Schlagwort: Verkehrswende

  • Die Wahrheit liegt auf dem Tisch – Der Transparenzbericht zum Radentscheid

    Die Wahrheit liegt auf dem Tisch – Der Transparenzbericht zum Radentscheid

    Zuerst einmal ist es in unseren Augen sehr positiv, dass ein solch wichtiges, umfangreiches und langfristiges Projekt wie der Radentscheid in einem Bericht transparent dargestellt wird. Im siebten Ziel des Radentscheids ist diese Transparenzforderung und ein jährlicher Bericht mit Diskussion in den politischen Gremien und in einer Bürgerversammlung festgeschrieben. Der Bericht liegt vor. Und die Bilanz lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: 

    In zwei Jahren (2021/22) wurden 

    – die Netzplanung für Haupt- und Nebenrouten erarbeitet und gleichzeitig mit dem Transparenzbericht öffentlich vorgestellt. Bald geht sie in die politischen Gremien.

    – 6,6 km Radwege, Radstreifen, Umweltstreifen oder Fahrradstraßen gebaut bzw. markiert.

    – 2 Einmündungen niveaugleich, wie im Radentscheid beschlossen, umgebaut.

    – 704 Fahrradabstellplätze eingerichtet, davon sind 120 überdacht und 21 in abschließbaren Boxen.

    Bisher wurde keine Kreuzung entsprechend der beschlossenen Standards realisiert.

    Liebe Stadt, das ist wenig. Gemessen an den geforderten 15 km Radwege jährlich liegen wir bei 22 %. Und das ist noch der höchste Wert. Bei den Kreuzungen 0%, bei den Einmündungen 5 % und bei den Abstellplätzen 12 %. Selbst wenn man einrechnet, dass man nicht direkt nach dem Beschluss mit dem Bauen loslegen kann, weil viele Projekte eine lange Planungszeit haben, ist das wenig. Und trotzdem spricht der Bericht bei dem Bau der Radwege über eine Steigerung von über 260 % gegenüber den Vorjahren. Das ist vielleicht ein Hinweis, warum so unglaublich viele Menschen unser Bürgerbegehren unterschrieben haben.

    Aber schauen wir in die Zukunft. Da weist der Bericht einiges auf: 2,3 km Radstreifen auf der Ost-West-Achse zwischen Bertha-von-Suttner-Platz und Endenich sind in Planung. 2,2 km auf der Nord-Süd-Achse vorwiegend auf der Adenauerallee. 1 km ist im Innovationsdreieck Immenburgstraße geplant. Und ein weiterer Teil der 2012 beschlossenen Fahrradstraßen, zusammen 23 km, sollen markiert werden. Dazu kommen kleinere Lückenschlüsse. In der Summe sprechen wir von annähernd 30 km – das Pensum von 2 Jahren Radentscheid.

    Aber wie wahrscheinlich ist, dass auch Realität wird, was jetzt in verschiedenen Planungsstadien ist? An dieser Stelle zeigt der Transparenzbericht eine der großen Schwächen des Prozesses auf: Es gibt keine Verbindlichkeit für zukünftige Umsetzungen. Vieles braucht noch die Zustimmung und das Mitwirken von Ämtern und Firmen und alles einen gesonderten politischen Beschluss. In manchen Stadtteilen muss sogar jeder einzelne Fahrradständer in der Bezirksvertretung beschlossen werden. So stehen die 30 km zwar als breiter Balken in einem Schaubild im Bericht, allein bei der Jahreszahl scheint ein Fehler unterlaufen zu sein. Dort steht „2023+“. Aber plus was? Ein Jahr? Fünf Jahre? Eine Ewigkeit? Legt man einen harten Maßstab an, was geplant und beschlossen ist, so dass es bald umgesetzt werden kann, dann bleibt kaum etwas übrig.

    Also müssen wir die 30 km realistisch nehmen. Schauen wir uns vielleicht ein Vorgängerprojekt an. Eine der zuletzt umgesetzten Maßnahmen beruhen auf den Beschlüssen, im Rahmen des europäischen Förderprogramms „Emissionsfreie Innenstadt“ über 6 km Radwege auszubauen. Das war politisch beschlossen und die Förderzusagen lagen vor. Leider ließen sich nur 1,8 km davon realisieren. Partikularinteressen beim Grundstückerwerb oder unterschiedliche Ansichten beim Naturschutz waren die Haupthindernisse. 30% von mehrheitlich im Rat beschlossenen und finanzierten Maßnahmen wurden Realität. Die Realität in Form eines um einen Meter verbreiterten Rheinauenradweg.

