei sollte überall, wo es möglich ist, der mit dem Radentscheid beschlossene Standard realisiert werden. Er definiert Mindestbreiten, Fahrbahntrennungen, sichere Einmündungen und Kreuzungen sowie Fahrradstellplätze.

    Wir verstehen die Velorouten als Fahrrad-Vorrangrouten. Dazu gehört der Vorrang an den Kreuzungen, wo immer es möglich ist. Auch sollten Hindernisse wie Umlaufsperren auf diesen Routen beseitigt werden. Je besser das Erlebnis auf den Velorouten ist, je leichter man hier ans Ziel kommt, desto mehr Radfahrende werden die Strecken nutzen und damit hoffentlich häufiger das Auto stehenlassen.

    unnötige Umlaufsperre am Forstweg

    Umbauchancen nutzen

    In unserer Stadt wird ständig gebaut: Kanalsanierungen, Straßendeckenerneuerungen, Ausbau der Fernwärmenetze u. v. m. ist das kontinuierliche Geschäft der Verwaltung. Wenn dabei Strecken erneuert werden, die auf den Haupt- und Pendlerrouten des beschlossenen Radwegenetz liegen, dann muss auch dort – unabhängig von den Velorouten – der Radverkehr mitgeplant werden. Das Gesamtnetz bleibt das langfristige Ziel. Die Adenauerallee ist dafür ein gutes Beispiel. Sie liegt zwar nicht auf einer der Velorouten, trotzdem gehört sie zum beschlossenen Radwegenetz. Die Straße zu erneuern und dabei die Belange des Radverkehrs nicht bestmöglich zu berücksichtigen, wäre ein Fehler. Ist die Straße einmal fertig, wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten kein weiterer Umbau kommen.

    Radspur auf der Oxfordstraße in Bonn

    Politik unterstützt die Velorouten

    Im Kooperationsvertrag von CDU, SPD und FDP werden unsere Velorouten explizit als politisches Ziel genannt. Auch die Oppositionsparteien DIE GRÜNEN, DIE LINKE und VOLT stehen dem Radverkehr positiv gegenüber. Es scheint einen parteiübergreifenden Konsens zu geben, diese Routen anzugehen. Was noch fehlt, sind die Strukturen innerhalb der Verwaltung, damit die Routen auch in absehbarer Zeit entstehen. Aus unserer Sicht müssen die vielen Projekte, die aktuell in der Verwaltung liegen, priorisiert und aussortiert werden, um Ressourcen für die Velorouten freizubekommen. Dazu braucht es eine ämterübergreifende Projektsteuerung und das Verständnis aller beteiligten Ämter bis zur Straßenverkehrsbehörde und der Polizei, dass auf den Velorouten der Radverkehr – wann immer möglich – priorisiert wird. Nur so kann Durchgängigkeit, die dann auch weitgehend bevorrechtigte Kreuzungen und keine Umlaufsperren oder Hindernisse beinhaltet, erreicht werden.

  • Die 10 Velorouten nehmen Fahrt auf

    Die 10 Velorouten nehmen Fahrt auf

    Im April letzten Jahres haben der ADFC Bonn/Rhein-Sieg und wir – der Radentscheid Bonn – unsere Idee der 10 Velorouten für Bonn vorgestellt. Unser Ziel: Durch eine Priorisierung und Fokussierung auf 10 wichtige Fahrradrouten im Bonner Stadtgebiet Geschwindigkeit in die aktive Planung und Umsetzung durchgängiger und sicherer Radinfrastruktur zu bekommen.

    Diese Idee ist im vergangenen Kommunalwahlkampf von gleich mehreren Parteien aufgegriffen worden und fand sich somit in mehreren Wahlprogrammen wieder. Nach der Kommunalwahl bildet sich nun im Stadtrat eine Minderheitskooperation zwischen CDU, SPD und FDP heraus. Diese Parteien haben ein Kooperationspapier veröffentlicht und auch in diesem taucht unsere Idee der 10 Velorouten auf:

    „Die zehn vom ADFC entwickelten und grundsätzlich beschlossenen Velorouten werden sukzessive und konsequent durchgeplant und umgesetzt.“

    (Zitat aus dem Kooperationspapier zw. CDU, SPD und FDP)

    Wir freuen uns, dass unsere Idee so viel Anklang findet!

