Schlagwort: Sicherheit

  • Warum wir für sichere Radwege in der Innenstadt auch vor Gericht gehen

    Warum wir für sichere Radwege in der Innenstadt auch vor Gericht gehen

    Die Oxfordstraße ist eine zentrale Verbindung im Bonner Radverkehrsnetz. Sie verbindet Beuel mit der Innenstadt, Nordstadt und den westlichen Stadtteilen. Nach aktuellen Zählungen der Stadt nutzen zum Beispiel rund 3.000 Radfahrende sie täglich in Richtung Bertha-von-Suttner-Platz und Kennedybrücke. Eine gleichwertige, sichere Alternativroute gibt es nicht. Wenn die dort geschaffene Radverkehrsinfrastruktur zurückgebaut wird, betrifft das deshalb nicht nur einige Meter Fahrbahn – sondern die Funktionsfähigkeit des Bonner Radverkehrsnetzes.

    Deshalb unterstützen wir die Klage von acht Privatpersonen und dem ADFC für die Beibehaltung der sicheren Fahrradspuren auf der Oxfordstraße und der Adenauerallee. 

    Sichere Radwege dürfen nicht zum Spielball der Verkehrspolitik werden

    Die heutige Verkehrsführung auf der Oxfordstraße wurde erst vor wenigen Jahren geschaffen. 2022 wurde eine Fahrspur für den motorisierten Individualverkehr umgewidmet, um bessere Bedingungen für Radverkehr und ÖPNV zu schaffen. Damit setzte die Stadt ein politisches Ziel um, das auch im Bonner Radentscheid verankert ist: ein sicheres und durchgängiges Radverkehrsnetz.

    Nun soll diese Infrastruktur wegen der Sperrung der Nordbrücke teilweise wieder zurückgebaut werden. Wir halten das für den falschen Weg.

    Natürlich stellt die Sperrung der Nordbrücke eine außergewöhnliche Belastung für den Verkehr dar. Gerade in einer solchen Situation muss aber geprüft werden, welche Maßnahmen tatsächlich helfen und welche neue Probleme schaffen.

    Das Fahrrad ist Teil der Lösung

    Seit der Sperrung der Nordbrücke ist der Radverkehr über die Kennedybrücke deutlich gestiegen. Aber nicht nur dort. Nach zwei Monaten deutet sich an, dass ca. 40% mehr Menschen als zuvor den Rhein auf dem Rad überqueren. Auf der Kennedybrücke ist das Radaufkommen sogar um 60% gestiegen.

    Das zeigt: Viele steigen in dieser Situation auf das Fahrrad um. Jede Fahrt mit dem Fahrrad ersetzt potenziell eine Autofahrt und entlastet damit das Straßennetz. Wer sichere Radwege abbaut, riskiert deshalb, Menschen wieder ins Auto zu bringen – und damit genau den Verkehr zu verstärken, dessen Überlastung aktuell das Problem ist.

    Radverkehr braucht deutlich weniger Verkehrsfläche als der motorisierte Individualverkehr. Gerade bei begrenztem Straßenraum ist es deshalb sinnvoll, möglichst viele sichere und attraktive Alternativen zum Auto anzubieten.

    Auch rechtlich müssen wichtige Fragen geklärt werden

    Die Überprüfung vor Gericht unterstützen wir nicht, weil wir jede Veränderung der Verkehrsführung ablehnen. Wir machen das, weil eine solche grundlegende Verschlechterung des Radverkehrs nicht einfach politisch beschlossen und anschließend ohne ausreichende rechtliche Prüfung umgesetzt werden darf.
    Das Straßenverkehrsrecht stellt die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden vor die Leichtigkeit des Verkehrs. Bei bestimmten Verkehrsmengen gibt es klare Vorgaben zu den erlaubten Verkehrsführungen. Für verkehrliche Beschränkungen und Umleitungen müssen wichtige Abwägungen angestellt werden. 