    Neblige Aussagen finden sich im Transparenzbericht bei den Ausführungen darüber, wie Geh- und Radwege nutzbar gehalten werden. Es wird überlegt, „inwieweit die Kapazitäten für den Winterdienst ausgebaut werden sollen“. Bei der Baustellenführung „orientiert man sich an der Straßenverkehrsordnung“. An anderer Stelle steht: „Hierunter fallen eine sichere und gleichberechtigte Baustellenführung des Fuß- und Radverkehrs.“ Und bei der Parkraumüberwachung wurden „keine ergänzenden Maßnahmen getroffen, da sich die Parkraumüberwachung bereits zuvor gleichermaßen auf Geh- und Radweg konzentriert hat.“ Scheinbar ist schon alles gut. Es wird in diesem Kapitel an keiner Stelle angedeutet, dass man eine Gleichbehandlung von Fuß-, Rad- und Autoverkehr anstrebt, was wirklich wichtig wäre. Weder bei Bonn Orange, noch bei der Baustelleneinrichtung oder beim Ordnungsamt. Es bleibt beim Primat des Autos.

    Der Bericht legt in seinem Fazit dar, dass man zwar versucht habe, die erforderlichen Ressourcen und Strukturen zu schaffen sowie die Planungsprozesse zu beschleunigen. Bis heute sind aber nicht alle der geschaffenen Stellen besetzt, weil es an Bewerber*innen mangelt. Daher kommt die Verwaltung zu dem Schluss: „Dort, wo die Zielumsetzung des Radentscheid jedoch mit größeren Umplanungen verbunden ist, werden die zeitlichen Fristen des Bürgerbegehrens auch zukünftig nicht eingehalten werden können. Die Stadt Bonn erarbeitet daher derzeit einen Umsetzungsfahrplan. Hierin soll unter Berücksichtigung der oben genannten Faktoren ein ambitionierter, aber angepasster Zeitplan für die Umsetzung der Radentscheid Maßnahmen erarbeitet und mit der Politik abgestimmt werden.“ Und hier macht der Transparenzbericht was er verspricht. Er macht offensichtlich: Auch nach mehr als zwei Jahren seit dem Beschluss des Radentscheids gibt es keinen Plan für dessen Umsetzung. Schon lange warten wir auf diesen Umsetzungsplan und es wäre das Mindeste gewesen, sich hier endlich mal ein verbindliches zeitliches Ziel zu setzen.

    Aber ich will positiv enden, denn der Transparenzbericht erfüllt wirklich seine Funktion: Er macht transparent. Abgesehen von ein paar Ungenauigkeiten und dem sicher berechtigten Anliegen, die positiven Dinge herauszustellen, zeichnet der Bericht ein realitätsnahes Bild. 

    Daher ist klar, dass einige gute Planungen auf dem Tisch liegen. Jetzt liegt es an der Politik, diese den Bürger*innen zu vermitteln und ihnen die Mehrheiten bei der Beschlussfassung zu geben. Das wird nicht einfach, weil es um Umverteilung geht, die Emotionen weckt. Aber wir erinnern immer wieder an die fraktionsübergreifende Unterstützung beim Beschluss des Radentscheids. Damals war es ein Grundsatzbeschluss. Jetzt geht es um die Realisierung. Jetzt muss sich zeigen, wer seinen Worten Taten folgen lässt.Und es gibt einen weiteren positiven Aspekt: Durch den Radentscheid sind die Bedürfnisse der Radfahrenden in klaren Zahlen von Ausbaustandards und -mengen formuliert worden. Das macht etwas in den Diskussionen in Verwaltung und Politik. Wir haben den Eindruck, dass die Diskussionen konkreter werden und der Radverkehr sich nicht mehr so leicht zurückstellen lässt. Vor dem Radentscheid wäre ein Fahrradstreifen auf der Oxfordstraße undenkbar gewesen. Jetzt ist das Thema präsent. Und das ist gut so. Nur mit ausreichend guten, durchgängigen, sicheren und intuitiv zu nutzenden Radwegen wird sich der Verkehr der Zukunft mit einer menschenfreundlichen Stadt verbinden lassen.

    Zum Transparenzbericht der Stadt Bonn

  • Klimaplan für Bonn – Was bedeutet das für die Bürger*innen?

    Klimaplan für Bonn – Was bedeutet das für die Bürger*innen?

    Bonn wird klimaneutral! Als Radentscheid setzen wir uns nicht nur füreine lebenswerte und kinderfreundliche Stadt ein, sondern wollen auch die schädlichen Klimawirkungen des Verkehrs begrenzen. Daher hat die Nachricht über die Verabschiedung des Klimaplans für Bonn große Freude bei allen Aktiven im Radentscheid ausgelöst.

    Am 23. März 2023 hat der Rat der Stadt Bonn den von Oberbürgermeisterin Katja Dörner vorgelegten Klimaplan verabschiedet. Der Klimaplan beinhaltet eine Strategie und einen Umsetzungsplan für eine klimaneutrale Stadt Bonn bis zum Jahr 2035, unter Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels. Für uns ist natürlich besonders interessant, welche Rolle der Verkehrsbereich spielt, und was bedeutet der Klimaplan für die Bürgerinnen und Bürger in Bonn?

