Schlagwort: Verkehrswende

  • Was Bonn von Groningen lernen kann

    Was Bonn von Groningen lernen kann

    Erst mal kurz ein bisschen Einordnung: Groningen hat mit nicht ganz 250.000 Einwohnern etwa 75.000 Einwohner weniger als Bonn. Bezogen auf die Fläche ist Groningen mit ca. 200 km² allerdings größer als Bonn (ca. 140 km²). Durch die Lage im Norden der Niederlande ist die Stadt komplett flach. Steigungen gibt es eigentlich nur beim Überqueren der Bahngleise. Die Stadt hat mehrere Bahnhöfe, ein gut ausgebautes Busnetz, allerdings keine Straßenbahn.

    Viel Radverkehr mit guten Radwegen

    Hauptakteur im Groninger Verkehr ist das Fahrrad. Je nach Quelle hat das Rad einen Anteil von 50% – 60% am Verkehrsgeschehen. Das merkt man! Es sind unglaublich viele Fahrräder unterwegs und dementsprechend gibt es unglaublich gut Fahrradinfrastruktur. An jeder Autohauptverkehrsstraße gibt es baulich vom Autoverkehr getrennte Radwege, so dass der Radverkehr sicher fahren kann.

    Dies gilt nicht nur für die Groninger Innenstadt. Ich bin bis an die Autobahn und ins am Stadtrand gelegene Gewerbegebiet geradelt. Auch dort gab es überall sichere Radwege. Hier ein Bild von außerhalb des Zentrums an einer zentralen Autobahnauffahrt:

    Was in Groningen – wie fast überall in den Niederlanden auffällt: Hier fährt kein Radfahrer mit Helm. Die Verkehrsinfrastruktur ist so sicher gestaltet, dass dies nicht notwendig ist. In Bonn wird leider über jeden Meter Protected Bike Lane jahrelang gestritten. Dabei sind die positiven Effekte auf den Radverkehr gar nicht hoch genug zu bewerten. Fahren auf baulich vom Autoverkehr getrennten Wegen füllt sich so viel sicherer an!

    Klare, verständliche Vorfahrtsregelungen

    Mir fällt in Groningen auf, dass die Radwege sehr klar und eindeutig markiert sind. Dort wo Autos fahren ist der Asphalt grau, dort wo Räder fahren ist er rot. In Bereichen, in denen besondere Vorsicht geboten ist (Kreuzungen, Shared Spaces) ist der Asphalt gelb. Das ist konsequent durchgezogen und dadurch leicht verständlich.

    An Kreuzungen fällt auf, dass die Vorfahrtregelung sehr intuitiv ist. Kreuzt eine Hauptroute für den Radverkehr eine Autospur, hat der Radverkehr Vorrang, was durch durchgezogenen roten Asphalt und Vorfahrt-Achten-Zeichen auf dem Boden der Autospur deutlich gemacht wird. Handelt es sich hingegen um eine Hauptroute für den Autoverkehr sind die Vorfahrt-Achten-Zeichen auf dem Radweg. So wird sofort für alle deutlich, wer Vorfahrt hat.

    Aus Bonner Sicht bemerkenswert: Ja, es gibt Vorfahrt für Radfahrer auf Hauptradrouten. In Groningen scheint zu gelten: Kreuzt eine Hauptroute eine Nebenroute, hat die Hauptroute Vorrang. In Bonn gilt das nicht, wie man z.B. an der Kreuzung Bröhltalbahnweg / Rheindorfer Straße oder der Kreuzung Röckumstraße / Sebastianstraße / Magdalenenstraße sehen kann. An beiden Kreuzungen verlaufen wichtige Hauptradrouten und kreuzen Straßen, die für den Autoverkehr eher als Nebenstraßen einzustufen sind. Trotzdem hat der Autoverkehr Vorrang. Hier darf sich Bonn gerne Groningen als Vorbild nehmen!

    Gute Fahrradgaragen im Zentrum

    Im Groninger Zentrum gibt es drei große Fahrradgaragen. Zwei davon liegen mitten in der Innenstadt am Grote Markt und am Nieuwe Markt. Die dritte liegt am Groninger Hauptbahnhof. Zusammen bieten diese drei Garagen über 7.000 bewachte, kostenlose und rund um die Uhr zugängliche Fahrrad-Stellplätze. Alle Garagen werden rege genutzt. Ständig sieht man Menschen mit ihren Rädern herein- oder herausgehen.

    Eingang zur Radgarage am Nieuwe Markt

    In der Radgarage am Grote Markt – hell, sauber, bewacht

    Gute Beschilderung der Radgarage am Nieuwe Markt

    Insbesondere die Beschilderung fällt mir auf. In Bonn fällt insbesondere die erst vor Kurzem eingerichtete kleine Radgarage in der Stadthausgarage dadurch auf, dass sie von außen überhaupt nicht erkennbar ist. Es gibt kein einziges Hinweisschild, das darauf hindeutet, dass man in der Stadthausgarage sein Rad abstellen kann. Ähnlich sieht es beim Parkhaus Rabinstraße aus. Dort wurde nachträglich mit Hilfe eines Banners versucht, den Eingang zur Radgarage auffindbar zu machen. Von der Rabinstraße aus ist das allerdings fast nicht zu sehen. Hier hat Bonn ganz klar Nachholbedarf. Es ist toll, dass in Bonn erste Radgaragen entstehen. Sie müssen aber auch im Stadtbild erkennbar werden.

    An der Ampel fahren alle gleichzeitig

    Am meisten beeindruckt hat mich in Groningen das Konzept „tegelijk groen“, zu deutsch „gleichzeitig grün“. Es gibt in Groningen sehr wenige Ampeln, da diese aufgrund des geringen Autoverkehrs nur an wenigen Stellen notwendig sind. Dort, wo es Ampeln gibt, gibt es fast immer tegelijk groen. Es handelt sich um eine eigene Ampelphase für den Radverkehr, in der Radfahrer aus allen Richtungen der Kreuzung gleichzeitig grün bekommen, wodurch man z.B. viel einfacher links abbiegen kann (nur eine Ampelphase warten statt zwei). Es gibt dabei keine klaren Regeln. Das Prinzip ist: Einigt euch irgendwie. Und es klappt!

    Ich habe mir das mehrmals angesehen und bin auch selbst mehrfach über eine solche Kreuzung geradelt. Meine Vermutung: Da Radfahrer auf viel engerem Raum navigieren können und zusätzlich viel leichter Blickkontakt herstellen können, klappt dieser Ansatz. Hier kurz gebremst, da noch ein kleiner Schlenker – und alle sind über die Kreuzung drüber. Es ist unfassbar, wie viele Menschen man in einer kurzen Ampelphase über eine Kreuzung bekommen kann. Mit Autoverkehr wäre das undenkbar.

    „Gleichzeitig grün“ erhöht die Sicherheit für den Radverkehr enorm, da Autos und Radfahrer nie gleichzeitig grün haben – und das ohne großen Umbaubedarf für die Kreuzung. Für „Gleichzeitig grün“ braucht es letzten Endes nur eine Umstellung der Ampelschaltung und ein paar Hinweisschilder. Ich halte das Konzept für eine gute Idee für Bonn. Vorstellen kann ich mir das z.B. für Kreuzungen wie Belderberg / Bertha-von-Suttner-Platz / Sandkaule, Viktoriabrücke / Endenicher Straße / Wittelsbacher Ring oder Sebastianstraße / Clemens-August-Straße. Durch „tegelijk groen“ könnte Bonn dem Radentscheid-Ziel 3 (Große Ampelkreuzungen sicher gestalten) einen Schritt näher kommen.