    Informationsveranstaltung für Politik und Stakeholder

    Um der Kommunalpolitik und anderen Stakeholdern weitere Details zur Idee der 10 Velorouten zu geben, haben der ADFC und wir vergangenen Dienstag (27.01.2026) eine Informationsveranstaltung angeboten. In einer ca. 25-minütigen Präsentation wurde zum Einen die Motivation der 10 Velorouten dargelegt. Zum Anderen wurden konkrete Routenabschnitte aufgezeigt, an denen man mit der Planung loslegen könnte und die teils recht einfach zu besserer Radinfrastruktur umbaubar sind.

    Wir freuen uns, dass wir Vertreter mehrerer Parteien sowie Interessensvertreter anderer Verbände auf unserer Veranstaltung begrüßen durften und dass ein Austausch zur Idee der 10 Velorouten begonnen hat! Auch die Lokalpresse hat berichtet (Artikel und Kommentar), was uns ebenfalls sehr freut.

    Erlebbare und kommunizierbare Radinfrastruktur für Bonn

    Auch wenn das vor ca. zwei Jahren von der Politik beschlossene Radnetz nach wie vor unser Zielbild bleibt, glauben wir, dass durch die Fokussierung, die die 10 Velorouten geben, schneller durchgängige und sichere Radwege Realität werden können. Dadurch wird gute Radinfrastruktur für die Bonner Bürger direkt erlebbar. Diese Erlebbarkeit und die einfache Kommunizierbarkeit durch unseren Velorouten-U-Bahn-Plan sind aus unserer Sicht der Schlüssel zu mehr Akzeptanz unter den Bonner Bürgern für Veränderungen in der Verkehrsinfrastruktur, die auch dem Radverkehr Platz geben und dadurch sicheres Radfahren möglich machen.

    Link zu detaillierten Routenverläufen in umap

    Unsere Ankündigung der Idee der 10 Velorouten (April 2025)

    10 Velorouten beim ADFC (April 2025)

    geschrieben von Martin Pelzer

  • Noch ein halbes Jahr mehr ohne Bröltalbahnweg

    Noch ein halbes Jahr mehr ohne Bröltalbahnweg

    Als häufiger Nutzer des Bröltalbahnwegs zwischen Pützchens Chaussee und Rheinufer in Beuel zähle ich fast die Tage, bis die Strecke endlich wieder frei ist. Als ich mir letzt den Stand der Bauarbeiten angesehen habe, kam Optimismus auf. Die anvisierte Wiedereröffnung Anfang nächsten Jahres schien mir realistisch zu sein. Die breite Untertunnelung der neuen Bahntrasse für die S 13 sieht gut aus und scheinbar fehlen nur Straßenbelag und Böschung.

    Aber leider musste ich von der Verwaltung erfahren, dass sich die Wiedereröffnung verzögert. Die Unterführung wird nochmal zugeschüttet. Bitte was? Durch die Bauarbeiten an Gleisen und Brücken steht für ein Haus im Siebenmorgenweg kein Rettungsweg für die Feuerwehr zur Verfügung. Dieser kann nur hergestellt werden, wenn man dafür einen Teil des Bröltalbahnwegs zuschüttet. Nach einigen Monaten wird der Weg wieder freigebaggert und fertiggestellt. Die Eröffnung verschiebt sich in den nächsten Sommer.

    Bahnunterführung Bröltalbahnweg Bonn

    Also bleibt weiterhin nur die nervige und gefährliche Umleitung durch die Unterführung am Beueler Bahnhof. Dass Bahn und Stadtverwaltung dort kein Glanzstück produziert haben, weiß jeder, der die Strecke nutzt. Vom Rhein kommend endet der Radweg an der Ecke Gustav-Kessler-Straße / Friedrich-Breuer-Straße. Hier soll man über zwei Ampel fahren und dann weiter auf dem schmalen Gehweg auf der linken Seite. Radfahrende und Menschen zu Fuß kommen auf dem Weg kaum aneinander vorbei. Die rechte Seite ist für Radfahrende und Fußgänger*innen wegen einer privaten Baustelle gesperrt. Entsprechend viel Verkehr ist auf dem linken Gehweg. Dann die enge Tunneldurchfahrt und anschließend steht man auf einer verkehrsreichen Kreuzung ohne Aufstellflächen. Für die Bauarbeiten fahren hier oft LKW auf das Bahnhofsgelände. Sobald mehr als zwei Radfahrende auf Grün warten, steht man in der Baustelleneinfahrt.

