Pfarrer auf dem Rad

Thomas Schüppen klagt aus persönlicher Betroffenheit

Der Pfarrer der Alt-Katholischen Kirchengemeinde an der Adenauerallee ist Auto-, Motorrad- und Radfahrer. Seit zwölf Jahren kennt er den Verkehr auf der Adenauerallee sehr intensiv und widerspricht den Plänen des Oberbürgermeisters.

Thomas Schüppen ist Pfarrer der Alt-Katholischen Gemeinde Sankt Cyprian und wohnt in unmittelbarer Nähe zur Adenauerallee. Auf meine Frage, warum er gegen die Wegnahme der sicheren Fahrradspuren auf der Adenauerallee klagt, spricht er zuerst über Sicherheit im Verkehr. Seit zwölf Jahren ist er bei der Gemeinde und kennt die Situation vor der Ummarkierung im Juli 2025 noch sehr gut. Er ist dort jeden Tag mit seinem Kind zum Kindergarten gefahren und fand die Situation immer beängstigend. Das Wort „Fahrradschutzstreifen“ ist für ihn ein Hohn. Man sei dort nicht geschützt, vielmehr glauben viele Autofahrende, dass sie an Radfahrenden vorbeifahren können, solange sie die gestrichelte Linie nicht überfahren. Um den Sicherheitsabstand von 1,5 m einzuhalten wäre aber, ohne die Spur zu wechseln, faktisch kein Überholen eines Rades möglich. Die tägliche Erfahrung sind aber knappe, gefährliche Überholaktionen. Das Jahr mit den sicheren Fahrradspuren war dagegen viel entspannter. Er geht davon aus, dass es jetzt wieder so gefährlich wie zuvor sein wird.

„Viele Gemeindemitglieder waren glücklich über die Radspuren”

Dass nicht nur er das so sieht, zeigen auch die Gemeindemitglieder. Im Garten vor dem Pfarrhaus gibt es viele Fahrrad-Abstellplätze und er erzählt, dass auch alte Menschen mit dem Rad zum Gottesdienst kommen. Sie seien glücklich über die Fahrradspuren gewesen, sagt er. Wenn jetzt sogar streckenweise eine Komplettsperrung für den Radverkehr kommt, wird das zu einem großen Problem. 

„Staus hat es hier schon immer gegeben”

Thomas Schüppen spricht nicht für alle Gemeindemitglieder, sondern vor allem aus seiner persönlichen Betroffenheit. Dass der Oberbürgermeister schon vor der Wahl versprochen hat, alle vier Spuren auf der Adenauerallee wieder für den Autoverkehr zu öffnen, hält er für den eigentlichen Grund der Änderung. Die Sperrung der Nordbrücke wirkt sich hier gar nicht wirklich aus. Die ganze Aktion hält er für Unsinn. Als Anwohner weiß er, dass es vor der Kirche schon immer Staus gegeben hat – vor den Radspuren, mit den Radspuren und wahrscheinlich auch danach. Die Engstellen sind das Koblenzer Tor und die Kreuzung am Bertha-von-Suttner-Platz. Dass jetzt der Fahrradverkehr auf Teilstrecken sogar noch verboten wird, empört ihn. Dafür gebe es keine Rechtfertigung. 

Auch versteht er nicht, wie der Oberbürgermeister hier von einem Versuch spricht. Es sei doch jahrelang bekannt, wie die Situation mit vier Autospuren ist und es gab einen mehrjährigen Verkehrsversuch, in dem viele Daten gesammelt wurden. Dass der Wechsel des Oberbürgermeisters bedeutet, dass wieder Straßen aus rein politischen Gründen zurückgeändert werden, ärgert ihn. So kommen wir nicht voran. Thomas Schüppen spricht von seinen Erfahrungen in Rom und Florenz, wo es Mautsysteme gibt, die die Innenstadt von Autoverkehr entlasten und besser machen. So eine Richtung wünscht er sich auch für Bonn.

Mit einem Kopfschütteln erzählt er mir von der kürzlichen Verschmälerung des Bürgersteiges vor der Unibibliothek. Dafür wurden mitten im Hitzesommer mehrere große Pflanzkübel entfernt. Vor einiger Zeit hatte das Beethovengymnasium ebenfalls den Wunsch, die Kübel zu entfernen, damit auf dem Bürgersteig ein Radweg eingerichtet werden könnte. Darauf sollten die Schülerinnen und Schüler mit dem Rad aus Richtung Innenstadt sicher zur Schule kommen können. Von der Verwaltung hieß es damals, dass die Blumenkübel unter Denkmalschutz stehen würden. Das schien jetzt kein zu berücksichtigendes Problem zu sein.

„Ich fahre gerne Fahrrad, Motorrad und Auto”

Thomas Schüppen fährt gerne mit dem Rad. Er ist aber gleichzeitig auch Motorrad- und Autofahrer. Und es ist typisch, dass er als direkter Anlieger und Nutzer der Straße ganz andere Optimierungsmöglichkeiten für den Verkehr sieht, als die Planer im Stadthaus. So könnte man auf der Willy-Brandt-Allee das späte Einfädeln Richtung Reuterstraße verhindern und damit die Zufahrt zur Adenauerallee freihalten. Bei den Ampelschaltungen sieht er Verbesserungspotential und den Grünpfeil an der Ampel an der Rheingasse hält er für einen Fehler. Autos und Busse, die hier bei Rot rechts abbiegen wollten, ständen immer den querenden Fußgängerinnen und Fußgängern sowie den Radfahrenden im Weg. 

Als er auf unserer Demonstration im Juni auf der Bühne geredet hat, war es seine erste Rede auf einer Demonstration. Er wollte damit unser Anliegen unterstützen und hat sich in der Folge entschieden, auch als Kläger für die Radstreifen aufzutreten. 

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