    Weniger Autoverkehr macht weniger Lärm

    Was ich in Groningen direkt bei der Ankunft dachte: Leise hier! Dadurch, dass nur sehr wenige Autos fahren entfällt eine Menge Lärm in der Stadt. Zwar beträgt der Anteil des Autoverkehrs in Groningen je nach Quelle zwischen 20% und 30% und damit fast so viel wie in Bonn. Allerdings scheint sich der Autoverkehr hauptsächlich auf wenige Hauptverkehrsstraßen zu konzentrieren. Eine dieser Hauptverkehrsstraßen (die N7 südlich des Zentrums ) wurde gerade erst auf einer Länge von ca. 1km unter die Erde gelegt. Obendrüber ist ein Park mit Rad- und Gehwegen entstanden. Hier kann man anschaulich sehen, was in Bonn möglich sein könnte, wenn die A565 unter der Erde verschwinden würde statt vebreitert oberirdisch neugebaut zu werden.

    Ein paar Pfeiler sind als Erinnerung an die ehemalige Hochstraße, die nun unterirdisch verläuft, stehengeblieben

    Im Groninger Zentrum (ca. 1×1 km, in Bonn wäre das etwa Rhein bis Stadthaus und Hbf bis Beethovenhalle) fahren so gut wie gar keine Autos, da es keine Durchfahrtsmöglichkeiten gibt. Ein Befahren mit Auto ist möglich, man kommt aber immer nur zu der Seite wieder heraus, von der man in die Innenstadt hereingefahren ist.

    Was mir sonst noch aufgefallen ist

    In Groningen entsteht z.Zt. ein neues Wohnviertel auf dem Gelände einer alten Zuckerfabrik. Dieses Gelände wahr bisher schlecht erschlossen. Dieses Jahr gehen die Bauarbeiten für die Wohnungen los. Was bereits fertig ist: Der komplett neu und unter Bahn und Straßen hindurch gebaute Geh- und Radweg zur Anbindung ans Zentrum. Damit erst gar keine Autoabhängigkeit für die neuen Bewohner entsteht.

    Geh- und Radweg aus dem künftigen neuen Wohnviertel an der Zuckerfabrik Richtung Innenstadt

    Auch bemerkenswert: In allen Seitenstraßen in Wohnvierteln, durch die ich gefahren bin, parken Autos ausschließlich auf einer Straßenseite. Dadurch entsteht Platz für breitere Gehwege, mehr Grün und der Begegnungsverkehr Auto – Rad wird sicherer. Das kann ich mir als gutes Modell gerade für die Einkaufsstraßen in den Bonner Stadtvierteln (Endenicher Straße in Endenich, Pützstraße in Kessenich, Clemens-August-Straße in Poppelsdorf, …) vorstellen.

    Ein letzter Punkt: Wie überall in den Niederlanden kann man in Groningen als Radfahrer ohne ständiges Geruckel fahren. An Kreuzungen werden die Radwege niveaugleich mit der Autofahrbahn geführt. Ist der Radweg auf Gehwegniveau so fahren bei Einfahrten und Einmündungen kleiner Seitenstraßen nicht die Radfahrer hoch und runter sondern die Autos. Man kann nicht genug sagen, wie sehr es radfahren angenehmer macht und vereinfacht, wenn es nicht alle paar Meter ruckelt. Ich glaube, dass solche niveaugleichen Querungen das einfachste Mittel sind, um mehr Menschen auf’s Rad zu bekommen.

    An einer Kreuzung gibt es keine Bordsteinkante für den Radverkehr, sondern es geht nahtlos auf einer Ebene weiter.

    Fazit: Viel ist auf Bonn anwendbar!

    Groningen ist in Bezug auf den Radverkehr – wie die gesamten Niederlande – meilenweit vor Deutschland und auch vor Bonn. Das macht Groningen zu einem tollen Anschauungsobjekt (wie auch andere niederländische Städte wie Utrecht oder Maastricht, über die ich ebenfalls schon geschrieben habe). Eine gute Inspiration für Bonn können für mich insbesondere die Gleichzeitig-Grün-Kreuzungen sein, da sie ohne großen Umbau umsetzbar sind und trotzdem die Sicherheit für den Radverkehr enorm erhöhen.

    geschrieben von Martin P.

  • Der Rad- und Fußverkehrsanteil wächst – Ansporn, die Infrastruktur weiter auszubauen

    Der Rad- und Fußverkehrsanteil wächst – Ansporn, die Infrastruktur weiter auszubauen

    Vor ca. 2,5 Wochen hat die Stadt in einer Pressemeldung mitgeteilt, dass mittlerweile 71% der Wege in Bonn zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem ÖPNV zurückgelegt werden. Nun liegen die detaillierten Zahlen vor. Grund genug, einmal draufzuschauen.

    Enorme Veränderungen in der Verteilung der Verkehrsträger

    Direkt zu Beginn: Die Veränderungen sind enorm! Innerhalb weniger Jahre ist der Radverkehrsanteil in Bonn um fast die Hälfte angestiegen und beträgt nun 21% aller Wege. Auch der Fußverkehr nimmt zu und löst das Auto als wichtigsten Verkehrsträger in Bonn ab. Der ÖPNV hat die Pandemie mittlerweile überstanden und hat sogar einen leicht höheren Anteil als zum Zeitpunkt der letzten Studie 2017. Damit werden insgesamt 71% aller Wege in Bonn mit dem Umweltverbund (zu Fuß, Fahrrad, ÖPNV) zurückgelegt.

    Die Abbildung zeigt gelb hinterlegt die aktuelle Verteilung und darunter die Verteilung zum Zeitpunkt der letzten beiden Studien. Die Werte sind jeweils der Anteil der Wege mit einem Verkehrsmittel an der Gesamtzahl der Wege in der Stadt Bonn (Fachleute sprechen hier vom Modal Split).

    Die Studie Mobilität in Deutschland wird alle paar Jahre vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegeben. Zahlreiche Kommunen, u.a. Bonn, schließen sich der Studie an und erhalten so Zahlen für ihre Stadt. „Mobilität in Deutschland“ ist die maßgebliche Studie zum Thema Verkehr in Deutschland.

    Die Bonnerinnen und Bonner wollen radfahren!

    Dass der Radverkehr so stark zugenommen hat freut uns sehr. Es zeigt, dass sich selbst durch die eher kleinen ersten Schritte zur Schaffung guter Radinfrastruktur in den letzten Jahren – z.B. an der Oxfordstraße oder am Rheinufer – bereits große Veränderungen im Verkehrsverhalten erzielen ließen.

    Dass die in Folge des Radentscheids getroffenen ersten Maßnahmen der letzten Jahre ursächlich für diese Entwicklung in Bonn sind, kann man am Vergleich mit den bundesweiten Zahlen sehen. Bezogen auf’s gesamte Bundesgebiet stagniert der Radverkehrsanteil seit Jahren bei 11%.

    Wir sehen uns bestätigt: Die Menschen in Bonn wollen die Verkehrswende! Sobald man ernsthaft beginnt, gute Alternativen zum Auto zu schaffen, werden diese auch gut genutzt. Für uns sind diese Zahlen Motivation, uns weiter für die Umsetzung der Radentscheid-Ziele einzusetzen.

    Infrastruktur weiter den veränderten Bedürfnissen anpassen

    Nun gilt es, die Verkehrsinfrastruktur weiter umzubauen! Zum Einen, um das Ziel der Stadt Bonn – 75% Umweltverbundsanteil bis 2030 – auch wirklich zu erreichen. Zum Anderen, um für die 21% der Wege, die bereits jetzt mit dem Rad zurückgelegt werden eine gute Infrastruktur zu schaffen. Der Anteil der Radfahrenden wächst aktuell schneller als der Ausbau der Radinfrastruktur vorangeht. Die Ergebnisse der Studie sollten Ansporn sein, die in den letzten Jahren in Gang gekommenen Bemühungen zum Ausbau der Radinfrastruktur weiter zu verstärken.

    Die aktuellen Planungen (Bertha-von-Suttner-Platz, Sankt Augustiner Straße, Fahrradgarage am ZOB, …) sind gut. Es braucht aber zusätzlich den Blick auf das gesamte Stadtgebiet. Wir haben mit unserem Konzept „10 Velorouten für Bonn“ einen Priorisierungsvorschlag für die Umsetzung des beschlossenen Radroutennetzes gemacht. Die hier vorgestellten Zahlen zeigen, dass es an der Zeit ist, ganze, durchgängige Radrouten für Bonn zu planen und umzusetzen – als eigenständige Verkehrsprojekte.