    Ein Beschluss aus dem Jahr 2019

    Die Entscheidung, Bonn zu einer klimaneutralen Stadt zu machen, ist nicht ganz neu. Schon im Jahr 2019 entschied der Rat, damals noch unter Oberbürgermeister Sridharan, Bonn bis spätestens 2035 klimaneutral zu gestalten. Der damalige Beschluss war noch recht schwammig formuliert und wurde seitdem konkretisiert. Die Stadt beauftrage ein Gutachten um das CO2-Budget für Bonn und einen Paris-konformen Zielpfad zu entwickeln, sowie ein Arbeitsprogramm für die Umsetzung. Damit wurde das Ziel Klimaneutralität konkretisiert und auf die verschiedenen Handlungsfelder heruntergebrochen.

    Reduktion um mehr als 90 Prozent

    Die gute Nachricht ist, dass ein klimaneutrales Bonn bis 2035 noch erreichbar ist, es ist also noch nicht zu spät. Allerdings sind erhebliche Anstrengungen erforderlich, und alle Akteure der Stadtgesellschaft werden dazu beitragen müssen: Bürger*innen, Unternehmen, die Stadtverwaltung und städtische Einrichtungen. Eine Zahl macht besonders deutlich, wie tiefgreifend die Transformation sein muss. Bis zum Jahr 2035 müssen 93% der Treibhausgasemissionen des Jahres 2020 reduziert werden. 93 Prozent! Die restlichen, unvermeidbaren Emissionen müssen durch natürliche CO2-Senken wie Wälder auf Bonner Stadtgebiet, oder auch technische Lösungen, kompensiert werden. Damit ist klar, dass das Tempo der Reduktion massiv beschleunigt werden muss. In den letzten 30 Jahren, seit 1990, sind die Emissionen in Bonn nur um 27% gesunken. Jetzt sollen in nur 12 Jahren mehr als 90% reduziert werden – eine riesige Herausforderung.

    Mobilität: zweitgrößtes Reduktionspotenzial

    Der Klimaplan identifiziert sechs Handlungsbereiche, in denen Treibhausgase zukünftig reduziert werden sollen. Nach dem Gebäudebereich mit einem Reduktionsbeitrag von 34% hat der Mobilitätsbereich einen Anteil von 30% an der erforderlichen Gesamtreduktion der Treibhausgase (Abbildung 1). Mobilität und Verkehr in Bonn sind damit ein sehr wichtiger Teil der Strategie zum Erreichen der Klimaneutralität.

    Abbildung 1

    Schauen wir uns doch mal genauer an, was der Klimaplan im Bereich Mobilität vorsieht. Erfreulich: neben gezielten Maßnahmen zur Förderung von umweltfreundlichen Verkehrsarten sieht der Klimaplan zielgruppenspezifische Maßnahmen und Anpassungen in der Raumplanung vor.

    Mehr Wege mit dem Rad

    Der Anteil des Radverkehrs in Bonn beträgt 15%, und im Klimaplan wird festgestellt, dass die Zufriedenheit mit der Radinfrastruktur in Bonn zu wünschen übrig lässt. Der Klimaplan zielt darauf ab, die Anzahl der Wege mit dem Fahrrad deutlich zu steigern und sowohl Quantität als auch Qualität der Radinfrastruktur deutlich zu verbessern. Damit das geschehen kann, sind umfassen Maßnahmen erforderlich. Explizit nennt der Klimaplan die Annahme des Radentscheids durch den Stadtrat im Jahr 2021. Für den Radverkehr ist eine Vielzahl von Maßnahmen vorgesehen:

    1. Ein sicher und komfortabel zu nutzendes Radwegenetz: dieses soll für alle Bonner*innen jeden Alters zu nutzen sein. Ein Hauptroutennetz inklusive Radpendlerrouten, die gegenüber dem motorisierten Verkehr Vorrang haben, soll bis 2025 eingerichtet werden.
    2. Umverteilung des Straßenraums: die Qualität der Radinfrastruktur soll verbessert werden, indem Fahrradstraßen eingerichtet werden und Radwege eine Mindestbreite von 2m pro Richtung bekommen, wo möglich als baulich getrennte Führung. Dazu soll „bei Bedarf“ der Straßenraum umverteilt werden.
    3. Pop-up-Radwege sollen als kurzfristige Maßnahme eingesetzt werden, wenn eine aufwändigere bauliche Umgestaltung erst langfristig erfolgen kann.
    4. Ausbau in Problemlagen: wo besondere Probleme für den Radverkehr bestehen, z.B. in Innenstadtbereichen mit hohem Verkehrsaufkommen oder in Gebieten mit fehlenden Radwegen, sollen Radwege gebaut und qualitativ verbessert werden.
    5. Grüne Welle: Um schnelle Verbindungen im Stadtgebiet zu ermöglichen, sollen Radwege kreuzungsfrei oder mit grüner Welle an Ampelkreuzungen geführt werden.
    6. Radwege nutzbar halten: damit greift die Stadt unsere Forderung nach ganzjähriger Nutzbarkeit der Radinfrastruktur auf, dass Radwege freigehalten werden von Bewuchs, Schnee oder Mülltonnen.
    7. Wegweisung verbessern
    8. Verknüpfung mit ÖPNV verbessern: durch mehr und komfortablere Radabstellanlagen an Haltestellen des ÖPNV soll die Verbindung von Rad mit Bussen und Bahnen erleichtert werden. Diebstahlsichere und witterungsgeschützte Anlagen sollen eingerichtet werden.
    9. Werbung für den Radverkehr: eine durchgängige Öffentlichkeitsarbeit und Kampagnen sollen die Bürger*innen besser informieren und auf die Qualität des Angebots hinweisen.