    Daher stellen sich uns unter anderem folgende Fragen:

    • Ist der Rückbau der sicheren Radfahrstreifen tatsächlich erforderlich, um den Autoverkehr zu bewältigen?
    • Wurde der Radverkehr bei der Abwägung angemessen berücksichtigt?
    • Welche Auswirkungen hat die geplante Verkehrsführung auf die Sicherheit der Radfahrenden?
    • Gibt es eine gleichwertige und sichere Alternative?
    • Ist es verhältnismäßig, eine zentrale Radverkehrsverbindung einzuschränken?

    Besonders problematisch sehen wir die geplante Führung auf Schutzstreifen. Diese bieten nicht den gleichen Schutz wie vom Autoverkehr getrennte Radfahrstreifen. Auf der Oxfordstraße treffen hohe Verkehrsmengen, Busse, Abbiegevorgänge, Schwerlast- und Radverkehr aufeinander. Eine Verschlechterung der Radverkehrsführung schafft Konflikte und Gefahren.

    Mehr Platz für Autos ist nicht automatisch die Lösung

    Die aktuelle Verkehrssituation zeigt außerdem, dass Staus nicht zwangsläufig dadurch gelöst werden, dass dem Autoverkehr mehr Fahrbahn zur Verfügung gestellt wird.

    Bei verschiedenen Verkehrsversuchen hat die Stadt bereits Maßnahmen getestet, die den Autoverkehr an einzelnen Stellen einschränken und gleichzeitig den Verkehrsfluss verbessern. So verlief die testweise Sperrung der Linksabbiegespur von der Oxfordstraße in die Wilhelmstraße nach Angaben der Stadt ohne negative Auswirkungen auf den Verkehr. Auch ein Abbiegeverbot am Dorint-Hotel hat den Rückstau auf der Kennedybrücke reduziert und zugleich die Sicherheit des Radverkehrs verbessert. Viel Optimierung würde auch die Überwachung der Kreuzungen durch die Polizei bringen, damit diese bei Stau freigehalten werden.

    Das zeigt: Gute Verkehrssteuerung kann darin bestehen, Konfliktpunkte zu beseitigen und Verkehrsströme effizienter zu organisieren – statt Rad- und ÖPNV-Infrastruktur zugunsten des Autoverkehrs zurückzubauen.

    Wir brauchen sichere Alternativen – gerade in der Krise

    Wir setzen uns dafür ein, dass Verkehrspolitik auch in schwierigen Situationen langfristig sinnvoll, sicher und rechtlich nachvollziehbar bleibt. Es ist offensichtlich, dass es nie gelingen wird, den Großteil des Autoverkehrs, der die Nordbrücke genutzt hat, über die beiden verbleibenden Brücken und durch die Stadt abzuwickeln. Also müssen Möglichkeit geschaffen werden, andere Verkehrsmittel wie zum Beispiel ÖPNV und Fahrrad zu nutzen. Und es müssen Verkehre vermieden werden. Nicht jede Fahrt ist notwendig, wichtig oder alternativlos.

    Wer Autoverkehr reduzieren will, muss Alternativen stärken. Wer Sicherheit will, darf sichere Radwege nicht durch unsichere Lösungen ersetzen. Und wer ein funktionierendes Verkehrsnetz will, darf seine wichtigsten Radverkehrsverbindungen nicht zerstören. Die Oxfordstraße ist eine solche Verbindung. Wir setzen uns dafür ein, dass sie es bleibt.

  • Klimafreundliche Mobilität für ein Lebenswertes Bonn

    Klimafreundliche Mobilität für ein Lebenswertes Bonn

    Flächen sinnvoll nutzen

    Der öffentliche Raum soll für die Bürgerinnen und Bürger angenehm, sicher und einladend gestaltet sein. Wir können ihn nicht beliebig ausweiten – es ist unsere Entscheidung, wie wir ihn verteilen. Bisher haben wir dem motorisierten Verkehr den meisten Platz zugestanden. Aber das Auto braucht enorm viel Fläche, um durchschnittlich nur 1,4 Personen pro Pkw zu transportieren, bei einer Parkzeit von mehr als 23 Stunden pro Tag.