    Ein Blick auf die detaillierten Ergebnisse

    Auch die detaillierteren Zahlen der Studie liefern noch einige interessante Erkenntnisse:

    • Die starke Zunahme des Radverkehrs ist kein „Bonn-Zentrum“-Phänomen (Stadtbezirk Bonn: 22% Radverkehrsanteil). Die Aufgliederung der Zahlen in die vier Stadtbezirke zeigt auch in Beuel und Bad Godesberg eine starke Zunahme auf jeweils 20% der Wege (vorher 12 bzw. 14%). Lediglich in Hardtberg ist der Zuwachs geringer von 13 auf nun 15%. Es muss also darum gehen, die Radinfrastruktur im gesamten Stadtgebiet den geänderten Mobilitätsbedürfnissen entsprechend umzubauen.
    • 35% der Haushalte in Bonn besitzen kein Auto. Gerade in den wirtschaftsschwacheren Haushalten ist dieser Anteil besonders hoch (sehr niedrig: 77%, niedrig: 50%). Das heißt: Ausbau von Alternativen zum Auto ist aktive Sozialpolitik! Übrigens: Nur 21% der Bonner Haushalte besitzen kein Fahrrad. Fahrradbesitz ist in Bonn also weiter verbreitet als Autobesitz.
    • Interessant ist auch der Blick auf die Gründe für die Nutzung alternativer Verkehrsmittel zum Auto: Der fehlende Parkplatz spielt als Grund nur eine untergeordnete Rolle. Der wichtigste Grund ist der bewusste Verzicht auf’s Auto. Die Menschen möchten Alternativen nutzen!
    • Der Anstieg des Anteils der Wege mit dem Rad von 15 auf 21 % ist ein Zuwachs um 40%. Der Anstieg des Anteils der Personenkilometer im Radverkehr von 5 auf 8% bedeutet 60% Zuwachs. Die Wege, die mit dem Rad zurückgelegt werden, werden also länger. Hier zeigt sich wahrscheinlich die wachsende Bedeutung von E-Bikes.
    • Besonders interessant ist die Entwicklung der Zufriedenheit mit der Verkehrsinfrastruktur, denn diese ist umgekehrt zur Entwicklung des Modal Split: Während die Zufriedenheit mit der Autoinfrastruktur im Vergleich zur letzten Studie in Bonn zugenommen hat, hat die Zufriedenheit mit der Fahrrad- und Gehwegeinfrastruktur abgenommen.

    Gerade der letzte Punkt zeigt noch mal: Der Umbau unserer Verkehrsinfrastruktur in Bonn muss weitergehen – und am besten noch schneller als bisher!

  • Gemeinsam für eine bessere Radinfrastruktur in der Region

    Gemeinsam für eine bessere Radinfrastruktur in der Region

    Wir sind davon überzeugt, dass mehr Radwege weniger Stau bedeuten. Das Fahrrad hat einen enormen Technologiesprung gemacht. Radfahren mit Pedelecs und Transport mit dem Fahrrad sind bequemer geworden und interessieren viele Menschen. Daher setzen wir uns dafür ein, dass Velorouten ausgebaut werden, die durchgängig und sicher sind. In einer wachsenden Stadtbevölkerung brauchen wir Alternativen zum Auto. Diese zu entwickeln geht nur im Miteinander. Der Dialog ist für uns ein zentraler Erfolgsfaktor für die Weiterentwicklung der Mobilität in unserer lebenswerten Stadt.

    Hier geht’s zum gemeinsamem Positionspapier des Radentscheid Bonn, des ADFC Bonn-Rhein-Sieg und der IHK Bonn/Rhein-Sieg.

  • Kidical Mass vor den Sommerferien

    Kidical Mass vor den Sommerferien

    Mit uns kommt ihr sicher in den Sommer! Am 28. Juni 2025 geht es um 14:30 Uhr am Beueler Rheinufer los und wir enden an der Bonner Oper, wo das Theater Bonn uns mit einer kleinen Aufführung erwartet.

    Ob zum Schwimmbad, zum Sport, zur Schule oder auch zur Kita: Kinder auf zwei Rädern ist oft der beste Weg, innerhalb Bonns von A nach B zu kommen. Aber dafür brauchen wir sichere Straßen, Kreuzungen und ausreichend breite Gehwege! Diese fordern wir mit den Kinder-Fahrraddemos ein.

    Die Strecke führt zuerst durch Beuel mit einer Schleife rund ums Rathaus, dann über den Rhein und etwas durch die Altstadt, bevor wir an der Oper ankommen. Dort erwartet uns „Rasen und Rampenlicht“ der Bonner Theater mit vielfältigen Mitmachangeboten für Kids: https://www.theater-bonn.de/de/programm/rasen-rampenlicht/230690

  • Im Mai mit den Kindern aufs Rad!

    Im Mai mit den Kindern aufs Rad!

    Die Tage werden länger, das Wetter wärmer und die Kinder auf Fahrrädern wieder häufiger. Zeit, auch wieder mit der Kidical Mass Platz für sie und ihre Familien zu schaffen!

    Am 24. Mai starten wir am Bonner Hofgarten um 15 Uhr und werden gegen 16:30 Uhr am Spielplatz Baumschulwäldchen ankommen. Dort erwartet die Teilnehmenden Outdoor-Spielzeug wie Schwungtücher, Hüpfbälle und Pedalos. Seid dabei, wenn wir zuerst eine sichere Runde durch die Stadt drehen und anschließend den Nachmittag ausklingen lassen! Zusteigen ausdrücklich erwünscht!

    Die Route führt zuerst die B9 entlang in den Norden, lässt uns am Potsdamer Platz dreispurig kreiseln und führt über die Viktoriabrücke und an alten Uni-Gebäuden entlang. Wie immer wird die Strecke von der Polizei abgesperrt.

  • Stellungnahme zur Pressemeldung der CDU-Ratsfraktion

    Stellungnahme zur Pressemeldung der CDU-Ratsfraktion

    Die CDU-Fraktion im Bonner Stadtrat hat als Reaktion auf unseren gemeinsam mit dem ADFC erarbeiteten Vorschlag für 10 durchgängige Velorouten durch Bonn eine Pressemeldung veröffentlicht. Den in dieser Pressemitteilung aufgestellten Behauptungen treten wir entschieden entgegen.

    10 Velorouten als erster Schritt zum Radroutennetz

    Der Stadtrat hat Ende 2023 ein Radroutennetz für Bonn beschlossen. Das freut uns nach wie vor sehr, da wir darin einen wichtigen Zwischenschritt zur Erreichung der Radentscheid-Ziele sehen. Nach diesem Beschluss muss es weiter darum gehen, das Radroutennetz in die Tat umzusetzen.

    Wir erkennen an, dass nach Jahrzehnten des annähernden Stillstands in Sachen Radverkehr nach der Annahme unseres Bürgerbegehrens endlich etwas passiert ist. Mit unserem Vorschlag der 10 Velorouten möchten wir den Fokus der Umsetzung auf durchgängig geplante Radrouten setzen. Darin sehen wir einen in absehbarer Zeit erreichbaren, gewinnbringenden Zwischenschritt auf dem Weg zur Realisierung des Bonner Radroutennetzes.

    Wir halten am Ende 2023 vom Stadtrat beschlossenen Radroutennetz fest. Der von der CDU aufgestellte Umkehrschluss, in allen Straßen, die nicht Teil der 10 Velorouten sind, brauche es also keine Fahrradinfrastruktur, ist falsch. Nur weil wir im ersten Schritt eine Fokussierung einiger durchgängiger Routen fordern, wird der Rest des Radroutennetzes nicht obsolet.