    In der Haushaltsplanung wird das Budget für den Radverkehr auf Kopenhagener Niveau angehoben. Zukünftig sind 35€ pro Kopf für den Radverkehr vorgesehen.

    Freie Gehwege in Bonn

    Die Bonner*innen gehen bereits relativ viel zu Fuß: 27-28% beträgt der Anteil des Fußverkehrs am Modal Split, der etwas über dem Durchschnitt anderer Städte mit vergleichbarer Größe. Dennoch gibt es noch Potenzial, den Anteil weiter zu steigern. Dafür sind folgende Maßnahmen geplant:

    1. (Halbseitiges) Gehwegparken sollte dort entfallen, wo die Restgehwegbreite das Mindestmaß von 1,50 m unterschreitet. Die Gehwege sollen grundsätzlich 2,50m breit sein – wie im Radentscheid gefordert.
    2. Niveaugleiche Führungen und Absenkungen von Bordsteinkanten
    3. Konsequentes Abschleppen von Falschparkenden und Ahnung von Parkverstößen auf Gehwegen
    4. Ausweisen von Abstellflächen für Fahrräder und Roller abseits der Gehwege
    5. Verbesserte Ampelschaltungen und Verlängerung der Grünphasen für den Fußverkehr
    6. ÖPNV-Haltestellen sollen besser fußläufig erreicht werden können
    7. Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum durch Begrünung, Sitzgelegenheiten, Kunstobjekte verbessern

    Mehr und besserer ÖPNV

    Ein besseres Angebot im ÖPNV wird oft als Voraussetzung für den Verzicht auf das Auto dargestellt. Diese Ausrede wird in einigen Jahren nicht mehr zählen, denn ein Ausbau des Netzes, eine Taktverdichtung und eine insgesamt bessere Qualität im ÖPNV sind fester Bestandteil des Klimaplans. Die bereits geplanten Vorhaben wie die rechtsrheinische Stadtbahn, die Westbahn, die Stadtbahnverlängerung nach Buschdorf, der zweigleisiger Ausbau der Linie 18, die Umsetzung des Stadtbahnkonzeptes 2023 und die Einrichtung von regionalen Schnellbusangeboten sollen umgesetzt werden, auch die Seilbahn auf den Venusberg wird genannt. Alle Bonner Haushalte sollen eine Haltestelle im Umkreis von 300 Metern vorfinden. So soll der Anteil des ÖPNVs im Modal Split von 17% auf 25% erreicht werden.

    Bonn als 15-Minuten-Stadt

    Obwohl der Begriff der 15-Minuten-Stadt nur beispielhaft erwähnt wird, ist wohl genau das gemeint, wenn der Klimaplan etwas umständlich von verkehrssparenden Siedlungsstrukturen spricht. Raum- und Siedlungsplanung soll dem Leitbild der kurzen Wege in funktionsgemischten Quartieren entsprechen, in denen Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Schule und Freizeitaktivitäten auf kurzen Wegen verbunden werden können. Explizit eingeschlossen werden Gewerbe und Industriegebiete. Es sollen Stadtteilzentren gestärkt und Alternativen zum Auto gefördert werden. Doppelter Vorteil einer Stadt der kurzen Wege: weniger Emissionen, mehr Aufenthaltsqualität. Die bereits geplanten Bönn’schen Viertel könnten zu weitgehend autofreien Superblocks ausgeweitet werden, die sich am Modell aus Barcelona orientierten. In diese dürfen nur Anwohnende und andere Berechtigte wie Entsorger, Liefer- und Pflegedienste oder Handwerker mit dem Auto einfahren, der Durchgangsverkehr wird herausgehalten. Eine wunderbare Vision, die leider im Klimaplan nur als mögliche Ausweitung der Bönn’schen Viertel beschrieben ist und eine positive Evaluierung letzterer voraussetzt. Insgesamt werden verkehrssparende Siedlungsstrukturen langfristig einen großen positiven Einfluss auf die Strukturen und die Lebensqualität der Stadt haben.