    Die weiter ausgeschilderte Umleitung durch die Marquartstraße ist völlig untauglich – zu eng, zu viele Verkehre (Auto-, Rad- und Fuß-) auf einer Fläche und mit gefährlichen Kreuzungen. Also fahren die meisten Radfahrende durch die Siegburger Straße. Auch hier ist es nicht übertrieben, das als sehr gefährlich zu bezeichnen. Richtung Pützchen ist der Radschutzstreifen oft zugeparkt, an der Bushaltestelle ist er kaum befahrbar und durch die Verengungen kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Richtung Beuel ist es nicht besser. Der Schutzstreifen verschwenkt nach rechts, um dann dort wieder nach links in die Fahrspur zu schwenken, wo es eng wird. Völlig unverantwortlich finde ich die Aufstellfläche vor der Ampel an der Königswinterer Straße. Folgt man dem „Schutzstreifen“, so steht man auf der mittleren Spur ganz am rechten Rand. Die Ampelschaltung gibt den Rechtsabbiegenden zuerst grün. Hier fahren Busse und LKW, die für das Rechtsabbiegen regelmäßig nach links ausholen müssen. Der Abstand zwischen den wartenden Radfahrenden und dem rechts abbiegenden Bus ist furchteinflößend.

    Leider ist das wieder ein Beispiel für eine sehr schlechte Umleitung für Radfahrende. Ich war selbst dabei, als wir mit der Stadt mögliche Umleitungen besprochen haben. Damals wurde aber nicht gesagt, dass die kaum genutzte Marquartstraße auch als Umleitung für alle Verkehre herhalten muss. Alternativen – zum Beispiel eine temporär verbreiterte Radspur auf der Siegburger Straße – waren nicht möglich. Bauträger ist die Bahn und die schildert aus, markiert aber nichts neu.

    So bleibt nur zu hoffen, dass bis zur Fertigstellung des Bröltalbahnwegs kein schwerwiegender Unfall passiert. Und dass wir nicht nur eine neue, verbreiterte Unterführung am Beueler Bahnhof, sondern auch eine sichere Anbindung und Kreuzungsgestaltung bekommen werden.

    Update 28.08.2026

    Erst kürzlich hat das städtische Tiefbauamt den 28.08.26 als Fertigstellung der Baustelle am Bröltalbahnweg genannt. Aber dieser Termin wird nicht einzuhalten sein. Noch ist die Unterführung nicht wieder freigemacht und der provisorische Rettungsweg für das Gebäude nebenan ist noch zu sehen. Aber die Bagger arbeiten. Auch muss die Unterführung noch gepflastert werden. Auch dieses Arbeiten sind begonnen worden.

    Die Verzögerung kam anscheinend durch eine fehlende Baulast zustande, die erst von der Stadt geklärt werden musste. Vom General-Anzeiger läuft aktuell eine Anfrage bei der Bahn, um das Datum für die Eröffnung zu erfragen. Ich hoffe, es gibt in Kürze neue Informationen dazu.

    In der Zwischenzeit haben auf dem Bröltalbahnweg Markierungsarbeiten stattgefunden, die die Vorfahrt neu regeln. Ich hoffe, dass damit auch die nervige Umlaufsperre Richtung Gustav-Kessler-Straße bzw. Beueler Bahnof wegfallen wird.

    Wir haben Oberbürgermeister Déus gestern auf die gefährliche Situation an der Rheindorfer Straße aufmerksam gemacht. Hier haben Radfahrende zwar Vorfahrt und der Verkehr auf der Rheindorfer Straße muss stoppen, die Überfahrt ist aber schlecht zu sehen. Das Stop-Schild wird oft missachtet, so dass man sich hier seiner Vorfahrt nicht sicher sein kann. Nach unserer Auffassung ist hier eine ähnliche Überfahrt wie an der Von-Sandt-Straße nötig.

    geschrieben von Steffen

  • Entspannter fahren auf der Adenauerallee

    Entspannter fahren auf der Adenauerallee

    Vor wenigen Tagen hat die Stadt Bonn mit einer Pressemeldung verkündet, dass die Markierungsarbeiten auf der Adenauerallee abgeschlossen seien. Auch der Generalanzeiger berichtete. Nächster Schritt nach der Markierung ist nun ein einjähriger Verkehrsversuch, in dem die Leistungsfähigkeit und Verkehrssicherheit der neuen Straßenaufteilung getestet werden sollen.