    Adenauerallee und Hermann-Wandersleb-Ring Teil des beschlossenen Radroutennetzes

    Die Behauptung der CDU, wir würden mit unserem Vorschlag die Vierspurigkeit für den Autoverkehr auf der Adenauerallee und dem Hermann-Wandersleb-Ring unterstützen, weisen wir entschieden zurück. Beide genannten Straßen sind Teil des beschlossenen Radroutennetzes. Daher haben wir uns insbesondere für eine sichere Radspur auf der Adenauerallee eingesetzt und freuen uns, dass dort bessere Radinfrastruktur entsteht. Die Adenauerallee hat eine wichtige Funktion, weil sie für viele Radfahrende Ziel oder Ausgangspunkt der Fahrt ist. Die bisherigen Schutzstreifen waren völlig unzureichend und wir sind froh, dass jetzt ein guter Kompromiss umgesetzt wird.

    Dass unsere 10 Velorouten Adenauerallee und Hermann-Wandersleb-Ring nicht enthalten, heißt nicht, dass es dort keine Fahrradinfrastruktur braucht. Wir haben bewusst Konfliktpunkte zu Gunsten einer zügigeren Umsetzungsmöglichkeit ausgespart, damit zeitnah mehr durchgängige Velorouten erlebbar werden. In den letzten Jahrzehnten ist in Bonn sehr überwiegend der Straßenraum für den Autoverkehr geplant worden. Es braucht eine Umverteilung des öffentlichen Raumes, so dass auch andere Verkehrsträger (Radverkehr, Fußverkehr, ÖPNV) ausreichend Platz erhalten. Wir möchten anregen, damit insbesondere auf den 10 vorgeschlagenen Velorouten anzufangen, um in absehbarer Zeit erste Erfolge für ein durchgängiges Radroutennetz in Bonn zu erzielen. Dass es auch abseits dieses ersten Schrittes bessere Radinfrastruktur braucht halten wir für offensichtlich.

    Immerhin sehen wir einen positiven Ansatz in der Stellungnahme der CDU, wenn sie schreibt: „Es braucht eine stadtweite Verkehrsplanung, die alle Mobilitätsformen gleichermaßen berücksichtigt und dabei Erreichbarkeit, Sicherheit und Leistungsfähigkeit im Blick behält.“ Demnach teilt auch die CDU die Meinung, dass wir von einer Verkehrsplanung, die alle Mobilitätsformen gleichermaßen berücksichtigt, noch weit entfernt sind. Was den Radverkehr angeht, liegt das sicher mit daran, dass die CDU annähernd alle Umsetzungen des Radentscheids vom Rheinauenradweg in Beuel, über die Radwege in Rathausgasse und Am Hof bis zum Radverkehrsnetz und den Fahrradstraßen abgelehnt hat.

    Bisher kein Austausch zu den Velorouten mit der CDU

    Es ist schade, dass die Bonner CDU solch eine Pressemitteilung veröffentlicht ohne vorher mit uns oder dem ADFC Kontakt aufgenommen zu haben. Die in der Pressemitteilung aufgestellte Behauptung, die CDU stünde zu dem Thema im Austausch ist falsch.

    Genau so schade ist es, dass es der CDU hier offensichtlich vorwiegend um politische Spielchen in der Bonner Parteienlandschaft geht. Sie nutzt unseren sachlichen Vorschlag, um gegen ihre politischen Gegner zu schießen. Wir als Radentscheid Bonn möchten eine sachliche Diskussion zur Verbesserung der Radinfrastruktur in unserer Stadt. Dazu haben wir mit unserem Konzept der 10 durchgängigen Velorouten einen konkreten Vorschlag auf den Tisch gelegt mit dem Ziel, zeitnah einen guten ersten Schritt Richtung Radroutennetz zu gehe. Sollte die CDU an einer sachlichen Diskussion darüber interessiert sein, freuen wir uns auf ein Gespräch.

  • Auf die Räder, fertig, Kidical Mass!

    Auf die Räder, fertig, Kidical Mass!

    Nach den ersten beiden Fahrrad-Demos mit sowie für Kinder und deren Sicherheit im Straßenverkehr ging es weiter: Am 22. Juni 2024 fährt die Kidical Mass durch Bad Godesberg und Friesdorf.

    Und falls ihr noch nicht wisst, was die Kidical Mass ist oder in Erinnerungen schwelgen wollt, empfehlen wir unseren aktualisierten youtube-Kanal

    Unterschreibt bitte auch unsere Petition für mehr Schulstraßen in Bonn!

  • Heißt Verkehrswende Klimaschutz vs. Wirtschaftsinteressen?

    Heißt Verkehrswende Klimaschutz vs. Wirtschaftsinteressen?

    Mir fällt auf, dass in letzter Zeit immer wieder versucht wird, die Verkehrswende als einen Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und Wirtschaftsinteressen darzustellen. Die Kampagne Vorfahrt Vernunft der Bonner IHK und des Einzelhandelsverbands formuliert ein Gegeneinander von Verkehrswende aufgrund von Klimaschutz und guten Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort Bonn indem sie behauptet, eine Neuverteilung des Straßenraums würde zu längeren Fahrzeiten für Wirtschaftsverkehre führen. Auch auf einer Podiumsdiskussion in der Bonner VHS mit Vertretern von u.a. IHK, Einzelhandelsverband, ADFC und Stadt wurde der Diskussion direkt zu Beginn durch den Moderator der Rahmen “Verkehrswende aufgrund von Klimaschutz vs. Wirtschaftsinteressen” gegeben.

    Diese Erzählung ist aus meiner Sicht haltlos. Die Notwendigkeit einer Verkehrswende ergibt sich nicht rein aus dem Thema Klimaschutz. Es ist erfreulich, dass Verkehrswendemaßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen beitragen und – ja, das ist sicher ein großer Motivator zur Umsetzung solcher Maßnahmen. Es ist allerdings sicher nicht der einzige. In diesem Blog-Post möchte ich die wichtigsten Gründe, die für eine Verkehrswende sprechen, aufzeigen:

    • Lösung des Stauproblems
    • Bessere Gesundheit der Stadtbevölkerung
    • Sicherheit und Vision Zero
    • Klimaschutz

    Dabei wird deutlich werden, dass der Widerspruch Verkehrswende vs. Wirtschaftsinteressen nicht existiert. Vielmehr wird auch der Wirtschaftsverkehr von der Verkehrswende profitieren.

    1. Verkehrswende zur Lösung des Stauproblems

    Das für manche wahrscheinlich überraschendste Argument für die Verkehrswende: Sie wird das Stauproblem lösen. Stau ist auch in Bonn ein Problem, insbesondere im Berufsverkehr. Jahrzehntelang hat man in Deutschland versucht, das Stauproblem durch Bereitstellung von noch mehr Autoinfrastruktur zu lösen: mehr Spuren, neue Straßen. Gelöst wurde das Stauproblem dadurch nicht.

    Grund dafür ist, dass dieser Lösungsansatz ausschließlich den Autoverkehr betrachtet, abgekapselt vom gesamten Verkehr. Es gibt aber nicht “die Autofahrer”, “die ÖPNV-Nutzer”, “die Radfahrer” und „die Fußgänger“. Es gibt Menschen, die von A nach B kommen möchten und dazu das für sie am besten passende Verkehrsmittel wählen. Welches Verkehrsmittel am besten passt, hängt sehr stark von der angebotenen Infrastruktur ab.

    Daher muss man Verkehr in seiner Gesamtheit betrachten. Baut man die Infrastruktur für eine Verkehrsart aus, wird diese Verkehrsart für Menschen komfortabler und mehr Menschen werden sich für diese Verkehrsart entscheiden. Die Nutzung anderer Verkehrsarten lässt nach.

    Genau das ist in Deutschland – und auch in Bonn – über die letzten Jahrzehnte passiert. Bei immer weiterem Ausbau der Autoinfrastruktur bei gleichzeitiger Vernachlässigung der anderen Verkehrsarten (Die letzten Meter neue Straßenbahnschienen wurden in Bonn vor 30 Jahren verlegt. Die meisten Radwege sind nach wie vor unsicher und in schlechtem Zustand.) wurde das Auto für immer mehr Menschen das attraktivste Verkehrsmittel. Mehr  Autoinfrastruktur zieht mehr Autos an.