    Grafik Flächenbedarf
    Quelle: fairkehr, llustration: weareplayground.com

    Nur durch eine konsequente Förderung von Fuß-, Radverkehr und ÖPNV kommen wir mit weniger Autos aus und gewinnen Bewegungsräume in unserer Stadt. Je mehr Menschen zu Fuß gehen oder Bus, Bahn oder Fahrrad nutzen, desto weniger Platz brauchen wir für unsere individuelle Mobilität und desto eher verhindern wir Staus und ermöglichen die wichtigen Autofahrten.

    Weniger Unfälle durch bauliche Trennung

    Im Jahr 2022 gab es in Bonn 20 % mehr Unfälle mit Radfahrenden als im Vorjahr. Eine Verkehrsführung, die den Radverkehr vom motorisierten Verkehr und von Fußgänger:innen trennt, ist ein wichtiges Element zur Unfallvermeidung. Auch die neuen Fahrradstraßen werden mit ihrer Geschwindigkeitsbegrenzung die Verkehrssicherheit steigern – für Fußgänger: innen, Rad- und Autofahrende. Bei Tempo 30 halbiert sich der Bremsweg im Vergleich zu Tempo 50, das Risiko für tödliche Unfälle und schwere Verletzungen sinkt um 75 %. Eine getrennte Radverkehrsführung besteht beispielsweise bereits in der Rathausgasse. Die Einführung einer baulich getrennten Radspur auf der Adenauerallee wird die subjektive und objektive Sicherheit auch für Kinder, Jugendliche und ungeübte Radelnde verbessern.

    Infografik Geschwindigkeit
    Quelle: Deutsche Umwelthilfe, www.duh.de

    Mit dem Rad in der Stadt am schnellsten

    Die Hälfte aller Wege, die mit dem Auto zurückgelegt werden, sind kürzer als 5 km. In der Stadt ist das Fahrrad auf dieser Distanz genauso schnell oder sogar schneller als das Auto. Mit E-Bikes können auch längere Strecken zurückgelegt werden, dabei wird deutlich weniger CO2 ausgestoßen als mit dem Auto, selbst mit Elektroantrieb. Wenn nur ein Teil dieser Strecken mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt wird, entlastet das die Straßen in Bonn, Staus werden verringert. 

    Ohne Veränderungen im Verkehr wird es nicht möglich sein, die CO2-Emissionen entsprechend dem 1,5-Grad-Ziel zu reduzieren. Um mehr Menschen zum Umstieg auf nachhaltige Verkehrsmittel zu bewegen, braucht es eine komfortable, durchgehende und vor allem sichere Infrastruktur.

    In der Stadt mit dem Rad am schnellsten
    Quelle: Umweltbundesamt, Infografik: vcd.org, Illustration: weareplayground.com

    Alle Wege beginnen und enden zu Fuß

    Wir alle sind Fußgängerinnen und Fußgänger, gleichzeitig sind wir zu Fuß die schwächsten Verkehrsteilnehmenden. Daher ist es uns ein besonderes Anliegen, Gehwege fußverkehrsfreundlich zu gestalten: mit einer Breite von 2,5 m, im Ausnahmefall 1,5 m. Das hilft insbesondere mobilitätseingeschränkten Menschen mit Rollator oder Rollstuhl, ihre selbstbestimmte Mobilität möglichst lange zu erhalten. Familien mit Kindern können die Wege zur Kita oder Schule zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Kinder und Jugendliche lernen sicheres Verhalten im Straßenverkehr und können altersgerecht selbständig mobil werden. Um diese Gruppen vor Unfällen zu schützen, ist in vielen Straßen eine Wiederherstellung der Gehwegbreiten unvermeidbar –auch durch den Wegfall von Parkplätzen.

    25 Prozent der Fußgängerunfälle und 15 Prozent der Fahrradunfälle innerorts stehen in Zusammenhang mit dem Parken: Autos werden so abgestellt, dass sie die Sicht versperren. Autotüren werden unvermittelt geöffnet, ohne auf den Verkehr zu achten.

    Inhalte aus dem aktuellen Informationsflyer des Radentscheids (Sept.23)