    Ich bin die neu markierte Adenauerallee zum ersten Mal mit dem Rad abgefahren und möchte hier ein paar Eindrücke teilen.

    Adenauerallee ist FAST fertig

    Vorweg: Was wir aktuell an der Adenauerallee sehen ist nicht das fertige Ergebnis. Es fehlen noch zwei Dinge:

    1. auf einem Abschnitt in der Nähe der Arndtstraße befindet sich aktuell eine Baustelle auf einem angrenzenden Grundstück, die Teile der Straße einnimmt. Daher findet sich in diesem Abschnitt eine gelbe Baustellenmarkierung mit veränderten Spurbreiten. Auf diesem Abschnitt hat auch die Sanierung der Fahrbahndecke noch gar nicht stattgefunden.
    2. Es ist zwar nun ein vom Autoverkehr separierter Radweg markiert, allerdings fehlen die Protektionselemente, die den Radweg zu einer Protected Bike Lane machen würden. Aktuell sind Auto- und Radverkehr lediglich durch einen weißen gemalten Strich auf der Straße voneinander getrennt. Die Protektionselemente sollen nach Abschluss des oben erwähnten Verkehrsversuchs folgen.

    Ein erster Eindruck des neu aufgeteilten Verkehrsraums an der Adenauerallee

    Erster Eindruck: Alles viel entspannter!

    Mein erster Eindruck ist ganz klar und eindeutig: Es ist alles deutlich entspannter. Ich kann mit dem Rad die Adenauerallee entlangfahren ohne ständig vom Autoverkehr deutlich zu eng überholt zu werden. Das senkt meinen Puls schon ganz erheblich. Es ist schwer in Worte zu fassen, was allein dieser Aspekt an zusätzlicher Sicherheit bedeutet. Allein dafür hat sich die neue Markierung mehr als gelohnt! Erstmals kann ich mir überhaupt vorstellen, dass nicht nur mutige Radler wie ich, sondern auch Kinder, Senioren und Menschen, denen Autoverkehr dicht neben ihrem Rad Angst macht, die Adenauerallee entlangradeln. Vor dem Umbau war das unvorstellbar – und auch praktisch nicht beobachtbar.

    Ich habe wirklich Fußgänger gesehen, die abseits einer Ampel die Adenauerallee überquert haben. In einer Großstadt wie Bonn so dicht am Stadtzentrum sollte eine solche Freiheit für Fußgänger selbstverständlich sein. Vor der Neumarkierung wirkte die Adenauerallee allerdings als Barriere für Fußgänger. Meine Beobachtung deutet darauf hin, dass dieses Barrieregefühl nun vielleicht weniger existiert – was schön wäre.

    Ladezonen überall

    Ein weiterer Eindruck: Es sind wirklich überall und alle paar Meter Ladezonen vorhanden. Ich kenne wirklich keine andere Straße in Bonn oder auch einer anderen Stadt, in der so viele Ladezonen so dicht hintereinander liegen. Meine persönliche Meinung: Noch mehr hätte man hier auf die Bedürfnisse der Wirtschaft nicht eingehen können.

    Ladezone an der Adenauerallee

    Was mir allerdings auffällt: Alle Ladezonen sind nur im Zeitraum von 16 bis 18 Uhr als Ladezonen ausgewiesen. So wie ich die Schilder interpretiere, können die Bereiche außerhalb dieses engen Zeitfensters als normale Parkplätze genutzt werden. Das irritiert mich ein wenig. Für die Anlieferung bei den anliegenden Einzelhändlern mag das eventuell genügen. Aber die Ladezonen sind ja z.B. auch für Paketzusteller und Handwerker da, die beide eher nicht in nur so einem engen Zeitfenster unterwegs sind. Für mich erscheint diese zeitliche Einschränkung der Ladezonen nicht sinnvoll. Mal schauen, wie sich die Nutzung entwickelt.

    Weitere Beobachtungen: Viel besser, aber nicht alles perfekt

    Ich finde den neuen Zustand der Adenauerallee einen Riesenfortschritt! Endlich existiert hier ein Miteinander unterschiedlicher Mobilitätsformen. Trotzdem möchte ich ein paar Punkte anmerken, die mir noch nicht so so gut gefallen.

    Da ist Zum Einen von Norden kommend der Abschnitt vor der Weberstraße, in dem der Radweg plötzlich einfach endet und in einer Auto-Rechtsabbiegerspur aufgeht. So schnell kann es wieder dahin sein mit der Sicherheit für Radfahrende. Schade, dass hier die Leichtigkeit des Autoverkehrs höher priorisiert wurde als die Sicherheit des Radverkehrs. Die überarbeitete StVO lässt hier doch eigentlich nun mehr Spielräume zu.