    Betrachtet man zusätzlich zu dieser Erkenntnis die Tatsache, dass das Auto im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln am meisten Platz benötigt, also sehr ineffizient ist, so liegt es nahe, Verkehr auf alternative Verkehrsmittel verlagern zu wollen, um das Stauproblem zu lösen. Baut man ÖPNV, Rad- und Gehwege aus, so werden diese Verkehrsmittel für mehr Menschen attraktiv. Verkehr verlagert sich auf diese flächeneffizienteren Verkehrsmittel und der verbleibende Autoverkehr fließt besser – sogar wenn Flächen zugunsten anderer Verkehrsmittel umverteilt wurden.

    Natürlich kann nicht jeder vom Auto auf andere Verkehrsmittel umsteigen. Das ist aber auch gar nicht notwendig. Es reicht, wenn die umsteigen, für die es möglich ist. Ca. die Hälfte aller mit dem Auto zurückgelegten Wege ist unter 5 km lang (siehe z.B. hier und hier (S.74)). Das Potential für alternative Verkehrsträger ist riesig. Das zeigt sich daran, dass neue Radwege und Bahnstrecken rege genutzt werden, sobald sie da sind – und auch daran, dass der Radverkehrsanteil am Gesamtverkehrsaufkommen in Bonn sogar trotz schlechter Radinfrastruktur bereits seit Jahren ansteigt.

    Auch wenn es anfangs paradox klingt: Die Umverteilung von Flächen zugunsten von Radverkehr, Zufussgehenden und ÖPNV sorgt für flüssiger fließenden Autoverkehr. Dies liegt an der im Vergleich zum Autoverkehr enorm besseren Flächeneffizienz alternativer Verkehrsträger. Profitieren wird davon insbesondere auch der Wirtschaftsverkehr. Leider übersehen die Bonner Wirtschaftsverbände dies bisher.

    Weitere Informationen zur hier dargelegten Argumentation findet man unter den Stichworten “Induzierter Verkehr” und “Verlagerter Verkehr” (z.B. Wikipedia, Umweltbundesamt, Zusammenfassung des wissenschaftlichen Diensts des Bundestags. Gut verständlich tiefergehend erläutert und mit Quellen belegt auch in den Videos des Youtube-Kanals NotJustBikes).

    2. Verkehrswende für bessere Gesundheit

    Ein weiteres Argument für die Verkehrswende ist die Gesundheit der Anwohner viel befahrener Autostraßen. Autoverkehr erzeugt eine hohe Lärm- und Feinstaubbelastung für Anwohner. In Bonn ist dies besonders relevant. Die A565 führt mitten durch direkt angrenzende Wohngebiete, die vielbefahrene Reuterstraße ebenfalls. Verkehrswendemaßnahmen wie Geschwindigkeitsreduktionen für den Autoverkehr und Verlagerung des Verkehrs auf andere Verkehrsmittel werden diese Gesundheitsrisiken für die Bonner Bevölkerung reduzieren.

    Das Problem ist der Gesundheitsbelastung ist dabei kein kleines. Lesenswert dazu ist z.B. dieser Artikel im Tagesspiegel. In Deutschland sterben im globalen Vergleich verhältnismäßig viele Menschen an den Folgen von Verkehrsabgasen.

    3. Verkehrswende wegen Sicherheit und Vision Zero

    Ein weiteres Argument für die Verkehrswende ist die Vision Zero. Darunter versteht man in Bezug auf Verkehr das Ziel, dass keine Menschen im Verkehr ums Leben kommen. Eine Grundannahme der Vision Zero ist, dass Menschen Fehler machen und die Verkehrsinfrastruktur daher so ausgelegt sein sollte, dass sie fehlertolerant ist. Die Vision Zero ist auch längst festgeschrieben. In der Verwaltungsvorschrift zur StVO wird sie direkt im ersten Paragraphen als oberstes Ziel benannt. Eigentlich Grund genug, auch danach zu handeln.

    Für den Straßenverkehr bedeutet das z.B. sichere, vom Autoverkehr baulich abgetrennte Radwege. Deren einfachste Form sind Protected Bike Lanes wie sie die Stadt Bonn auf der Adenauerallee gerne einführen würde.

    Sicherer, baulich getrennter Radweg in Utrecht in den Niederlanden

    Sicherer, baulich getrennter Radweg in Utrecht in den Niederlanden

    Weitere Maßnahmen, die zur Vision Zero beitragen, sind getrennte Ampelphasen für Zufussgehende und Autofahrende sowie die Reduktion der Geschwindigkeit des Autoverkehrs in der Stadt. Letzteres fordert z.B. die Initiative Lebenswerte Städte, der mittlerweile über 1.000 deutsche Kommunen – u.a. die Stadt Bonn – beigetreten sind.

    Auch eine neue Gestaltung von Kreuzungen trägt zur Vision Zero bei. Reduzierte Kurvenradien verlangsamen den Autoverkehr und verringern dadurch die Gefahr, beim Abbiegen Zufussgehende und Radfahrende zu übersehen. Auch die Anhebung von Kreuzungsbereichen auf Gehwegniveau senkt das Tempo von Autos ab. Gleichzeitig erhöht sich die Barrierefreiheit für Zufussgehende.

    Kreuzung Hauptstraße mit Seitenstraße in Maastricht, Niederlande. Die Gestaltung senkt die Geschwindigkeit abbiegender Autos und erhöht dadurch die Sicherheit.

    Kreuzung Hauptstraße mit Seitenstraße in Maastricht, Niederlande. Die Gestaltung senkt die Geschwindigkeit abbiegender Autos und erhöht dadurch die Sicherheit.

    Es fällt auf, dass viele dieser Maßnahmen darauf abzielen, den Autoverkehr zu verlangsamen. Dies mag auf den ersten Blick als Politik gegen das Auto wahrgenommen werden, ist aber letztendlich nur Ausdruck der Tatsache, dass der Autoverkehr für die weitaus überwiegende Zahl der Todesfälle im Straßenverkehr verantwortlich ist. Zufussgehende und Radfahrende haben keine Knautschzone und müssen daher vor dem Autoverkehr geschützt werden, wenn man die Vision Zero erreichen möchte.

    Dass die Vision Zero erreichbar ist, haben Städte wie Oslo oder Helsinki gezeigt, die durch konsequentes Umsetzen von Verkehrswendemaßnahmen die Anzahl der Verkehrstoten deutlich reduziert haben. Deshalb haben wir einige der oben beschriebenen Maßnahmen in die Radentscheid-Ziele mit aufgenommen.

    In Bonn wird z.Zt. viel über die Adenauerallee diskutiert. Wie oben erwähnt, ist die Vision Zero bereits jetzt rechtlich festgeschrieben Grundlage aller verkehrlichen Maßnahmen – nicht die Leichtigkeit des Autoverkehrs. Etwas unverständlich, dass bei der Adenauerallee trotzdem nur über Letzteres diskutiert wird.

    4. Verkehrswende wegen Klimaschutz

    Schlussendlich zahlt die Verkehrswende auf den Klimaschutz ein. Dieses Argument ist recht offensichtlich. Autos stoßen in großer Menge CO2 aus, was schädlich für das Klima ist. E-Autos werden dieses Problem auf lange Sicht lösen, aber die Geschwindigkeit, mit der sich Autos verbreiten, ist viel zu gering, um der fortschreitenden Klimakrise angemessen zu begegnen. Gerade der Verkehrssektor verfehlt in Deutschland seit Jahren immer wieder seine Klimaziele. Daher ist es notwendig, neben der Elektrifizierung weitere Maßnahmen zu ergreifen, den CO2-Ausstoß im Verkehrssektor zu reduzieren.

    Ein guter Ansatzpunkt ist die Verlagerung von Verkehr weg vom Auto auf andere – klimafreundlichere – Verkehrsträger. Das sind zum Einen die – bereits weitgehend elektrifizierte – Bahn als auch das Fahrrad und natürlich auch das Zufussgehen. Der Trend zum E-Bike als klimafreundliches Verkehrsmittel kommt hinzu. Um diese Verkehrsarten zu fördern, muss ihre Infrastruktur ausgebaut werden. Das geht nur, indem man den vorhandenen Platz neu verteilt, da in einer Stadt wie Bonn kein neuer Platz zur Verfügung steht.