    Zielgruppenspezifische Maßnahmen

    Ohne Auto zur Schule oder Kita

    Ein leidiges Thema sind Elterntaxis morgens und nachmittags vor Schulen und Kitas, die nicht nur Emissionen verursachen, sondern auch die Sicherheit für die Kinder und Jugendlichen beeinträchtigen. Eine kinderfreundliche Mobilität und Verkehrsplanung ist seit Gründung des Radentscheids eine unserer Kernforderungen. Wir freuen uns deswegen sehr darüber, dass dieser Punkt im Klimaplan aufgegriffen wird. „Ein Mobilitätsmanagement für Kitas und Schulen soll zum einen die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass elterliche Hol- und Bringdienste reduziert werden oder nicht motorisiert erfolgen.“ Dazu sollen Mobilitätsmanager*innen geschaffen werden, die sich zum einen mit den Schul- und Kitawegen, zum anderen mit dem Verkehrsmanagement bei Veranstaltungen befassen. Schulen und Bildungseinrichtungen sollen beraten und bei der Umsetzung von Maßnahmen begleitet werden, die es Schüler*innen ermöglichen, mit dem Rad, zu Fuß oder im ÖPNV zur Schule zu kommen, bzw. den Eltern, ihre jüngeren Kinder zu bringen.

    Mobilitätskonzept für städtische Beschäftige

    Für die Beschäftigten der Stadt und städtischer Einrichtungen soll ein integriertes Konzept entwickelt werden, das Fahrten zur Arbeit mit dem Pkw unattraktiver macht, indem Stellplätze reduziert und kostenpflichtig gemacht werden. Gleichzeitig sollen umweltfreundliche Verkehrsarten attraktiver gemacht werden, indem das Jobticket zum Preis von 1 € pro Tag angeboten und die Zahl der Fahrradabstellplätze inkl. Umkleiden und Duschen erhöht wird. Bei konsequenter Umsetzung besteht die Hoffnung, dass die Stadtverwaltung damit Standards setzt, denen sich andere Unternehmen aus Bonn anschließen. Außerdem werden neue Pkw im städtischen Fuhrpark nur noch elektrische Antriebe haben, bei Nutzfahrzeugen soll „bedarfsgerecht“ der Einsatz von Lastenrädern geprüft werden. Verbrennerdienstwagen werden also bald der Vergangenheit angehören, und es werden städtische Lastenräder durch Bonn rollen. Wir sind daher optimistisch, dass die Stadt, die Stadtwerke und alle stadteigenen Gesellschaften trotz laufender autozentrierter Projekte wie dem Mitarbeiter- und Betriebsparkhaus mit 368 Autostellplätzen und null Fahrradstellplätzen sich auch im Bereich Mobilitätsmanagment ihrer Verantwortung stellen.

    Einschränkungen für den motorisierten Verkehr

    Der Klimaplan spricht deutlich aus, dass die Zukunft der Mobilität in Bonn nicht beim Auto, nicht mal beim E-Auto, liegt, weil auch dieses zu viel Ressourcen und Stadtraum verbraucht. Laut Klimaplan werden die „Privilegien, die der Pkw gegenüber dem Umweltverbund in der Planung und der Nutzung immer noch genießt, umgehend abgebaut“. Autoverkehr soll in Bonn zukünftig weniger attraktiv werden, und Bürger*innen sollen zur Nutzung anderer Verkehrsmittel motiviert werden. Dazu sieht der Klimaplan vor, Straßenraum umzuverteilen, wie im Abschnitt zum Radverkehr beschrieben, Parkraumkonzepte einzuführen und die Anzahl oberirdischer Parkplätze zu reduzieren. Autofahrende müssen sich also darauf einstellen, dass für ihre motorisierten Fahrzeuge zukünftig weniger Platz im öffentlichen Raum bereit steht, und dass sie dafür kostengerecht zahlen müssen.

    Unser Fazit

    Die Ziele des Radentscheids sind im Wesentlichen im Klimaplan adressiert, mit Ausnahme von niveaugleichen und sicheren Einmündungen, die nur für den Fußverkehr thematisiert werden, aber für den Radverkehr zur Steigerung der Verkehrssicherheit ebenso erforderlich sind. Leider gibt es im Klimaplan keine Quantifizierung der Maßnahmen – also keine Vorgabe zur Anzahl der sicheren Kreuzungen, Kilometer an Radpendlerrouten oder baulich getrennten Radwegen. Dies hätte die Bindungswirkung des Klimaplans nochmals verstärkt. Dafür geht der Klimaplan im Bereich Radverkehr an anderen Stellen über den Radentscheid hinaus, beispielsweise bei einer grünen Welle für den Radverkehr an Ampeln.

    Mit dem Klimaplan ist auch klar, dass es kein Zurück mehr gibt. Die Zukunft der Mobilität in Bonn liegt in der Verkehrswende. Mit jedem Ratsbeschluss, der diese Position stärkt, würde es für zukünftige Ratskoalitionen schwieriger, den Radentscheid zurückzunehmen oder andere Mobilitätsprojekte umzukehren.