    Ein zweiter Kritikpunkt ist von Norden kommend der Abschnitt vor der Straße Am Hofgarten. Hier wird der Radverkehr mittig zwischen Auto-Geradeausverkehr und Auto-Abbiegespuren geführt. Im Verkehrswende-Jargon nennt man solch eine Gestaltung eine „Todesweiche“. Ja, der Radweg ist hier rot markiert, aber ein sicheres Fahrgefühl entsteht bei solch einer Gestaltung nicht. Es ist genau so eine Radverkehrsführung, die am Bertha-von-Suttner-Platz immer wieder von allen Seiten kritisiert wird. Wieso man so etwas hier nun neu markiert erschließt sich mir nicht.

    Ein letzter Kritikpunkt bezieht sich auf die bereits erwähnte noch fehlende Protection. Es war meine erste Fahrt auf der neuen Adenauerallee und gleich war der Radweg mal von einem Reisebus zugeparkt (siehe folgendes Bild). Protektionselemente hätten diesen Park-Stunt zumindest unwahrscheinlicher gemacht. Ich hoffe darauf, dass diese Elemente bald ergänzt werden.

    Fazit: Ein deutlich besseres Miteinander als vorher!

    Trotz dieser Kritikpunkte muss ich festhalten: Die neu aufgeteilte Adenauerallee ist im Vergleich zum Zustand davor ein Quantensprung in Sachen Verkehrssicherheit und lebenswerte Stadt! So dicht an der Innenstadt braucht es keine autobahnartigen mehrspurigen Straßen sondern öffentliche Räume, die ein Miteinander unterschiedlicher Mobilitätsformen fördern. Das ist auf der Adenauerallee nun endlich der Fall.

    Ich bin gespannt, wie die Bonner die neue Adenauerallee annehmen. Dass Beethovengymnasium, Uni-Bibliothek, Juridicum, Museum König und etliche Arbeitgeber nun endlich auch sicherer mit dem Rad erreichbar sind ist ein großer Gewinn. Hoffentlich kochen die Gemüter nun nach Fertigstellung endlich etwas herunter, so dass wir uns auch wieder anderen Verkehrsprojekten zuwenden können.

  • Große Pläne für den Rad- und Fußverkehr?

    Große Pläne für den Rad- und Fußverkehr?

    Wahlkampf ist die Zeit der Differenzierung und Profilierung. Natürlich wird viel darüber gestritten was erreicht wurde oder welche Fehler gemacht wurden. Aber es ist auch die Zeit, in der sich die Parteien festlegen müssen, was ihre Ziele für die Zukunft sind. Hier muss die regierende Koalition sagen, was in der nächsten Legislaturperiode verstärkt, beibehalten oder verändert werden wird. Und die Opposition kann sich nicht nur gegen die Maßnahmen der Koalition stellen, sondern muss erklären, was sie konkret wie machen würde, wenn die Mehrheiten wechseln.

    Die Wahlprogramme sind unterschiedlich umfangreich und detailliert. Wir haben uns – auch zur Vorbereitung unserer Podiumsdiskussion mit den OB-Kandidaten und -Kandidatinnen am 2.9.25 – alle vorliegenden Programme angesehen und herausgeschrieben, was darin zur Umsetzung der Radentscheidziele zu finden ist. Das kann als Einstieg in die eigene Wahlorientierung dienen. Wir können nicht garantieren, alles erfasst oder richtig wiedergegeben zu haben. Daher empfehlen wir, sich selbst die Wahlprogramme anzusehen. Hier sind die Links dazu:

    Die Grünen | CDU | SPD | Bürgerbund Bonn* | Die Linke | FDP | Volt

    *Der Bürgerbund Bonn hat kein explizites Wahlprogramm veröffentlicht, sondern listet auf seiner Webseite Positionen auf, auf die wir uns bei unserer Analyse bezogen haben.

    Für die Leser*innen mit dem Handy wird es etwas schwierig sein, unsere Synopse zu überblicken. Wir veröffentlichen die Tabelle als Pdf. Es überfordert uns als Freiwilligengruppe, die Inhalte „mobile first“ aufzubereiten. Wír hoffen auf euer Verständnis.

    geschrieben von Steffen