    So in etwa ist die gängige Argumentation für die Verkehrswende auf Basis des Argumentes Klimaschutz. Wie wichtig und dringlich Klimaschutz ist, sehen wir gerade in den letzten Jahren immer mehr.

    Nicht zu unterschätzen sind auch die Folgekosten der Klimakrise, die durch nicht konsequent umgesetzte Klimaschutzmaßnahmen immer weiter ansteigen. Klimaschutz ist nichts Abstraktes. Unterlassener oder verschleppter Klimaschutz wird real Geld kosten. Geld, das die Allgemeinheit bezahlen muss – und damit auch die Bonner Wirtschaft. Die reine Betrachtung vermeintlicher monetärer Nachteile durch die Verkehrswende – so wie die Bonner Wirtschaftsverbände es tun – ohne gleichzeitige Betrachtung der dadurch entstehenden Folgekosten ist inkonsequent und einseitig.

    Fazit

    Verkehrswende dient nicht nur dem Klimaschutz, sondern auch der Gesundheit der Anwohner und der Sicherheit im Straßenverkehr. Dadurch entstehen lebenswerte Städte. Außerdem bietet die Verkehrswende einen klaren Plan zur Lösung des Bonner Stauproblems. Gerade der letzte Punkt widerlegt den eingangs erwähnten Versuch, einen Zielkonflikt zwischen Verkehrswende und Klimaschutz zu formulieren. Die Verkehrswende ist eine durchdachte Strategie zur Lösung unserer Stauprobleme. Davon wird insbesondere der Wirtschaftsverkehr profitieren.

    Klimaschutz und ökonomische Interessen gehen bei der Verkehrswende Hand in Hand. Die Erzählung, die Verkehrswende schade der Bonner Wirtschaft, ist nicht schlüssig und dient einzig der Verhinderung der Umsetzung von Verkehrswendemaßnahmen wie z.B. aktuell der Einrichtung sicherer Radwege auf der Adenauerallee. 

    Geschrieben von Martin P.

  • Die neue Westbahn – Konflikte mit Rad- und Fußverkehr

    Die neue Westbahn – Konflikte mit Rad- und Fußverkehr

    Diese Konfliktpunkte werden in den Ausführungen der entsprechenden Verwaltungsvorlage nicht adressiert. Dabei geht es insbesondere um den Bereich der geplanten Viktoriaunterführung. Die Verwaltung präferiert hier für die Westbahn eine als “A3-V1” benannte Variante, bei der die Westbahn die Gleise der DB in einem Tunnel unterquert und dann vor dem Südende der Viktoriaunterführung in einem Trog entlang geführt wird.

    Viktoriaunterführung als Teil der Ost-West-Achse für den Radverkehr

    Die Stadt Bonn plant und baut seit einigen Jahren eine sogenannte Ost-West-Achse für den Radverkehr. Diese verläuft von Beuel kommend über die Konrad-Adenauer-Brücke, die Oxfordstraße, durch die Viktoriaunterführung und weiter in Richtung der westlichen Bonner Stadtteile – entweder über Endenicher Straße und Hermann-Wandersleb-Ring oder über den im Rahmen des Projektes Innovationsdreieck neu zu bauenden Radweg an der Immenburgstraße inkl. einer geplanten neuen Rad- und Fußgängerbrücke über die A565 und weitere in die neu einzurichtende Fahrradstraße Steinweg.

    Die folgende Abbildung stellt den Verlauf dieser Ost-West-Achse im Bereich der Viktoriaunterführung dar (grüner Linienverlauf). Die gelbe Linie zeigt die aktuelle Verkehrsführung für den Radverkehr (vor Ausbau der Viktoriaunterführung) über die Bornheimer Straße und die Viktoriabrücke.

    Die ausgebaute Viktoriaunterführung soll für den Radverkehr in unserer Stadt also eine zentrale Bedeutung erhalten. Nach den bisherigen Planungen der Stadt als Teil der Ost-West-Achse ist ein sehr hohes Radverkehrsaufkommen in der Viktoriaunterführung zu erwarten.

    Dementsprechend war bisher am Südende der Unterführung eine breite Rampe als gemeinsamer Zweirichtungs-Geh- und -Radweg vorgesehen (vgl. Plan im Ratsinformationssystem). Über diese Rampe sollte die Unterführung sowohl an die Kreuzung Viktoriabrücke – Endenicher Straße – Wittelsbacher Ring als auch unter der Viktoriabrücke hindurch an den neu zu bauenden Radweg an der Immenburgstraße angebunden werden sollte.

    Platzprobleme durch die Westbahn-Planungen

    Die geplante Führung der Westbahn südlich der Viktoriaunterführung im Trog verläuft genau auf dem für die gerade genannte Rampe vorgesehenen Platz. Im Dokument “Westbahn Stand Vorplanung” der aktuellen Vorlage zur Westbahn lässt sich dies auf Seite 4 nachvollziehen. Die unter den Westbahngleisen durchscheinenden weißen Markierungen stellen die bisherige Planung für den Fuß- und Radverkehr dar.

    Planskizze Unterführung Westbahn Bonn

    Durch die beengten Platzverhältnisse vor dem Südende der Viktoriaunterführung scheint kein Platz zu bleiben für eine Rampe, deren Breite einem gemeinsamen Zweirichtungs-Geh- und -Radweg als Teil der zentralen Ost-West-Achse für den Radverkehr gerecht werden würde. Die Vorplanung sieht z.Zt. eine anscheinend unter drei Meter breite Rampe vor. Dies muss als nicht ausreichend angesehen werden. Aufgrund der geringen Rampenbreite ist mit  Konflikten zwischen Zufußgehenden und Radfahrenden zu rechnen.

    Auswirkungen auf den Radverkehr

    Eine Führung des Radverkehrs über diese beengte Rampe in die Viktoriaunterführung hinein birgt hohes Konfliktpotential – insbesondere, da sich an die Rampe eine 90-Grad-”Kurve” in die Unterführung hinein anschließt. Insbesondere für Lastenräder sowie Fahrräder mit Anhängern ist die geplante Rampe deutlich zu schmal. Aber auch für Begegnungsverkehr normaler Fahrräder bietet diese Planung nur sehr wenig Platz – insbesondere, da hier auch Mischverkehr mit dem Fußverkehr geplant ist.

    Auswirkungen auf den Fußverkehr

    Auch auf den Fußverkehr hat die vorgelegte Planung negative Auswirkungen. Der Verbindungsweg von der Viktoriaunterführung zur Kreuzung Viktoriabrücke – Endenicher Straße – Wittelsbacher Ring ist in einer Art Trog mit einem gebogenen Verlauf geplant. Dadurch wird der Weg schlecht einsehbar und hat leider das Potential, zu einem Angstraum zu werden.

    Zudem sind für Zufussgehende mit dem Radverkehr sowohl auf diesem Verbindungsweg als auch auf der oben bereits beschriebenen zu schmalen Rampe am Südausgang der Viktoriaunterführung Konflikte zu erwarten. Die bisherige Planung sah breite, gut einsehbare Wege vor, so dass Radfahrende und Zufussgehende frühzeitig andere Verkehrsteilnehmer sehen und entsprechend reagieren können. Dies ist im Mischverkehr unabdingbar. Die neue Planung sieht deutlich schlechter einsehbare und – insbesondere in den Kreuzungsbereichen – schmalere Wege vor. Dadurch wird das Konfliktpotential zwischen Fuß- und Radverkehr erhöht.

    Sichere Radwege auf Endenicher Straße und Hermann-Wandersleb-Ring?

    Neben dem Bereich der Viktoriaunterführung sehen wir Optimierungspotential bei den geplanten Radwegen an der Endenicher Straße und dem Hermann-Wandersleb-Ring. Die Verwaltung sieht für diese Straßen in der aktuellen Planung zwar zwei Meter breite Radwege vor, plant aber ohne Sicherheitsabstand zur Fahrbahn für den Autoverkehr. Daraus schließen wir, dass dort Radwege ohne bauliche Trennung zum Autoverkehr vorgesehen sind.