    Positiv ist ebenso, dass der Klimaplan für den Mobilitätsbereich eine umfassende Strategie vorsieht, wie Emissionen durch Verkehr reduziert werden können. Es wird deutlich, dass der motorisierte Verkehr in Bonn zukünftig eine viel kleinere Rolle spielen wird, während der Umweltverbund gestärkt und ausgebaut wird. Sehr deutlich spricht der Klimaplan aus, was in den bisher umgesetzten Verkehrsmaßnahmen in Bonn noch nicht immer eindeutig zu erkennen ist, dass nämlich der motorisierte Verkehr eingeschränkt und unattraktiver gemacht werden soll. Das Signal an die Bonner*innen ist klar: steigt um! Die notwendige Verhaltensänderung wird noch schwieriger zu erreichen sein als die Änderungen der Verkehrsplanung oder der Ausbau der Radwege. Widerstände gegen die Veränderung jahrzehntelange Gewohnheiten sind allerdings zu erwarten, umd zeigen sich bereits jetzt. Hier sollte die Stadt mit einer umfassenden Kommunikationsstrategie ansetzen und versuchen, möglichst viele Bürger*innen für die Unterstützung der Transformation zu gewinnen.

    Geschrieben von Sonja

  • Bonn, wir müssen reden!

    Bonn, wir müssen reden!

    Es fing alles grandios an, damals 2020. Mit dem Wahlsieg der aktuellen Ratskoalition. On top Katja Dörner als grüne Bürgermeisterin, die sich schon in ihrer Zeit als Bundestagsabgeordnete für die Belange des Bonner Radverkehrs interessiert hat. (Nein, das haben wir nicht vergessen, Katja!) Mit einem fulminanten Ergebnis des Bürger:innenbegehrens „Radentscheid Bonn“. Bei Bevölkerung und im Rat überwältigende Zustimmung. Sogar die Déus-CDU hat den Radentscheid mit beschlossen – unglaublich!

    Wir waren im siebten Himmel!

    Natürlich war klar, dass nicht am Montag nach der Wahl die Asphaltiermaschinen anrücken. Große Dinge brauchen große Planungen. Und damit wir uns nicht missverstehen: Wir glauben nach wie vor daran, dass die Verkehrswende der politischen Führung eine Herzensangelegenheit ist und dass es auf fast allen Ebenen der Stadtverwaltung auch engagierte Kämpfer:innen für dieses Projekt gibt!
    Wir wissen auch um die Schwierigkeiten, unwillige oder phlegmatische Beteiligte mitzuziehen und zu motivieren. Wir wissen, wie lange Planungsverfahren im Allgemeinen dauern. Und natürlich bekommen wir alle jeden Tag mit, wie hart es ist, gegen die rückwärtsgewandten Nervensägen bei IHK, CDU, FDP und nicht zuletzt unser aller Lieblingszeitung anzukämpfen.

    So, und jetzt kommt das „Aber“!

    Jetzt, nach der halben Legislaturperiode und zwei Jahre nach Annahme des Radentscheides muss so langsam mal klar werden, wo die Fahrradreise hingehen soll! Wird das der große Wurf oder doch nur der kleine Bikepacking-Overnighter mit Wildcampen?
    Es kann einfach nicht sein, dass sich das Projekt Verkehrswende auch nach zweieinhalb Jahren noch ohne Masterplan präsentiert. Bzw. nicht präsentiert. Dagegen sind die Panzerlieferungen von Scholz eine Kurzschlussreaktion.

    unklare Radweg in Bonn
    Lievelingsweg

    Woran liegt es denn, Bonn? Wo ist Eure Vision?

    Was ist Eure konkrete Idee von der Verkehrswende? Haben wir uns am Ende missverstanden? Geht es nur darum, die größten Katastrophen in Stückchenarbeit zu beseitigen? So etwas „Fahrradhauptstadt 2020“ und ein bißchen „Raddialog“? Hier 50cm mehr Rheinauenradweg und da die schlimmsten „Mordstreifen“ im Mischverkehr sowie die Trampelpfade mit Benutzungspflicht beseitigen? Oder soll doch die große Einladung an alle Menschen in Bonn ausgesprochen werden, gerne das Fahrrad zu benutzen? Wollt Ihr ein „Utrecht“, oder doch nur ein „Münster“? Für ersteres fahren wir. Jeden Monat am letzten Freitag.

    Wollt ihr
    „Eine lebenswerte, kinderfreundliche und klimagerechte Stadt, in der sich alle sicher bewegen können.“(Initiative Radentscheid Bonn)
    Fragezeichen!

    Solange wir Eure Vision nicht erkennen können, werden wir uns immer wieder an halbherzigen Umsetzungen stören und uns streiten. Bornheimer Straße! Kölnstraße! „Uni trifft City“! Geht das jetzt so weiter? Müssen wir einen Kampf führen, der zwischen Bäumen und Grünflächen auf der einen und Radwegen auf der anderen Seite entschieden wird? Um jeden Abstellbügel diskutieren? Und wollen wir uns dabei von GA und Citymarketing e.V. den Diskurs diktieren lassen? Oder wollen wir (ja, „wir“!) die ganze Bäckerei?