    Vorschläge zur besseren Einbeziehung der Radverkehrsplanungen

    Zur besseren Einbeziehung der Radverkehrsführung in die Planungen zur Bonner Westbahn haben wir zwei konkrete Vorschläge:

    1. In den Planungen ist eine Rampe für Zufussgehende und Radfahrende aus dem Trog hinaus in Richtung Herwarthstraße vorgesehen (auf der Südseite der Westbahngleise). Für Radfahrende sehen wir in dieser Verkehrsführung keinen Mehrwert. Aus der Herwarthstraße kann man direkt auf die Endenicher Straße fahren. Entfällt die Rampe Richtung Herwarthstraße, so kann die Rampe zur Viktoriaunterführung wieder eine ausreichende Breite für einen Zweirichtungs-Geh- und -Radweg erhalten, indem die Westbahngleise etwas weiter Richtung Süden verlegt werden.
    Eine Verbindung zur Herwarthstraße für Zufussgehende kann entweder über die bereits in der ursprünglichen Planung vorgesehene Treppe am Ende der Unterführung (in der Abb. blau hinterlegt) oder über einen Steg oberhalb der Westbahngleise (in der Abb. grün hinterlegt) erreicht werden.

    Diesem Vorschlag liegt eine bewusste Entscheidung zugrunde, die Sicherheit auf der Hauptrampe zur Gleisunterführung zu steigern. Wir gewichten sie höher als eine direkte barrierefreie Erschließung in die untergeordnete Richtung Herwarthstraße. Der barrierefreie Anschluss der Herwarthstraße wäre dann mit einem Umweg von ca. 150 m verbunden.

    2. Da die Endenicher Straße und der Hermann-Wandersleb-Ring im Zuge des Baus der Westbahn komplett neu gestaltet werden, schlagen wir vor, dort sichere, vom Autoverkehr getrennte Radwege zu planen. Dies bedeutet mindestens eine Umsetzung als Protected Bike Lane, besser noch als vom Autoverkehr klar abgetrennter Hochbordradweg. Nur durch eine farbliche Markierung vom Autoverkehr getrennte Radwege halten wir bei der völligen Neugestaltung einer Straße für nicht mehr zeitgemäß. Wir regen an, eine Ausführung als Hochbordradweg für die weitere Planung vorzugeben.

    Fazit

    Der Radentscheid Bonn begrüßt und befürwortet den Bau der Westbahn. Die nun vorgelegten Vorplanungen bedeuten allerdings große Eingriffe in die geplante Ost-West-Achse für den Radverkehr. Eine Anpassung der Planung zur Entschärfung der zu erwartenden Konflikte am Südende der Viktoriaunterführung ist aus unserer Sicht unabdingbar. Um der steigenden Bedeutung des Radverkehrs gerecht zu werden, sollte die Chance genutzt werden, die Radwege an der Endenicher Straße und am Hermann-Wandersleb-Ring als sichere, vom Autoverkehr getrennte Hochbordradwege anzulegen.

    Geschrieben von Martin P.

  • Ein neuer Busbahnhof mit Überraschung im Keller!

    Ein neuer Busbahnhof mit Überraschung im Keller!

    Dass der Busbahnhof erneuert werden muss, braucht man in Bonn niemandem zu erzählen. Um das zu sehen, reicht ein kurzer Blick auf den aktuellen Zustand des ZOB. Umso schöner, dass die Stadt nun die Planungen für den neuen ZOB veröffentlicht hat! Wir schauen uns an, wie die Interessen des Fuß- und Radverkehrs in den Planungen berücksichtigt werden.

    Schon mal vorab: Ich finde die Planung grundsätzlich gelungen! Die Radverkehrsführung ist vom Busverkehr entkoppelt. Eine große Fahrradgarage soll entstehen. Für den Fußverkehr sehe ich allerdings Optimierungspotential.

    Was ist geplant?

    Einen guten Überblick über die Planungen erhält man sowohl in der Pressemeldung der Stadt Bonn (dort finden sich u.a. Visualisierungen des künftigen ZOB) als auch in der Vorlage für die politischen Gremien im Ratsinformationssystem. Letztere enthält viele Pläne und Querschnitte. Für uns interessant ist insbesondere die Verkehrsplanung.

    Die folgende Abbildung gibt einen groben Überblick über die Planung. Rot gestrichelt ist der Bereich des heutigen ZOB dargestellt. Der grün hinterlegte Bereich zeigt die Fläche des künftigen Busbahnhofs. Es wird deutlich, dass der neue ZOB größer wird und auch die bisher eigentlich nicht genutzten Flächen zwischen dem heutigen Busbahnhof und dem Maximilian-Center (Primark, ehemals Südüberbauung) zugeschlagen bekommt.

    Künftige Radverkehrsführung

    Die Führung für den Radverkehr wurde im Zuge der Planungen u.a. mit dem ADFC diskutiert. Das Ergebnis kann sich aus meiner Sicht sehen lassen!

    Die folgende Abbildung zeigt die Radverkehrsführung in rot (aus Kaiserstraße Richtung Hbf und andersherum) sowie in blau (aus der Südunterführung heraus Richtung Hbf).

    (Die rot gestrichelte Linie ist eine im Vorfeld diskutierte, aber verworfene Führung des Radverkehrs in Richtung Hauptbahnhof.)

    Schöne Radverkehrsführung in Richtung Kaiserstraße

    In Richtung Kaiserstraße soll der Radverkehr künftig nicht über den ZOB, sondern auf der Südseite der Südunterführung – also vor Gleis 1 des Hbf entlang – geführt werden. Über die Fuß- und Radverkehrsunterführung unter den Bahngleisen am Kaiserplatz führt bereits jetzt eine weitestgehend unbekannte Brücke parallel zu den Bahngleisen. Über diese soll künftig der Radverkehr Richtung Kaiserstraße geführt werden.

    Diese Führung in Fahrtrichtung Kaiserstraße finde ich gut. Sie vermeidet Konflikte mit den Bussen, indem sie den Radverkehr um den neuen ZOB herum führt – und dazu sogar bestehende Wege nutzt, die bisher einfach nicht sinnvoll verwendet wurden. Auch Konflikte mit dem Autoverkehr in Richtung Südunterführung werden weitestgehend vermieden.

    Ein notwendiger Kompromiss in Fahrtrichtung Hauptbahnhof

    In die andere Fahrtrichtung – also aus der Kaiserstraße kommend Richtung Hauptbahnhof – soll der Radverkehr künftig dort geführt werden, wo jetzt die Maximilianstraße (der ehemalige City-Ring) verläuft – also zwischen ZOB und den angrenzenden Gebäuden. Autoverkehr soll dort künftig nicht mehr stattfinden.

    Diese Führung ist zwar nicht optimal, stellt aber aus meiner Sicht den besten Kompromiss dar. Grundsätzlich wäre es schöner, wenn der ZOB für den Fußverkehr direkt an die Geschäfte in den umliegenden Gebäuden und an die Fußgängerzone (Gangolfstraße) anschließen würde. Die Planung sieht nun einen Radweg vor, der den ZOB von den Geschäften und der Fußgängerzone trennt. Das ist für den Fußverkehr nicht optimal.

    Die Frage ist allerdings: Was wäre die Alternative gewesen? Irgendwie muss der Radverkehr aus der Kaiserstraße Richtung Hauptbahnhof geführt werden. Diskutiert wurde eine alternative Führung, die ich in der obigen Abbildung blass rot gestrichelt dargestellt habe. Bei dieser Führung wäre der Radverkehr aus der Kaiserstraße kommend links um den ZOB herumgeführt worden.