    Eine deutliche Mehrheit der Bonner:innen steht hinter Euch!

    enge Radwege in Bonn
    Baumschulallee

    Die Hardcore-Autofraktion führt verzweifelte Rückzugsgefechte. Wir sind blöd, wenn wir das Momentum nicht nutzen! Die Voraussetzungen sind so günstig wie nie – aber die Zeit drängt: Sowohl was die politischen Rahmenbedingen in Bonn, als auch die klimatische Entwicklung weltweit angeht, wird der „Sweet Spot“ nicht ewig währen.

    Wenn wir diesen Plan – Eure Vision – sehen, liebe Stadt Bonn, dann sind wir auch geduldig, atmen einmal tief durch, wärend wir das Ordnungsamt anrufen, weil mal wieder der Radweg zugeparkt ist, und kämpfen Euch jederzeit mit größtem Vergnügen den Weg frei. Aber momentan platzt uns einfach nur der Kragen.

    geschrieben von Tobi und zuerst veröffentlicht von Critical Mass Bonn

  • „Ohne Veränderung verändert sich halt nix.“ 

    „Ohne Veränderung verändert sich halt nix.“ 

    Wie bist du denn heute zur Arbeit gekommen? 

    Heute bin ich tatsächlich mit dem Auto gekommen, weil ich vorher in Köln einen Termin hatte und ich noch eine riesige Kiste mit Ware transportieren musste. Da ich in Hersel wohne und jetzt zwischen Köln, Bonn und Hersel hin- und herfahren musste, wäre das anders nicht gegangen. Aber sonst komme ich tatsächlich meistens mit dem Fahrrad. 

    Euer Laden liegt ja in der Friedrichstraße und die ist seit 1997 autofrei – wie kommen denn Eure Kund:innen zu Euch? 

    So genau weiß ich das natürlich nicht bei jede/r Kund:in, denn bei denen, die mit dem Auto kommen, sehen wir das ja nicht – die fahren ja direkt in die Tiefgaragen und kommen dann genau wie die Nutzer:innen des ÖPNV zu Fuß hierher. Aber ich sehe auch immer viele, die mit dem Fahrrad direkt vor der Ladentür parken. 

    Ist das ein Thema, bei Euren Kund:innen? In dem Sinne, dass es vielleicht Beschwerden darüber gibt, dass die Geschäfte schwierig zu erreichen wären mit dem Auto? 

    Nein. Also das habe ich hier im Laden noch nicht ein einziges Mal gehört. Und ich kenne das Thema  auch aus der privaten Perspektive: Es gibt durchaus Situationen, in denen ich mit dem Auto in die Innenstadt fahre und dann fahre ich halt ins Parkhaus. Da soll es ja das ein oder andere geben in Bonn. 

    Wisst ihr, wo Eure Kund:innen so herkommen? 

    Also eine richtige Erhebung dazu haben natürlich nicht gemacht, aber wir unterhalten uns oft. Wir haben eine ganz gute Mischung aus Stammkund:innen aus dem Bonner Stadtgebiet – aber viele kommen auch aus der Eifel, dem Westerwald, aus Koblenz oder dem Bergischen zu uns. 

    Wie machen das Eure Lieferant:innen oder Handwerker:innen, die zu Euch müssen? 

    Unsere Ware wird bis 12 Uhr von den üblichen Kurierdiensten angeliefert. Handwerker parken zwar auch schon mal hinter dem Haus, können ansonsten aber auch problemlos in dem Zeitraum vorne stehenbleiben. 

    Wir waren lange Zeit der einzige Laden in diesem Bereich der Friedrichstraße, der keine Blumenkübel oder Ähnliches vor der Tür stehen hatte, wodurch wir immer wieder Probleme mit Leuten hatten, die meinten, hier zum Einkaufen parken zu müssen. Aber jetzt haben wir seit drei Jahren gottseidank die Grüne Insel, die einerseits sehr schön und ein Ort der Begegnung ist und andererseits dafür sorgt, dass unser Laden hier nicht mehr zugeparkt wird. 

    Grüne Insel? 

    Die Grünen Inseln sind ein Projekt vom Wissenschaftsladen Bonn um die Innenstadt etwas grüner zu machen. Das sind kombinierte Pflanzkübel und Sitzgelegenheiten aus Holz. Da sitzen dann oft Menschen und trinken ihren Kaffee, essen ihr Eis oder ruhen sich einfach nur aus und kommen miteinander ins Gespräch. Und wir kümmern uns darum, bepflanzen sie und machen sie jeden Morgen sauber. 

    Die Friedrichstraße ist erst seit rund 20 Jahren Fußgängerzone, also viel später dazugekommen. Hast du eine Idee, wie der ehemalige „Cityring“, also das Teilstück zwischen Busbahnhof und Viktoriakarree, künftig aussehen könnte? 

    Ich habe ganz lange in Hamburg gewohnt und dort wurde in Eimsbüttel die Osterstraße – früher eine Hauptdurchgangsstraße – komplett neu angelegt. Heute können da Fuß-, Rad- und Autoverkehr gut parallel vorankommen – das ist natürlich der Idealfall. Zu Frust führt immer, wenn zu wenig Platz für alle ist. Wichtig ist, dass es eine klare Aufteilung gibt, also zum Beispiel einen Fahrradstreifen und einen Fußgängerstreifen. 