    Problematisch bei dieser alternativen Führung ist das Zusammentreffen des Radverkehrs mit den Bussen, die in den ZOB ein- und ausfahren. Der Radverkehr würde hier sowohl die in den ZOB abbiegenden Busse aus Richtung Hauptbahnhof, die in den ZOB abbiegenden Busse aus der Südunterführung kommend sowie die Busse aus dem ZOB in eben diese beiden Richtungen kreuzen. Mit Blick auf die Vielzahl der am ZOB haltenden Busse birgt eine solche Führung hohes Konfliktpotential – insbesondere, da der Radverkehr hier in sehr spitzem Winkel zu den Bussen aus der Südunterführung und dem ZOB geführt würde und somit die Sichtbeziehungen denkbar schlecht wären. Ausführlicher und bebildert hat dies der ADFC in seiner Stellungnahme zur Planung erläutert.

    Die nun favorisierte Führung entlang der jetzigen Maximilianstraße entkoppelt den Rad- und den Busverkehr vollständig, was das Konfliktpotential zwischen diesen beiden Verkehrsmitteln auflöst. Dafür entstehen auf der anderen Seite potentiell Konflikte zwischen Radverkehr und Zufussgehenden, die vom ZOB in Richtung Fußgängerzone (oder andersherum) gehen möchten.

    Ich halte die von der Stadt favorisierte Führung entlang der Maximilianstraße für den besseren Kompromiss. Die alternative Führung würde einen Unfallschwerpunkt schaffen. Im Prinzip bleibt es bei der bereits jetzt vorhandenen Verkehrsführung, bei der Radfahrende über den gekappten City-Ring fahren – künftig allerdings nur noch in eine Richtung. Ich denke, die Erfahrungen seit Kappung des City-Rings zeigen, dass das Zusammenspiel von Radfahrenden und Zufussgehenden hier ganz gut funktioniert.

    Eine große Parkgarage für den Radverkehr!

    Ein Highlight aus Sicht der Radfahrenden ist sicherlich die geplante Fahrradgarage unter dem neuen Busbahnhof. Dieser Plan zeigt die künftige Garage mit Platz für etwa 650 Fahrräder. Insbesondere die komplett vom Busverkehr getrennte Zufahrt (siehe Abbildung oben) finde ich sehr gut gelöst. Es wird möglich sein, direkt von den Radwegen die Fahrradgarage anzufahren.

    Gemeinsam mit den Radstellplätzen im geplanten neuen Parkhaus an der Quantiusstraße (ca. 780 Stellplätze) und den bereits vorhandenen Stellplätzen im Parkhaus Rabinstraße (180 Stellplätze) stehen dann rund um den Hauptbahnhof über 1.500 Garagenstellplätze zur Verfügung. Hinzu kommen noch ca. 350 Dauerparkerplätze in der Radstation an der Quantiusstraße. Dass diese Stellplätze dringend notwendig sind, verrät ein Blick an sämtliche Laternen, Schilder und Zäune rund um den Hauptbahnhof, die aktuell eigentlich rund um die Uhr mit angeschlossenen Fahrrädern vollgeparkt sind. Der Bedarf ist da.

    Die Radgarage unter dem ZOB ist ein Riesenschritt, der nicht nur Pendlern, die mit dem Fahrrad zum Bahnhof fahren, viel bringen wird. Auch Besucher der Bonner Innenstadt und damit auch der Bonner Einzelhandel werden von den Garagen profitieren. Die Innenstadt wird mit dem Fahrrad besser erreichbar sein, wenn man sein Fahrrad vernünftig und sicher abstellen kann. So schafft der neue ZOB nicht nur ein schönes neues Entree zur Innenstadt für ÖPNV-Nutzer, sondern auch für Radfahrende.

    Visualisierung Busbahnhof Bonn
    Visualisierung: Stadt Bonn

    Optimierungspotential für den Fußverkehr

    Für den Fußverkehr sehe ich in den Planungen für den neuen ZOB Optimierungspotential. Dies wird deutlich, wenn man sich die Verkehrsplanung ansieht. Es stellt sich die Frage, wie Zufussgehende eigentlich die Mittelinsel des Busbahnhofs erreichen sollen. Zwar gibt es Rolltreppen und Aufzüge runter in Richtung Ladenzeile und Stadtbahn. Dieser Weg wird wohl aber vornehmlich von Menschen verwendet werden, die vom Hauptbahnhof oder der Stadtbahn kommen bzw. dorthin wollen.

    Menschen, die in die Innenstadt, also die Fußgängerzone, möchten oder von dort kommen, werden nicht erst eine Etage heruntergehen, um dann wieder auf die Mittelinsel des ZOB hinaufzugehen. Nein, diese Menschen werden – wie auch heute bereits – direkt aus der Fußgängerzone (wohl primär aus der Ecke Gangolfstraße / Maximilianstraße) oberirdisch zum ZOB gehen. Dabei müssen sie sowohl einen Radweg als auch – auf dem Weg zur Mittelinsel – die sehr breite Busspur kreuzen.

    In den Plänen sind weder auf dem Radweg noch auf der Busspur Zebrastreifen vorgesehen. Lediglich ein mit einem Umweg verbundener Fußgängerüberweg auf die Rückseite des Maximilian-Centers zu ist geplant. Das erscheint mir für Zufussgehende nicht sehr komfortabel. Es braucht eine möglichst direkte Verbindung von der Mittelinsel in Richtung Gangolfstraße / Maximilianstraße. 

    Z.Zt. machen die Planungen für den ZOB eher den Eindruck, für Busverkehr optimiert zu sein als für Fahrgäste. Dabei sollten letztere doch im Mittelpunkt stehen. Aus meiner Sicht braucht die Planung bessere Überwege für Zufussgehende von der Mittelinsel in die Stadt hinein. Ansonsten erhalten wir wieder die Situation wie bereits heute: Menschen laufen hektisch zwischen den Bussen hindurch zu den Bussteigen.

    Trotz dieser Mängel kann ich für Zufussgehende auch viel Gutes in den Plänen erkennen. Die unwirtliche Rampe hinunter Richtung Stadtbahn macht Platz für eine zeitgemäße und barrierefreie Kombination aus Rolltreppen, Treppen und Aufzügen. Die Mittelinsel wird breit und bietet somit Wartenden ausreichend Platz. Dass die Wesselstraße zur Fußgängerzone werden soll, macht den direkten Fußweg Richtung Münster und Universität angenehmer.

    Die Idee einer direkten Zuwegung vom Kaiserplatz aus finde ich auch gut. Der jetzige Zustand mit plattgetrettenem Rasen zeigt eindeutig den Bedarf dafür. Leider fehlt aber auch aus dieser Richtung ein sicherer Überweg hin zur Mittelinsel des ZOB.

    Und zu guter Letzt: Es wird ein Dach geben, das vor Regen schützt. Mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen am ZOB ist das ja ein nicht zu vernachlässigender Punkt.

    ZOB Mittelinsel
    Visualisierung: Stadt Bonn

    Fazit

    Dass die vorgelegten Planungen im Vergleich zum jetzigen Zustand wie ein riesiger Schritt nach vorne wirken, überrascht mich nicht wirklich. Der jetzige Bonner Busbahnhof ist einfach ein Schandfleck. Viel zu lange wurde hier nichts investiert. Es wird Zeit, dass endlich etwas passiert und der Neubau losgeht.

    Dass die vorgelegte Planung nicht alles optimal lösen kann, liegt wahrscheinlich an den nun mal doch recht beengten Platzverhältnissen. Mehr Bussteige als jetzt plus Wartepositionen für Busse müssen halt auch irgendwo hin. 

    Es ist gut und richtig, dass die Stadt nun noch eine Bürgerbeteiligung durchführen möchte. Hoffentlich kann dadurch die Situation für Zufussgehende noch verbessert werden. Im Großen und Ganzen hoffe ich allerdings, dass es keine grundlegenden Änderungen an der Planung mehr geben wird, damit am ZOB endlich etwas passiert und nicht noch mehr Jahre ins Land gehen. Als Eingangstor zur Bonner Innenstadt und insbesondere für die Fahrgäste ist der jetzige Zustand des Busbahnhofs nicht mehr tragbar. Dass bei der Planung auch die Belange des Radverkehrs berücksichtigt wurden und endlich eine große Radgarage in Bahnhofsnähe entsteht, ist sehr erfreulich.

    Geschrieben von Martin P.