    Ich fahre ja selber auch viel Fahrrad, aber ich würde zum Beispiel nicht auf die Idee kommen, nachmittags um drei hier mit 25 km/h durch die Friedrichstraße zu radeln. Das macht zwar nur eine Minderheit, aber das wird dann halt in den Medien und Kommentarspalten bei Facebook hervorgehoben. Gegenseitige Rücksichtnahme ist hier einfach von allen Seiten gefragt. 

    Merkt ihr hier etwas von der Kappung des Cityrings? 

    Nein, das kann ich wirklich nicht anders sagen: Das hat überhaupt keinen Einfluss auf uns. 

    Und wie erklärst Du Dir dann, das teilweise behauptet wird, die Umsätze des Einzelhandels würden um bis zu 25% einbrechen? 

    Ich glaube, das ist ein generelles Problem des stationären Einzelhandels, dass die Umsätze einbrechen und das liegt wohl teilweise auch an den Konzepten. Die ganze Corona-Lockdown-Phase war natürlich extrem hart, aber wir haben danach einen deutlichen Zustrom gemerkt – auch, dass die Leute ganz gezielt zu uns kommen. Ich glaube nicht, dass der Umbau des Cityrings bei der großen Mehrheit der Menschen irgendeinen negativen Einfluss hat – dann wäre es ja auch kein auf Bonn beschränktes Phänomen. 

    In der Berichterstattung wird immer nur der negative Aspekt betont, wenn es um Veränderungen geht. Anstatt zu klagen, dass da jetzt irgendwo einzelne Parkplätze wegfallen, könnte man ja zum Beispiel auch mal sagen: „Hey, super, dass da jetzt mehr Platz für Menschen zu Fuß ist und dass die Menschen sich freier in der Stadt bewegen können!“ Beim Lesen der Artikel hat man ja teilweise den Eindruck, man könne die Innenstadt nicht mehr mit dem Auto erreichen, geschweige denn ins Parkhaus fahren, aber das stimmt ja schlichtweg nicht. 

    Wie schätzt du generell die Verkehrssituation in Bonn ein? 

    Es kommt natürlich immer drauf an, von wo man kommt und wohin man will, und es gibt immer auch gute Gründe für unterschiedliche Menschen, ein Auto zu benutzen. Man darf nicht vergessen, dass es Menschen gibt, die aus gesundheitlichen Gründen aufs Auto angewiesen sind. Für viele andere und auch für mich persönlich ist das auch oft auch einfach nur Bequemlichkeit – aber letztlich gilt: Ohne Veränderung verändert sich halt nix – und so wie es ist, kann es nicht bleiben. 

    Immer mehr Autos … das ist schwierig. Es wird oft vergessen, dass die Zahl der zugelassenen Autos in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen hat und es auch dadurch vermehrt zu Staus kommt.  Es hilft natürlich auch nicht, einfach alle Autos aus der Stadt zu verbannen und den Rest dann so zu lassen, wie er ist. Es müssen Konzepte her. Was mir hier in der Breite etwas fehlt, ist zum Beispiel der öffentliche Nahverkehr. Das wäre wichtig. Bislang ist er insbesondere in Bonn zu teuer zu kompliziert und zu wenig flächendeckend. Aber da tut sich ja glücklicherweise mit dem Bürgerticket etwas. Und es gibt einfach Stellen, an denen ich definitiv nicht Fahrrad fahre, weil es mir zu gefährlich ist. 

    Wie blickst du allgemein in die Zukunft der Innenstadt? 

    Wir haben doch alle während Corona gemerkt, dass es so ganz ohne persönlichen Kontakt schwierig ist. Sonst würden wir ja jetzt alle nur noch online kaufen. Die großen Ketten sind sicher größtenteils eher austauschbar und werden wohl langfristig vom Online-Geschäft verdrängt. Aber Läden, die eine persönliche Beratung bieten und eine Willkommens-Atmosphäre schaffen, werden immer eine Zukunft haben. Da glaube ich ganz fest dran, das erlebe ich hier in der Friedrichstraße an vielen Stellen und das bekommen wir regelmäßig von unseren Kund:innen zu hören. 

    Ich wünsche mir auch mehr Wohnraum in der Innenstadt, auch damit es hier nachts nicht so ausgestorben ist – die Innenstadt muss wieder belebt werden und wenn man weiß, wieviel Wohnraum hier leer steht, ist da auf jeden Fall Potenzial versteckt. 

    Es müssen Konzepte her, die all das berücksichtigen. Und wenn man in andere Städte schaut, wo schon Konzepte umgesetzt wurden, dann sie man ja auch, dass das die Innenstädte nicht schädigt, sondern – im Gegenteil – wieder belebt. 

    Liebe Kerstin, vielen Dank für das Gespräch!

    Das Gespräch führten Tobi und Martin